Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1883)
- Date
- 1883-12-25
- Page
- Seite 845 (sequence 9)
- Language
- German
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845 aus. Dem gegenüber wird nun das Bild von Wagner und dessen Vater folgendermaßen entworfen. „Rudolf Wagner, bis 1840 Professorin Erlangen,wo Adolf W. geboren ist,wurde in jenem Jahre als Nachfolger Blumcnbach's nach Göttingen berufen, wo er 1863 starb. Er war ein außerordentlich regsamer, temperamentreicher Mann, der immer auf der Höhe der Zeit und der Ereignisse zu stehen verstand, bibelgläubig, wie der orthodoxeste Theolog und doch exakter Naturforscher, nativ» bürg halten in dem Verein Ez-Chaim abwechselnd alle 14 Tage die vres Nathan, Heynemann, Cohn Vorträge, Herr I)r. Jfaacfohn hält allwöchentlich einmal jüdisch-wissenschaftliche Vorträge in seiner Synagoge, Herr Oberrabbiner vr. Löb allsonnabendlich Borträge, denen er das „Emunoth w' Doth" zu Grunde legt und allsonntäglich in dem Verein „Jeschurun" Vorträge aus der jüdischen Geschichte und nun kommt noch dazu ein Cyclus von acht Vorträgen, von den nalgesinnt, wie je ein alter Burschenschafter, und dabei der, Predigern des hiesigen israelitischen Tempelverbandes arrangirt, wärulste Verehrer des Welfenkönigs. Als der „Materialismus" das Entsetzen der Großen und Mächtigen geworden war, griff er ihn in der leidenschaftlichsten Weise an und gleichzeitig machte Karl Bogt bekannt, Herr Wagner spekulire in spanischen Papieren. Der Streit zwischen Rudolf Wagner und' Karl Bogt, der in mehreren Schriften ausgefochten wurde, endete mit einer schmählichen Niederlage Wagner's, dessen Halbheit und Hinterhältigkeit von seinem Gegner unbarmin welchem uns der hohe Genuß bereitet wird, die Herren Professoren Lazarus und Breßlau. und die Herren Prediger vres Leimdörfer und Jonas, Hamburg, Adler und Cassel zu hören. Bereits hat vr. Leimdörfer den Anfang gemacht, mit einem Vortrage über die Wissenschaft im Judenthum, in welchem er überzeugend darthat, daß das Judenthum der Wissenschaft niemals ein Hinderniß bereitet, und die Juden stets der Wissenschaft gedient haben. Die sehr herzig gegeißelt wurde. Sein Sohn , der Nationalökonom,! zahlreiche Zuhörerschaft zollte dem gewandten und begeisterten trat ganz in die Fußtapfen des Vaters. Er ist nicht minder j Redner lautesten Beifall, rührig, ein Buch jagt das andere, und von nicht geringerer Versatilität des Geistes. So konnte er in Wien, Hamburg, Dorpat und Freiburg i. Br. überall der Mann am Platze sein; die von Guido Weiß redigirte „Zukunft" konnte ihn, den Freihändler und scharfen Kritiker des Staatsschuldenwesens, zur Berufung an die hiesige Universität empfehlen, Oesterreich-Ungarn. Pest, 13. Dezember. (Privatmitth.) Die ungarische politische Welt ist jetzt in beständigem Sturm, zwar können die Gegenstände desselben nur von geringer Bedeutung erscheinen; aber sie bezeugen den inneren Riß, die innere Zer- und heute ist er der beredteste Apostel des Schutzzolls und der l klüftung. die sowohl innerhalb der herrschenden Kreise als Allesverftaatlichung, und der „Reichsbote" führt seine Sache.! auch im Volke selbst herrscht. Die Feudalen und die mo- Der Vater einer stattlichen Kinderzahl, redete er vor Jahr j dernen Elemente in scheinbarem Ausgleich durch die Ber- und Tag der Zweikinderei das Wort. Als Reichstagscandi-! fassung zusammcngeschweißt, stehen aber in offenem Kampf, dat für den Wahlkreis Erlangen-Fürth verwarf er, in Rückj der leicht zu einem Kampfe um die Existenz sich steigern sicht auf die vielen Juden in Fürth, den Antisemitismus, in Könnte. Das Unterhaus hat den vcm Oberhause verworfenen Wien sprach er noch zu Ostern ähnlich, und jetzt ist er so j Gesetzentwurf nochmals angenommen und dem Oberhause zuantisemitisch wie Herr Stöcker. Er vertheidigt, daß den! gesandt. Dieses hat sich bis zum 10. Januar vertagt, nnd Armen das Brod vertheuert wird, und predigt vom „Patri-! bis dahin werden nun beiderseitig alle möglichen Jntriguen monium der Enterbten." Heute Partisan Stöckers, Cremers! betrieben für und gegen die abermalige Verwerfung. Dieses und Ruppels, und morgen Werber für eine Vereinigung der. Oberhaus ist ein Monstrum, wie es nirgends wieder besteht. Conservativen und Nationalliberalen. An ihm erfüllt sich Es zählt über 8<>0 Mitglieder; genau läßt sich die Ziffer das Wort des alten Cornelius Nepos: „in quo natura, j nicht angeben, weil die Standeswürde natürlich sehr oft mit quid efficere possit, videtur experta.“ [ einem staatlichen oder geistlichen Amte zusammenfällt. Außer- — Die beiden Antisemitenredakteure Ruppel und Wa-, dem hat auch jedes Oberhausmitglied das Recht, wovon sehr linski wurden in einer Beleidigungsklage des Rentiers Adolf j vielfach Gebrauch gemacht wird, eine Wahl ins Unterhaus Michaelis, den sie mit den gröbsten Verleumdungen verfolgt! anzunehmen, nur daß dann seine Oberhausstimme für die hatten, vom Schöffengericht zu je 300 Mark Strafe verur-! betreffende Legislaturperiode ruht. Mitglieder des Hauses theilt. Sie appellirten und wurden diese Tage vom hiesigen sind also 3 Erzherzöge, 21 Fürsten, 430 Grafen und 102 Landgericht zu je 2 Monaten Gefängniß verurtheilt.! Freiherren; außerdem schickt der Agramer Landtag 2 Delegirte Hamburg 11. Dezember. (Privatmitth.) Wohl nirgends! und die Regierung ernennt 6 Siebenbürger Regalisten aus ist es Denen, welchen es um die Erweiterung ihrer Kennt-! dem höheren, d. h. magyarischen Adel. Dazu kommen 56 nisse auf jüdisch - wissenschaftlichem Gebiete ernstlich zu j Obergespane und gleichwertige Beamte, wie der Gouverneur thun ist, so leicht gemacht, diese Kenntnisse zu erweitern, wie von Fiume; dann 12 Bannerherren, wie der judex euriae, in den beiden Schwesterstädten Hamburg-Altona. In Ham-j der Banns von Kroatien, der Tavernikus, die beiden Kron- 52