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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-12-25 · Heft 52 (25.12.1883) · p. Seite 850

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 52 (25.12.1883)
Date
1883-12-25
Page
Seite 850 (sequence 14)
Language
German
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850 entrichten und der Gesellschaft die zur Verzinsung bestimmte Kapitalsquote von 4830 Pfund mit 5 Proz. zu verzinsen. Der Rest des Anlagekapitals (2640 Pfund) ist in 21 Jahresraten zurückzuzahlen. (Solche Bedingungen könnten von Ansiedlern erst nach Jahren erfüllt werden! Red.) Später soll abermals ein größerer Grundcomplex zum Zwecke der Colonisirung von Juden angekauft werden. Uebrigens hört man bereits von einem Concurrenz-Unternehmen. Eines der mächtigsten Bankhäuser, dessen Chefs dem jüdischen Glauben angehören, soll sich mit der Absicht tragen, in der Ebene bei Ramle ebenfalls einige tausend türkische Joch Grund und Boden anzukaufen und dort jüdische Familien anzusiedeln. —. Bekanntlich hat die in Jerusalem gegründete Knabenschule eine besondere Abtheilung für Handwerkslehrlinge. Diese wird jetzt bereits von ca. 100 Zöglingen besucht. Je segensreicher diese Einrichtung zu wirken verspricht und auch schon gewirkt hat, desto wünschenswerther ist es, daß die dazu erforderlichen Kosten, jährlich etwa 15,000 Mark betragend, sich auch fernerhin finden werden. Das Comitä Montagu in London hat einen desfallfigen Aufruf erlassen und hoffen wir, daß derselbe bei edlen Menschenfreunden den besten Erfolg haben wird. Bonn, 16. Decbr. (Notizen.) Man berichtet aus Berlin'vom 10. d.: Der verstorbene königliche Kommerzienrath und Hofjuwelier Wilhelm Friedeberg wurde heute Bormittag vom Trauerhause, Unter den Linden 42, zu seiner letzten Ruhestätte überführt. Eine zahlreiche Trauerversammlung. in der man die Kommerzienräthe Liebermann und Gerson, von Schriftstellern die Herren Spielhagen, Rodenberg, Frenzel, an Künstlern die Professoren Ende, Lürssen, Lesfing, ferner Stadtrath Wolff, Professor Leo, Abgeordneter Ludwig Löwe u. A. bemerkte, hatte sich in der Wohnung des Verstorbenen versammelt. Nach einleitendem Choralgesang des alten Synagogenchors hielt Prediger vr. Apolant die Trauerrede. Dann widmete Friedrich Spielhagen dem Heimgegangenen Worte des Dankes für seine Liebe und Freundschaft. Mit einem vom Synagogenchor gesungenen Scheidelied endete die Trauerfeier. Die Bestattung erfolgte auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee. — Herr S. C. Rosenwald, Chef eines französischen Jnfanteriebataillons, ist zum Oberstlieutenant bei dem 130. Linienregimente ernannt worden. — Herr Salomon Rein ach, Mitglied des archäologischen Instituts zu Athen, ist nach Tunesien abgereist, um Ausgrabungen auf den Ruinen von Carthago zu machen. Feuilleton. Heinrich Heine über Moses. Wer die Schriften Heinrich Heine's kennt, weiß, wie oft er, der von Spottlust und Ironie überfloß, die frivolsten Aeußerungen über positive Religion, Judenthum und Juden that. Dennoch bewies er durch sein meisterhaftes Fragment „Der Rabbi von Bacharach" und manche Pitzcen in seinem „Romanzero", daß auf dem Grunde seines Gemüthes doch die Anhänglichkeit an den Glauben und den Namen seiner Väter nicht ganz geschwunden war. Es ist daher erklärlich, daß er auf seinem langen Schmerzenslager, selten von einigen wenigen Freunden besucht, zu tieferem Nachdenken gelangte, sowie zu der Einsicht, daß seine leidensvolle Krankheit eine unmittelbare Folge seines Lebenswandels war, dem er, der sich so gern als „Grieche und Olympier" rühmte, sich ergeben hatte. Er kehrte in seiner Ueberzeugung zum Gottglauben und zum Mosaismus zurück und verfaßte folgenden Arttkel nicht lange vor seinem Tode, den wir in wortgetteuer Uebersetzung wiedergeben.*) 1) Es ist uns im Augenblicke unbekannt, ob ver obige Artikel bereits einmal und zwar in deutscher Sprache veröffentlicht worden. Wir finden ihn in der soeben erschienenen Schrift: Souvenirs intimes cke Henri Reine par ^lexanckre Weill, Paris, Dentu, 1883 p. 115. Diese Schrift, die für Heine und seine Frau sehr compromittirend ist, ohne daß wir die Nothwendigkeit einsehen, derartige Schilderungen intimer Scenen der Oeffentlichkeit zu übergebeu, wollen wir deshalb durchaus nicht empfohlen haben. Die Bedeutung, die für uns das obige Bekenntniß eines immer doch genialen Schrift- „Nichts Imposanteres giebt es als die großartige Gestalt von Moses! Welch' ein Riese! Und wie klein erscheint der Berg Sinai unter dem aufrecht stehenden Moses! Dieser Berg ist nur der Sockel unter den Füßen eines Sterblichen, deffen Haupt bis in den Himmel ragt und noch weiter hinaus, um mit Gott zu reden. In meiner Jugend, vom hellenischen Geiste beherrscht, liebte ich Moses nicht allzu sehr, ich machte ihm seine Antipathie gegen die plastische Kunst zum Borwurf, seinen Widerwillen gegen jedes von Menschenhand gefertigte Bildniß, und vergaß dabei, daß ja Moses selbst eines der größten künstlerischen Genies der Welt gewesen, nur mit dem Unterschiede, daß seine Kunst nur das Riesenhafte und Ewige umfaßte. Er errichtete Pyramiden aus Menschen; er meißelte Obelisken. aus Sterblichen. Er nahm einen armen Hirtenstamm und machte daraus ein Volk, das den Jahrhunderten widerstellers hat, wird hierdurch nicht vermindert. Herr Weill schreibt sich das Verdienst zu, Heine bekehrt zu haben, und kramt dabei seine, von uns schon einmal ausführlich widerlegten, ganz willkürlichen Ansichten über den Pentateuch abermals aus. Weill macht sich die Lehre Mosis vom Standpunkt eines modernen deistischen und zwar völlig einseitigen deistischen Denkers zurechte, und was ihm nun mit seiner willkürlichen Ansicht im Pentateuch nicht übereinstimmt, das schreibt er als Einschiebsel und Verunstaltung Esra zu. Bei dieser Operation bleiben ihm vom Pentateuch kaum drei oder vier Seiten übrig, das andere ist Zuthat. In dem ganzen Schriftchen ist nur der obige Artikel Heine's und eine Discufsion zwischen Balzac, Sue und Heine lesenswerth.

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