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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-12-18 · Heft 51 (18.12.1883) · p. Seite 830

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 51 (18.12.1883)
Date
1883-12-18
Page
Seite 830 (sequence 12)
Language
German
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830 das antisemitische Treiben, die Jndenhetze verurtheilte, fand ich mich veranlaßt, der Sache auf den Grund zu kommen, was an der Wahrheit jener Aeußerungen sei. Nachdem mir schon ein anderer in der fraglichen Versammlung der Bictoria Jlwaliden-Stistung Anwesender, der verstorbene Wulfshein, die Richtigkeit der Aussprüche bestätigt hatte, wandte ich mich brieflich an den Stadtrath Magnus mit der Anfrage, ob diese Aeußerungen der Wahrheit entsprächen. Darauf kam Herr Magnus persönlich zu mir und erklärte mir, daß diese Aeußerungen vollständig richtig seien, daß der Kronprinz in der damaligen Sitzung, unmittelbar nach seiner Rückkehr von Italien, gesagt habe, daß er diese antisemitische Agitation als eine Schmach für Deutschland ansehe und daß er sich im Auslände und den Ausländern gegenüber dieser Agitation geschämt habe. In der darauf stattgehabten Wahlmännervcrsammlung habe ich diese Aeußerungen, gestützt auf den Ausspruch des Kronprinzen, citirt. Unmittelbar danach, im Januar 18K1, hat wiederum eine Sitzung der Victoria- Invaliden - Stiftung stattgefunden; dort hat der Kronprinz, der Protektor der Stiftung ist, Beranlaffung genommen, wiederum zu demselben Stadtrath Magnus die Aeußerung zu thun, daß ihn die Verurtheilung der Antisemitenbewegung durch die Berliner Wahlmänner gefreut habe, er hege noch heute dieselbe Anschauung wie damals und mißbillige und verwerfe die gedachten Bestrebungen auf das Entschiedenste. Was sein Gefühl am meisten dabei verletze, sei die liebertragung dieser Bewegung in die Schule und die Hörsäle; in die Pflanzstätten des Edlen und Guten sei dieses böse Samenkorn hineingeworfen. Er vermöge es nicht zu fassen, wie Männer, welche ihrer geistigen Bedeutung nach besonders hoch ständen, sich zum Träger und Hilfsmittel einer in ihren Voraussetzungen wie in ihren Zielen gleich verwerflichen Bewegung (Hört, hört! links) machen könnten; er hoffe, daß diese Bewegung sich allmählich im Sande verlaufen werde. Ich habe nichts hinzuzufügen." (Hiermit ist wohl die Thatsache über jedweden Zweifel festgestellt und es wäre von der conservativen Seite doch sehr stark, sie noch fernerhin ableugnen zu wollen. Die Red.) Bei der Abstimmung votirte Stöcker für den Antrag Stern. Es wirft dies ein Streiflicht auf das Berhältniß Stöcker's zu dem gegenwärtigen Kultusminister. Da nun zu gleicher Zeit sein Organ „Der Reichsbote" erklärt, daß die Auslassung des Herrn v. Puttkamer über die Beseitigung der geheimen Wahlabgabe für den Reichstag der liberalen Partei ein gefährliches Schlagwort für die nächsten Reichstagswahlen geliefert habe, so kann man daraus entnehmen, daß der schlaue Stöcker sich und seine Partei vor diesem Nachtheile schützen wolle. Andererseits aber hat er sich mit seinem Votum doch von der conservativen Partei getrennt und das kann ihm schlecht bekommen. Bonn, 9. Dezember. Wir erhalten aus Leipzig vom 8. d. folgende „Berichtigung". „In einem Bericht über die Generalversammlung der außerordentlichen Mitglieder der Akademischen Lesehalle zu Leipzig, den die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" vom 27. November 1883 brachte, heißt cs u. a.: „Der eine der gewählten Herren, ein Theologe, ist, wie von liberaler Seite dargelegt wird, früher Mitglied eines radikal-republikanischen Studentenvereins in Breslau gewesen." Ich erkläre die in diesem Satze ausgesprochene Beschuldigung — denn das soll es doch sein — für eine völlig aus der Luft gegriffene Erfindung. Ich habe niemals einem radikal-republikanischen Studentenvereine angehört, noch früher radikal-republikanischen Tendenzen gehuldigt. Als mir dieser Vorwurf in der Generalversammlung von einem Gegner gemacht wurde, der denselben durch allerlei (wie ich annehmen will unbewußte) Unwahrheiten zu begründen suchte, habe ich ihn durch die nöthigen faktischen Berichtigungen widerlegt und so widerlegt, daß die Gegner ihn nicht mehr aufrecht zu Hallen wagten. Obwohl ich eine Aendcrung der Ansichten durchaus nicht für unsittlich halte, erkläre ich auch hier, meine Ansichten über politische Dinge im Wesentlichen nicht geändert zu haben und weise die in dem oben citirten Satze enthaltene Beschuldigung mit Entrüstung zurück. Max L. F. W. Schmidt, stuä. theol., Mitglied des Vorstandes der Akademischen Lesehalle zu Leipzig." Leipzig, 9. Dezember. Herr v. Treitschke hat die Welt daran erinnern wollen, daß er seine antisemitischen Tendenzen durchaus nicht aufgegeben habe und glaubt einen rechten Trumpf ausgespielt zu haben! Die Blätter berichten darüber: „In dem letzten Heft der „Pr. Jahrb." erörtert Professor H. v. Treitschke die jüdische Einwanderung in Preußen. Der Verfasser stützt sich auf das Material, welches die Schrift E. v. Bergmannes: „Zur Geschichte der Entwickelung deutscher, polnischer und jüdischer Bevölkerung in der Provinz Posen" (Tübingen 1883) geliefert hat, und kommt zu folgendem Schluß: „So viel darf man schon nach den vorliegenden unvollständigen Zahlen mit Sicherheit sagen: daß allerdings eine starke Bewegung von Ost nach West sich während der letzten Jahrzehnte überall bei den polnischen Juden Preußens, Oesterreichs und Rußlands gezeigt hat. Angesichts der Thatsache, daß fast 30 Proc. der ostpreußischen Juden aus Rußland und Oesterreich eingewandert find, erscheint es völlig unzulässig, die jüdische Einwanderung an unserer Ostgrenze für eine „Fabel" zu erklären. Auch jene kühne Frage des Herrn Salomon Neumann: wo in der ganzen preußischen Statistik ein russischer oder österreichischer Jude anzutreffen sei? — hat bereits eine genügende Antwort gefunden. Die Antwort lautet: In vier Provinzen und in der Haupt« stadt sind ihrer bereits 13,934 angetroffen; liegen erst die Zählungsergebniffe aus den übrigen acht Provinzen vor, so

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