Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1883)
- Date
- 1883-12-25
- Page
- Seite 844 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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844 Weihereden bei der Einweihung der neuen Synagoge in Meiningen von Dr. M. Dessauer, herzogl. Landrabbiner. (Meiningen, Lösfler, 1883.) Eine wahrhaft erbauende Predigt über den Anfang des Gebetes Salomo's und schwungreiche Reden bei den einzelnen Akten der Einweihung. Bilden so diese Reden ein würdiges Denkmal für die abgehaltene Feier, so thut dies ebenfalls folgende Schrift für einen anderen Platz: Blätter zur Erinnerung an den Abschied von der Synagoge in Wankheim sowie an die Einweihung - der neuen Synagoge in Tübingen. Bier Predigten nebst einer Geschichte der Gemeinde von Vr. A. Silberstein. (Eßlingen, Harburger, 1883.) Es waltete hier das Eigenthümliche vor, daß die Gemeinde mit der Synagoge eigentlich in Wankheim ansässig war, diese jedoch durch vielen Wegzug, namentlich nach Tübingen, sich so verminderte, daß sie nicht mehr als solche bestehen konnte. Die ihr gehörigen Grundstücke wurden deshalb veräußert und die Synagoge in Tübingen aufgebaut. Beide Gemeinden find jurigen Ursprungs, denn in Wankheim wurden Juden erst im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts ansässig und in Tübingen erst nach 1848. Hier bestand eine Gemeinde schon im 14. Jahrhundert; im Jahre 1477, dem Gründungsjahre der Universität Tübingen, erfolgte die vollständige Vertreibung derselben aus der Stadt, vr. Silbersteiu ist als ein befähigter und würdiger Kanzelredner bekannt und dafür geben auch die hier zusammengestellten Predigten ein beredtes Zeugniß. Wir haben unseren Lesern die Vollendung des herrlichen Prachtwerkes: „Palästina in Bild und Wort", herausgegeben von Ebers und Guthe (Stuttgart und Leipzig, Deutsche Verlags-Anstalt, vormals Eduard Hallberger) anzuzeigen. Die 52ste bis 56 sie Lieferung liegen uns vor, und mit ihnen ist das ganze Werk beendet. Durch einen unangenehmen Zufall sind bis jetzt die Lieferungen 47 bis 51 uns noch nicht zugegangen. Wir behalten uns deshalb vor,! über diese letzten Theile des großartigen Werkes noch zu reseriren.!Die Lieferungen 52 bis 54 führen uns durch die letzte Abtheilung des Sinaigebirges, das durch seine großartige Natur dem erhabenen historischen Vorgang und den an diesen sich anknüpfenden Traditionen so überaus wirksam entspricht. Dann versetzen uns die Berfasier nocb in die Provinz Gosen,' ' um durch deffen Schilderung das Bild jener Landschaften abzuschließen, auf welchen die Geschichte des alten Israels vor sich gegangen und so merkwürdige weltgeschichtliche Ereigniffe sich später abgespielt haben. Allen Verehrern und Freunden dieses, dreien Religionen geheiligten Landes bietet dies, ebenso durch die künstlerischen Darstellungen wie durch ' den Text und die typographische Ausstattung ausgezeichnete Werk ein umfaffendes Feld von Belehrung und Anschauung dar. Der Text, der in der Bearbeitung eines englischen Originalwerkes besteht, wird in den Lieferungen 55, 56 durch ausführliche Anmerkungen der Herausgeber bereichert und vervollständigt. ^VYCLC Deutschland. I Bundes geschaffen worden. Im Sinne unserer Zeit, die dem! Geiste allmäliger Entwickelung huldigt, nur nach langer Prü- Brrliu, 13. Dezember. In der gestrigen Sitzung des fung einen bedeutenden Schritt vorwärts thut und immer Abgeordnetenhauses bildete wieder die Gemeindcordnung den: bereit ist, das auszubessern, was sich als nachtheilig heraus- Hauptgegenstand der jBerathung, und kamen abermals die! gestellt hat, im Sinne dieser unsrer Zeit ist das Treiben Berliner Stadtverordnetenwahlen zur Sprache. In einer jei er Partei kein konservatives, sondern revolutionäres, und Rede ließ sich Birchow unter Anderem so aus: „Das sei! bringt die gefährlichste Zerrüttung aller inneren Verhältnisse eben heutzutage das Eigenthümliche, daß conservative Ge-! der Gesellschaft, einen mühseligen Kampf, der nutzlos die sinnung und Antisemitismus absolut dasselbe sein sollen, daß! besten Kräfte verzehrt und die Abschwächung aller Achtung man diejenigen Conservativen anfeinde, die keine Antisemiten j vor dem bestehenden gültigen Gesetz und Recht hervor. — sein wollen." Es ist gewiß sehr zu bedauern, daß dieser! —. Professor Adolf Wagner hat sich, wie bekannt, als Borwurf wahr ist und sich an vielen Beispielen in Berlin! Stöcker II offen, selbst im Abgeordnetenhause, aufgespielt, und den Provinzen Nachweisen läßt. Am bedauerlichsten! deshalb werden einige Personalien über ihn interesfiren, die ist dies darum, weil diese Conservativen sich geriren, als uns die „Boss. Z." verschafft. Er war in der Debatte mit wenn sie die einzige und wahrhafte gouvernementalc Partei seien, was natürlich zu gewissen Folgerungen veranlaßt. Ich brauche wohl nicht nochmals hervorzuheben, daß der Ausdruck „conservativ" auf diese Partei gar nicht paßt, sie will nicht „conserviren" sondern umstoßen, was seit 1870, ja, was seit 1867, seit der Schöpfung des Norddeutschen dem Abg. Dirichlet zusammengestoßen und hatte sich darauf berufen, daß sie die Söhne zweier Professoren derselben Universität seien. Dirichlet ist der Sohn des berühmten Mathematikers, des Schwagers von Felix Mendelssohn, also ein Urenkel von Moses Mendelssohn. Dirichlet Vater und Sohn zeichneten sich stets durch unerschütterliche Charakterfestigkeit