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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-12-25 · Heft 52 (25.12.1883) · p. Seite 851

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 52 (25.12.1883)
Date
1883-12-25
Page
Seite 851 (sequence 15)
Language
German
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851 stand, ein großes, ewiges, heiliges Volk, ein Volk Gottes, das allen anderen Völkern der Erde zum Borbilde dienen kann, ein Mustervolk für die Menschheit'. Er schuf Israel! Wie über den Arbeiter, so sprach ich auch nicht immer mit Respekt von seinem Werke: den Juden. Die Geschichte des Mittelalters und selbst die aller Zeiten besitzt in ihren Annalen keine Ritter vom heiligen Geiste von diesem Schlage. Man kennt sie nicht einmal, denn sie kämpften mit gesenktem Visir. Die Thaten und Handlungen der Juden sind ebenso wie ihre Sitten der Welt unbekannte Dinge. Man glaubt sie zu kennen, weil man ihre Bärte gesehen hat, aber man hat nur dies von ihnen gesehen, und wie im Mittelalter sind sie ein wandelndes Geheimniß. Vielleicht am allgemeinen Auferstehungstage, von dem der Prophet spricht, wird es entschleiert werden. Ja! Den Juden verdankt das Universum seinen Gott und auch den Juden verdankt die Welt ihr Wort: die Bibel: Sie haben dieses Buch aus dem Bankerott des römischen Reiches gerettet. Während der Zeit der wilden Thorheit der irrenden Ritter, haben sie dieses kostbare Buch bis zu dem Augenblicke bewahrt, wo der protestantische Christ, nachdem er es gesucht und bei ihnen gefunden, es in die Landessprache übersetzte und über die ganze Erde verbreitete. Im Norden Europas und Amerikas herrscht der Palästinismus so allgemein, daß man sich inmitten von Juden glaubt, ohne von den neuen Gemeinden der Bereinigten Staaten zu sprechen, wo man in pedantischer Weise das Leben des Alten Testaments nachäfft; aber wenn auch carrikirt, so wird doch das Gute, das Wahre, das Ewige im Judenthume, anders ausgedrückt, die Moralität der Sitten des alten Judenthums in diesen Ländern weiterblühen, wie ehemals an den Ufern des Jordans und auf den Höhen des Libanon. Man braucht keine Palmen, um gut zu sein, und gut sein ist mehr werth, als schön sein; Das Judenthum machte mir stets den Eindruck eines Stückes Occident, das sich im Orient verloren hat. In der That haben dieses Land und dieses Volk mit seinem geistvollen Glauben, mit seinen keuschen, strengen, oft ascettschen Sitten, kurz mit seiner abstrakten Seele, einen der lebhaftesten Gegensätze mit den benachbarten Völkern und Ländern gebildet, welche, dem wollüstigsten und extravagantesten Naturcultus; ergeben. ihre Existenz in einem bachanalischen Delirium der wollüstigen Sinne verschleuderten. Israel saß fromm unter seinem Feigenbaum, sang das Lob des unsichtbaren Gottes, pflegte die Tugend und Gerechttgkeit, während in den Tempeln von Babel, Niniveh, von Sydon und Tyrus blutige Orgien gefeiert wurden, deren Erzählung allein uns die Haare zu Berge steigen läßt. Wenn man diese Umgebung in Bettacht zieht, kann man nicht genug die frühzeitige Größe Israels bewundern. Soll ich von der Liebe der Juden zur Freiheit und Gleichheit sprechen, während man bei allen Völkern des Alterthums, selbst bei denjenigen, welche sich der Philosophie rühmten, die Sklaverei rechtfertigte, welche in ihrer ganzen vergifteten Blüthe dort herrschte. Ich will lieber darüber schweigen, aus Furcht, die Bibel in den Augen jetziger Machthaber zu compromittiren. Anstatt gegen das Unmögliche zu kämpfen, anstatt thöricht die Vernichtung des Besitzes zu dekretiren, strebte Moses nur dahin, ihn zu moralisiren. Er brachte den Besitz mit der Moral, mit dem Rechte der reinen Vernunft in Harmonie, und er erreichte sein Ziel durch den Zehnten, durch das verordnete siebente Brachjahr und durch die Einführung des Jobeljahres, wo jedes veräußerte Besitzthum an den ursprünglichen Besitzer zurückkehren mußte. Dieses Gesetz war ein flagranter Gegensatz zu dem römischen Gesetz über das Gebot des Eigenthums. Moses wollte den Besitz nicht abschaffen, im Gegentheil er wollte, daß Jedermann Eigenthümer wäre, damit Niemand durch Armuth Knecht mit den Gefühlen des Hungers würde. Freiheit! Freiheit! das ist immer der erste und letzte Gedanke des Emanzipators des Menschengeschlechts. Er haßte bis zum Zorne jede Sklaverei, jeden ttiechenden Geist. Wenn ein Sklave, der sich aus Armuth verkauft hatte und nach sieben Jahren durch sein Gesetz frei wurde, nicht mehr das Haus seines Herrn verlaffen wollte, so befiehlt Moses, daß dieser Spitzbube, dieser unverbesierliche Lump durch ein Loch im Ohrlappen gekennzeichnet werde, welches sein Herr ihm an der Thürpfoste einbohrte. O Mosche Rabenu, Meister und Lehrer, erklärter Gegner jeder Sklaverei, gieb mir deinen Hammer und deinen Nagel, um die langen Ohren aller unserer sentimentalen Sklaven zu durchbohren. Anzeigen. T« cpT*of A werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächstlll »vl ö» uv? folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Pommersche Gänsebrüste, streng irD u K l,5ü M., empfiehlt gegen Nachnahme [B. 18i>53] Lehrer Hirsch in Demmin. Cotillon u.CameVal-Gegenstände, Masken u. Costüme aus Stoff, Orden, Touren, Mutzen etc. empfiehlt die Fabrik von tielbke & Benedictas, Dresden. Illustr. deutsche u. franz. Preiscour, gratis u. franco. [Dr. 17469]

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