Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 132 (3.11.1838)
- Date
- 1838-11-03
- Page
- Seite 533 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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533 ohne sich als Geben'n erkennen zu geben. Plötzlich muß Rahel nach Carlsruhe zu einer kranken Tante, Franz vergißt sie, und bewirbt sich um die Liebe eines Fräuleins, deren Water ein Avantürier und ihn verschmäht. Nach der Rückkehr Rahels wird Franz von dem alten Spieckmann bei der Rahel überrascht, die ihn schnell entschuldigt, als ob er ein Güterloos aus Frankfurt bei dem Alten hätte kaufen wollen. Er empfangt dies für einige Gulden. Spiekmann schöpft Verdacht und will Rahel zur Rückkehr nach Earlsruhe zwingen. Plötzlich kommt die Gewinnliste aus Frankfurt, Rahel findet das Gewinnloos bei ihrem Vater und verwechfelt es mit dem Franzens. Franz reist mit dem Fräulein von Wollbach nach seinem gewonnenen Gute. Nach einiger Zeit haben ihn seine Geliebte und ihr Vater zu Grunde gerichtet, und er kehrt in Lumpen nach Heidelberg zurück. Rahel hat ihren Vater verloren, nimmt ihn mit Freuden auf, und jetzt wohnen beide in der Pfarre zu Anderstein. — So malt sich der Französische Novellist die deutschen Verhältnisse aus, wie weit er sie getroffen, mögen die Leser entscheiden. Literarischer Salon. (Fortsetzung.) Zur Apologetik des Talmud's. 1) Jeschurun, oder unpartheiische Beleuchtung der dem Judcnthume neuerdings gemachten Vorwürfe, in Briefen von Ahron Wolfssohn. Breslau, 1804. 8. — 2) Charakter des Judenthums, von I. Wolf und G. Salomon. Leipzig, 1817. 8. — 3) Fragmente aus dem Talmud und den Rabbinen, von Jacob Weil. Erster Theil. Franks, a. M. 1809. 8. Zweiter Theil. Daselbst, 1811. 3. — Novität: 1pb‘1ö rVD&*b73, oder: Sendung Philo's des Alexandriners'an Casus Caligüia, dritten Kaiser zu Rom, um für seine Glaubensbrüder in Alexandrien Milderung und j Wegschaffung der Verfolgungsgesetze zu erwirken, aus dem Griej chischen ins Deutsche übertragen von Eckhard (Leipzig, 1783) und aus dem Deutschen ins Hebräische von Mordeka Ähren! Ginzburg. Wilna, 1837. 8. Seiten 57 (in rabbinischer Petitschrift). Angehängt ist das Bittschreiben des letzten jüdischen Königs Agrippus (btf^b“! "Ob/O crrfn) an den ".Kaiser Eaj. Caligula. Was die Üebe'rsetzung anlangt, so ist sie häufig gerade durch den gesuchten Gebrauch althebräischer Wörter und durch dre hellenistischen fremdartigen Begriffe sehr hart. — Reflexionen. Eine systematische jüdische Theologie, 'im wissenschaftlichen Sinne aufgefaßt, ist was den meisten Lesern nicht so bekannt, daß derjenige, welcher eine literarhistorische Skizze derselben übernimmt, den Umfang und die Grenzen vorerst zu zeichnen überboben wäre. Die jüdische Theologie ist freilich so alt, als das Judenthum selbst, ihre philosophische Ausbildung und dogmatische Durchbildung fast ein Jahrtausend; aber ich meine hier nur die Theologie der Rivalität, oder wenn man will des Gegensatzes, ich meine diejenige jüdische Theologie, die zu ihren katholischen und protestantischen Schwestern in vaterländrscher Sprache reden darf, ohne Gefahr der Verfolgung, die aus ihrer düsterumschloffenen Individualität herauölrilt und ihren Werth, ihre Principien, ihr ganzes Schriftthum geltend macht. Diese Theologie ist die spätgeborne Tochter der jüdisch-germanischen Bildung und sucht noch ihre Begründer. Reicht doch die Germanisirung jüdischer Wissenschaften, durch die Wahl der deutschen vaterländischen Sprache, kaum bis sechs Jahrzehend hinaus! Die alte jüdisch-theologische Literatur hat schöne werrhvotle Denkmale über Exegese, hebräische Linguistik und Hermeneutik, gediegene Arbeiten -und Forschungen über Liturgik und Dogmatik, über religiöse Polemik und Symbolik, überhaupt eine reiche Literatur in jedem Spezialfache der jüdischen Theologie, nur fehlte ehemals wie jetzt das Jneinandergreifen der theologischen Disciplinen. Die Arbeiten verzettelten sich zu allen Zeiten, eine unglückselige Folge der Zerstreuung, Jeder stand und steht noch nur für das Seine; eS fehlt eine wissenschaftliche Harmonie. Die moderne aufknospende jüdisch-theologische Literatur kann sich in jenen Mayen der Vergangenheit nicht immer zu Rechte finden, daher ignorirt ein großer Theil auS Bequemlichkeit lieber ganz die alre Literatur, so daß seine Arbeiten, ohne allen historischen Halt, einwirkungslos bleiben müssen, während ein anderer Theil noch so ungeschickt mit der alten Literatur umgeht, daß seinen Werken die wiyenschaftliche Durchbildung fehlend erscheint. — Astronomische Gegenstände in m etro rh yth m isch er Form. In Saloniki erschien im Jahre 1521 ein Almanach,^ betitelt Scheerit Josef von Josef ben Josua, worin ein vollständiger Kalender der Juden, Osmanen und Christen mit astronomischen Berechnungen und Tafeln, hebräisch und in rhythmischer Form, vorgetragen ist. — Novität: Beweis, daß die amerikanischen Indianer die Abkömmlinge der verlornen Stämme Israels sind. Aus dem Englischen des M. M. Noah, Majors der Miliz zu Newyork, frühern Hafenkommandantcn daselbst und nordamerikanischen Gesandten in Tunis. Altona, 1838. 8. bei Hammerich. Der Versager, der diesen abstrusen Gegenstand übrigens sehr angenehm, belehrend und wissenschaftlich behandelt, entnimmt seine Beweise aus folgenden Erscheinungen bei den Indianern: aus ihrem Glauben an einen einzigen Gott; aus ihrer Zeiteintheilung durch die Ceremonien beim Neumond; aus ihrer Eintheilung des Jahres in vier Jahreszeiten, entsprechend den jüdischen Feiertagen, dem Blumenfeste, dem Sühnefeste, dem Lauben^effe und andern Festtagen"; aus Der Einrichtung ihres Tempels nach Art des jüdischen Tempels mit Bundeslade und mit Altären; aus ihrer Eintheilung ihrer Nation in Stammen, endlich auS ihren Gesetzen über Opfer, Waschungen, Ehe, auch ihren Kriegs - und Friedensgcbräuchen, aus den Verboten gewisser Speisen nach Art DesMosaismuS, aus ihren Traditionen / auS ihrem Charakter, aus ihrer Geschichte, aus der Aehnlichkeit ihrer Sprache mit der Hebräischen u. s. w. Diese Hypothese ist übrigens nicht neu, Miyionaire und Reisende, von denen manche gegen 40 Jahre unter den Indianern lebten, haben schon dagelbe zu beweisen gesucht, z. B. Adair, Heckwelder, Cbarliveu.r, M. Kenzie, Bertram, Beltrami, Smith, Pen , MrS. Simon, aber noch Keiner mit solcher Kenntnis des Jüdischen. — (Fortsetzung folgt.)