Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-11-03 · Heft 132 (3.11.1838) · p. Seite 534

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 132 (3.11.1838)
Date
1838-11-03
Page
Seite 534 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224989--01394-3309829
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

534 Correspoudenzen, A«szüge, Repliken. Kleine Berichte. (Fortsetzung). Danzigs Oktober. Einweihung der Synagoge. Die neue Synagoge der Gemeinde Mattenbuden, die innerhalb erneS Jahrcv, besonders durch die Tätigkeit und Mühewallung des Vorstehers, Herrn Goldsiein,' vollendet worden, ist geräumig und wobt erhellt, sie vermag weit über 1600 Personen bequem zu fasten, vor derselben eine lichte Halle, und mit ihr das Wohnhaus dev Rabbinen ff. verbunden. Die innere Ausschmückung ist reich, und dennoch einfach. Das Tabernakel sucht seines Gleichen, und ist von einem jüdischen Bildhauer, einem Polen, verfertigt. Der kleiLk Vorhang von Purpurfarbe, reichfaltig, mit goldenÄ Kantilien, Quasten und Troddeln, ganz aus Holz, aber so täuschend gearbeitet, daß man ihn, ohne unterrichtet zu sein, gewiß für einen seidenen Stoff ansieht. An beiden Seiten sind Tafeln angebracht, auf welchen die im Tempel zu Jerusalem im Gebrauch gewesenen musikalischen Instrumente in erhabener Arbeit, dargestellt sind. Die Symmetrie in Allem, waö in dem Tempel sich befindet, als Bücher, Sitze, Gebettafeln rc. zeugt von dem Gescbmacke des genannten Anordners, der sich dadurch ein Denkmal durch Jahrhunderte gestiftet hat. Am 11. September (21 Ellul) fand nun die feierliche Einweihung statt, ^zu der das Programm von Herrn Goldstein und einigen ihm beigeordneten jüngeren Mitgliedern entworfen war/ Der Eintritt war nur gegen Einlaßkarten gestattet. Außer den zur Gemeinde gebärenden Mitgliedern hatten solche erhalten Sr. Exc. der General-Lieutenant und Gouverneur v. Büchel- Kleist, der Herr Regierungs-Präsident, nebst den Rathen, dem Magistrate, dem Gehcim-Rathe und erstem Bürgermeister von Weikhmann, dem Polizei-Direktor H. Lesse mit allen Polizei- Rathen, den Sradt-Rätben und einer Zahl der achtbarsten Kaufleute, den Schul-Direktoren und Gelehrten aller Confeffionen, den Vorstehern, Sckriftgelehrten und achtbarsten Gliedern der übrigen hiesigen Gemeinden. Die Gäste versammelten sich nach zwei Uhr in der Vorhalle, in welchem ein Zelt, mit Flaggen geschmückt und mit Stühlen besetzt, aufgeschlagen war. Um drei Uhr wurde ein Zug, mir Vertritt eines Musik-Corpö von zwanzig Personen und eben so vielen Sängern gebildet; an der Pforte angelangt, öffnete diese der Herr Ober-Bürgermeister mit den ihm überreichten Schlüffet, worauf alle Anwesende sich auf die ihnen auf der Karte bezeicbneten Plätze begaben. Ein Vorsänger trug mit Musik-Begleitung den 111. Psalm vor, wobei der Sänger-Cher bei Beendigung jedes Verses mit Hallelujah einfiel. Dann wurden die herrlich dekorirten Gesetz-Rollen aus dem Vorderhause von einer Deputation abgebolt, und mit ihnen du siebenmaliger Umzug, um die Bübne gehalten, wobei der Vorsänger eine von ihm selbst' gedichtete und vom Herrn Kapellmeister Siegel trefflich componirte Hymne vortrug, in die die Sänger mit einem Refrain einfielen, wo denn die volle und'sichere Flöten-Stimme eines ^jährigen Knaben eine tiefe Wirkung machte. Beim fünften Umzuge ging die Hymne in ein Gebet für König und Vaterland, mit Begleitung der Pauken und Trompeten über. Alle Anwesende standen während dieses Umzuges, der eine halbe Stunde währte, aufrecht, und nahmen erst, nachdem die Gesetzrollen in das Tabernakel gebracht waren, ihre Sitze ein. Hierauf hielt der Gemeinde-Rcrbbine eine angemessene Rede, so wie vor der geöffneten Lade ein Gebet für König, Vaterland und Stadt. Alsdann bestieg der I)r. Bram die Kanzel, und hielt eine treffliche Predigt. Zum Schluffe Absingung deö I00sten Psalms, Jigdal und Adon-Olam, womit die Feier nach sechs Uhr endigte. — Gewiß verließ Niemand, ohne tiefergriffen zu sein, daS neue Gotteshaus, und jeder wußte den Anordnern des Festes, so wie Den Befördern deS Baues, herzlichen Dank. Mag hierin der Edle, der besonders thätig Hand angelegt hat, so wie Alle, die ein Opfer gebracht, hierin ihre Befriedigung finden. Auch mir werden diese Stunden unvergeßlich finden, in denen man sich der göttlichen Herrlichkeit so nahe gerückt fühlte. Ein Augenzeuge. Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile au- Petit-Schrift oder deren Raum aufgenommet,. Die Verlagshandtrrng. Bei Aug. Schulz u. Comp, in Breslau sind erschienen: Rabbi Bechai über die Pflichten des Herzens. Aus dem Arabischen. Hebräischer Text mit deutsch. Uebersegung von Fürstenthal. 4 Thlr. Brück über die rabbinischen Ceremonialgebräuche. 14 gGr. Fürstenthal rabbin. Anthologie. 2 Thlr. Das Buch Koheleth. Text und Ilebersetzung von Auerbach. 16 gGr. Warnung. (Leipziger Zeitung No. 253.) Ein gewisser M. M. Juwel hat jüngst Ln diesem Blatte ein schwülstiges Enkomion (das Produkt des stinkendsten Eigenlobes und des niedrigsten Eigennutzes) mit meiner Namenschiffre unterzeichnet und mich öffentlich für den Abfasser jener eckelhaften Lirade ausgegeben. Indem ich die Lügenhaftigkeit dieser Aussage rüge, warne ich zugleich Andere vor dergleichen Abentheurern, welche sich bei der unverbesserlichsten Ignoranz und Verschrobenheit Belobigungen rheils fälschen theils erschleichen und daraus eine einträgliche Waare zu machen wissen, mit der sie Andere um Geld und Ehre bringen. Franz Delitzsch, Dr. Da M. M. Juwel mich durch eine gleiche Falsation meines Namens in einer lobhudelnden Annonce compromittirt hat, so erkläre ich, obige Rüge völlig bestätigend, daß ich die demselben in guter Meinung ertheilten Zeugnisse zurücknehme und entschlossen bin, einer hausirenden Pseudogelehrsamkeit fürder keinen Vorschub zu leisten. Leipzig. Julius Fürst, Dr. Redacteur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartners VuchlzanLlunH. —> Druck von I. B. Hirschfeld. (Hierzu das literar. und Homilet. Beiblatt No. 32.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.