Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1883)
- Date
- 1883-12-18
- Page
- Seite 831 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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831 wird sich diese Zahl noch etwas höher stellen und dann — gehen vielleicht manchem wohlwollenden Manne die Augen auf über die Zahlengruppirungskünste philosemitischer Tendenzstatistik." — Nun, Herr Dr. Neumann wird ihm die Antwort nicht schuldig bleiben. Treitschke und Bergmann machen es sich leicht. Die jüdischen Bewohner der Provinz Posen, die seit Jahrhunderten in derselben ansässig sind, nehnien sie einfach für eingewanderte polnische Juden. Bekanntlich nimmt seit der Freizügigkeit (1847) die jüdische Bevölkerung der Provinz Posen stetig ab, so daß sie nicht allein die 50 Proc. Vermehrung der christlichen Bevölkerung nicht mitgemacht, sondern auch ihre positive Zahl sich gegen die frühere vermindert hat. Der Ausfall bezeichnet eben die Auswanderung der Juden aus dieser Provinz in die anderen Provinzen und über das Meer. vr. Neumann wird dies klarstelleu und Herrn v. Treitschke beweisen, wie er es schon einmal gcthan, daß seine antisemitische Statistik eine falsche ist. Frankfurt a. M., im Decbr. (Privatmitth.) Bekanntlich war es der sel. Kohner in Leipzig, der zur Beschränkung des Wanderbettcls den Anstoß gab, und bei der Begründung des deutsch-israelitischen Gcmeindebundes jene zu einem besonderen Zwecke desselben machte. Früher war schon in einzelnen Gemeinden die Einstellung der Wanderbettelei durch Gründung von Lokalvereinen erzielt worden, welche den durchreisenden Armen aus gemeinsamer Kaste eine bestimmte mäßige Unterstützung ertheilten unter der Bedingung, daß sie das Herumbetteln in den Häusern unterließen, während sich die Mitglieder des Vereins verpflichteten, jeden solcher Bettler ab- und an die Kaffe zu verweisen. Das Beispiel hierzu gab, soviel wir wissen, der Redacteur dieser Zeitung. Der Versuch, solche Vereine für größere Bezirke zu bilden, und dadurch nachdrücklich die gewohnheitsmäßige Wanderbettelei immer mehr zu beseitigen, wurde in Bayern gemacht. Gerade die größeren Gemeinden sind darin zurückgeblieben, und es ist daher lobend hervorzuheben, daß im vorigen Jahre in Frankfurt ehrenwerthe Männer zusammentraten, einen „Verein zur Beschränkung des Wanderbettels, zugleich Aus 4. in geeigneten Fällen sittlich hebende Arbeit zu vermitteln. Mit dem Verein soll ferner eine Auskunftsstelle verbunden sein, bei welcher auch über hiesige Unterstützungsbedürftige Erkundigungen eingezogen werden können." Der Verein trat mit dem I. Sept. 1882 in Thätigkeit, und da das Bereinsjahr vom 1. Oct. beginnen soll, hat er seinen ersten Bericht über die verflossenen 13 Monate ausgegeben. Der Erfolg war ein sehr befriedigender. Besonders heben wir folgende Stelle hervor. „Wir wollen nicht unerwähnt lassen, daß unter den Applikanten sich eine beträchtliche Zahl ordentlicher, braver Handwerker befand, die ernstlich und oft lange vergebens Beschäftigung suchten, und denen wir in der Noth eine Zuflucht waren, wo sie wenigstens für den Augenblick Hülfe fanden. Manchem dieser Bedauernswerthen haben wir die Möglichkeit verschafft, wieder ehrliche Arbeit zu finden, der vielleicht ohne unseren Beistand dem Elend und dessen Versuchungen erlegen wäre. Von den 1609 Petenten, welche im Laufe des ersten, 13 Monate umfassenden Geschäftsjahres bei uns erschienen, haben 1385 Unterstützung erhalten, und zwar in Gestalt von Eisenbahnfahrkarten in der Richtung des ihnen vorgesteckten Zieles, nebst einem kleinen Geldgeschenk, das beim Einsteigen in den Zug überreicht wurde, oder einer Gabe, je nach Würdigbeftndeu, von 50 Pf. bis 25 M. aus unserer Casse. Höhere Gaben, die wir nicht aus unseren Mitteln leisten konnten, wurden durch unsere Vermittelung aus dazu ausdrücklich uns anvertrauten Geldern gespendet. So waren wir in drei Fällen im Stande, die Auswanderung nach Amerika zu ermöglichen." Für diese 1385, unter welchen 260 Frauen waren, wurden verausgabt M. 4598. Bon den Applikanten waren 607 Deutsche, 285 Russen, 431 Oesterreich-Ungarn, 11 Rumänen. 10 Franzosen, 6 Engländer. 4 Schweden, 4 Schweizer, 14 Holländer, 1 Grieche, 2 Perser, 1 Italiener, 11 Türken, 2 Aegypter, 1 Marokkaner; den Berufen nach 121 Angestellte, 2 t Studenten, 2 Apotheker. 587 Handelsleute, 7 Schauspieler, 645 Handwerker, 17 Näherinnen u. s. w. Dem Alter nach waren 220 bis 20 Jahre. 428 zwischen 20 und 30, 375 zwischen 30 und kunftsstelle für jüdische Armenpflege" für die hiesige Gemeinde! 40, 234 zwischen 40 und 50, 166 zwischen 50 und 60, 119 zu bilden. Die Statuten sprechen in § 1 aus: „Zweck des Vereins ist, in erster Linie, auf eine Verminderung des entsittlichenden Wanderbettels unter den israelitischen Glaubensgenossen hinzuwirken. Dieser Zweck soll erreicht werden, indem I. die zersplitterten Kräfte vereinigt werden und an die Stelle der bisher üblichen Privatunterstützungen auswärtiger! Berzeichniß der Mitglieder und Geschenkgeber Armen eine zielbewußte planmäßige Thätigkeit treten soll,! Rothschild durch seine Abwesenheit glänzt. 2. die Verhältnisse der Petenten genau geprüft und Unter-! Köln, 7. Dezember. Die „Köln. Z." berichtet: Das stützungen nach Würdigkeit bewilligt werden, 3. denselben,' auf dem Grundstück an der St. Achernstraße erbaute israesoweit möglich, die Mittel gewährt werden sollen, ihre Hei->litische (orthodoxe) Lehrerseminar für Rheinland und die math resp. ihr Reiseziel zu erreichen, wobei für zweckentj dazu gehörige Synagoge gehen ihrer Vollendung entgegen, sprechende Verwendung dieser Mittel Sorge getragen wird, j Mit dem kommenden Frühjahr soll das Gebäude seinem zwischen 60 und 70, 42 über 70 Jahre als. Des Schreibens unkundig waren angeblich 180. Wir können dem Vereine nur die kräftigste Weiterentwickelung wünschen, wozu der edle Eifer derjenigen Männer die beste Hoffnung giebt, die den Vorstand bilden. Nicht unbemerkt wollen wir lassen, daß im das Hans