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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1884-01-01 · Heft 1 (1.1.1884) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
48 (1884)
Issue
Heft 1 (1.1.1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 gesehen davon, daß Cr4mieux erst vier Jahre nach dem Bestände der Alliance derselben beigetreten, ist dieser Aufruf das Machwerk des größten Betruges. Man braucht nur den wirklichen Aufruf mit diesem erdachten zu vergleichen, um zu sehen, daß nur einige Anfangsworte der Sätze und einige völlig unbedeutende Phrasen aus dem wirklichen Aufruf entlehnt sind, um die gistigste Diatribe daraus zu machen. Die deutschen antisemitischen Blätter, die Kreuzzeitung voran, gaben dieses Falsifikat, dem doch die plumpe Fälschung auf die Stirn geschrieben ist, wieder, und beriefen sich auf dasselbe als eine Urkunde, welche alle ihre Beschuldigungen gegen die Juden erhärte. Nur einige vorsichtigere Blätter, wie wiederum die Kreuzzeitung, sprachen einen leisen Zweifel über die Echtheit aus, den sie jedoch sofort durch empfehlende Sätze zu verwischen suchten. Dies veranlaßte endlich den Ausschuß des Centralcomit^s in Paris aus der von ihm bis jetzt inne gehaltenen Reserve des Stillschweigens gegen die auf die Alliance geschleuderten Jnvectiven herauszutreten und durch die abermalige Veröffentlichung des wirklichen Aufrufs jenes Falsificat zu entlarven. Unserer Meinung nach hätte der Ausschuß den vielen schon früher über die Alliance verbreiteten Lügen mit ähnlichen Erwiderungen entgegentreten sollen, um die Wahrheit auch für das größere Publikum zu konstatiren, und die Lügenhaftigkeit der Antisemiten demselben klar zu legen. Herr Di-. S. Neumann, als Mitglied des Centralcomitvs, hat nun in der Berliner Bolkszeitung in vier Artikeln den echten und den gefälschten Aufruf in französischer und deutscher Sprache wiedergegeben und in nachdrücklicher Weise das Thun und Treiben der Antisemiten charakterisirt. Diese Artikel sind jetzt in einem Separatabdruck unter dem Titel: „Die neueste Lüge über die israelitische Allianz, ein Probestück aus der antisemitischen Moral. Von Dr. S. Neumann, Mitglied des Centralcomitvs der israel. Allianz. Berlin 1863" (Berlin, Verlag der Bolkszeitung 1883) erschienen, und empfehlen wir das Schriftchen zu möglichst weiter Verbreitung. — Der „Bert. Mont.-Zeitg." zufolge findet in diesen Tagen in Italien die Vermählung der Wittwe des Freiherrn Dr. Gans Edler zu Puttlitz mit einem Herrn von H. statt. Damit findet die traurige Selbstmordaffaire ihren Abschluß und es wird zur Erklärung derselben wohl kaum eines „jüdischen Referendars" bedürfen. Wohl aber zeigte sich hierbei die ganze sittliche Erbärmlichkeit des Antisemitismus in rother bengalischer Beleuchtung. Berlin, 20. Dez. (Privatmitth.) Der jetzt hier domizilirende Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat in diesen Tagen Nr. 11 seiner „Mittheilungen" ausgegeben. Nr. 10 derselben war in der Mitte des Jahres 1882 erschienen und wurden weitere Veröffentlichungen durch die Uebersiedelungen von Leipzig nach Berlin und die Herstellung einer neuen Geschäftsführung verhindert. Für die Zukunft beabsichtigt der Ausschuß seine Mittheilungen als kleinere Flugschriften in kürzeren Zeitabständen erscheinen zu lassen, um den Verkehr mit dem Publikum reger zu machen. Zuerst wird die Geschichte des Bundes seit jener Zeit referirt, welche in jener durch die Entscheidung des sächsischen Ministeriums nothwendig gewordene Uebersiedelung nach Berlin ihr bedeutsamstes Moment gefunden hat. Die Theilnahme des Gemeindebundes am russischen Hnlfswerk, für welches bei ihm Spenden im Belaufe von Mark 8194 eingelaufen, wird besprochen. Bei dem Uebergang nach Berlin zählte der Bund 170 Gemeinden, von welchen 2 (Schweinfurth und Würzburg!!) ausschieden, dagegen 23 eintraten, so daß deren Zahl jetzt 191 beträgt. Damals gab es nur 8 persönliche Mitglieder, jetzt bereits 100. Auch hier die Erscheinung, daß die großen Gemeinden, die der Hülfe des Bundes wenig bedürfen, großentheils zu ihnen gehören, während die große Mehrzahl der kleineren Gemeinden, für welche der Bund vorzugsweise thätig ist, fern bleiben. Am meisten beschäftigte sich der Ausschuß mit einem Normalplan - Entwurf für den Religionsunterricht. Wenn derselbe auch nicht ein einheitliches Verfahren, eine bestimmte Methode im Religionsunterrichte zu erwirken, im Stande ist, so hat der Ausschuß hierdurch das Verdienst, den Gedanken des nach einem Lehrplan geordneten Religionsunterrichtes gefördert zu haben, was zu den unentbehrlichsten Bedürfnissen in unserer Zeit gehört. Es folgt der Bericht über Einnahmen und Ausgaben des Bundes, die sich in der Bilanz während des in Rede stehenden Zeitraumes auf M. 31,990 belaufen, worunter die Einnahmen und Ausgaben der mit dem Bunde vereinigten Stiftungen, wie der Herxheimerstiftung, Philippson-Stiftung, Friedrich Wilhelm Victoria-Stiftung enthalten sind. Das Gesammtvermögen beläuft sich auf Mark 43,159. Wir können den Männern, die sich den Arbeiten des Ausschuffes, an ihrer Spitze der Geheimrath Dr. Kristeller, so hingebend unterziehen, nur den herzlichsten Dank aussprechen, sowie den Wunsch, daß die deutschen Gemeinden den Werth des Deutsch- Israelitischen Bundes, dessen Hauptzweck die Hebung des : religiösen Geistes und der für denselben bestimmten Institute ist, immer mehr anerkennen mögen. Berlin, 23. Dec. (Privatmittl.) Auf die von der „Boss.?Ztg." gegebene, von uns in vor. Nr. theilweise reproduzirte Schilderung der Personalien des Prof. Adolf Wagner, bei; welcher freilich es schicklicher gewesen wäre, den verstorbenen! Vater deffelben aus dem Spiele zu laffen, hat derselbe eine > heftige Erwiderung erlassen. Diese ist in solchen Ausdrücken! abgefaßt, daß die „V. Ztg." den Herrn Wagner vor Gericht ■ gezogen. Natürlich behauptete Wagner auch, jener Artikel sei! von einem „Juden oder einem von jüdischer Abstammung" I verfaßt. Das Gegentheil hat sich ergeben. Der Verfasser

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