Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1883)
- Date
- 1883-12-11
- Page
- Seite 815 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8l5 Lande bereits anwesenden aber in kürzester Frist an den Ort ihrer Zuständigkeit abzuschieben. — Der Tißa-Eßlarer Proceß gelangt am 17. Dezember vor der königlichen Tafel als Appellgericht zur Verhandlung. Als Referent fungirt Wolfgang Szell. Man rechnet auf eine zehntägige Dauer der Verhandlung. Pest, 30. November. (Privatmitth.) Keine Wunderrabbiner mehr! Das Ministerium des Innern hat, wie „Nemzet" erfährt, an sämmtliche Municipien folgenden Circular-Erlaß gerichtet: Nachdem die geschäftsmäßig geübten Umtriebe der aus Galizien und der Bukowina einwandernden sogenannten Wunderrabbiner, welche besonders in den oberungarischen Komitaten häufiger erscheinen und die Leichtgläubigkeit der dortigen, weniger gebildeten Juden zu Gelderpreffungen ausbeuten, von Jahr zu Jahr mehr überhand nehmen und die israelitische Bevölkerung auf dem Gebiete einzelner Jurisdictionen durch diese Umtriebe ansehnlich geschädigt werden: fordere ich das Municipium auf, zu verfügen, daß künftig die Einwanderung dieser herumstreichenden Wunderrabbiner behördlich verhindert werde, die etwa im Lande befindlichen aber iu kürzester Zeit nach ihrem Zuständigkeitsorte abgeschoben werden. Für den nächsten Monat find einige intereffante Verhandlungen anberaumt. Zur Entscheidung über die im Somogyer und Zalaer Komitate vorgefallenen antisemitischen Unruhen ist der hiefige Senat mit dem Staatsanwalt Jenny delegirt. Die Verhandlung beginnt am 3. Dez. in Kaposvar. In Kaposvar hat bei den jüngsten Wahlen der Komitats - Ausschuß - Mitglieder die antisemitische Partei eine Niederlage erlitten; ihr Candidat erhielt von 238 Stimmen nur 53. Hingegen wurde der Kaufmann Samuel Kemeny, ein Israelit, mit großer Majorität gewählt. Wiederum ist ein Redakteur eines antisemitischen Hetzblattes dem Strafgerichte verfallen: Dr. Neminar, der früher Profefior in Innsbruck und zuletzt Chefadministrator eines deutsch geschriebenen antisemitischen Czechenblattes war, wurde wegen Betrug und anderer Verbrechen vor einigen Tagen verhaftet und dem Wiener Landgerichte eingeliefert. Zum Duell Heumann-Bah wird aus Nyiregyhaza berichtet: Der für Georg Bay so klägliche Ausgang dieses Säbelduells hat nicht nur in unserer Stadt, sondern auch in deren Umgebung lebhafte Sensation hervorgerufen. Konnte man doch auf einen solchen Ausgang um so weniger gefaßt sein, als der Exsicherheitscommifiär Georg Bay, eine Hünengestalt und feinem Gegner an Körperkraft riesig überlegen, vor dem Duell urdi et ordi verkündete, er werde Heumann, diesen Knirps, aus Barmherzigkeit nicht tödten, aber ihm zur ewigen Schmach die Nase abschneiden. Vay's Gönner und Freunde, darunter auch einige Führer der Komitatswelt, die im Tißa-Eßlarer Proceß seiner Zeit viel von sich reden gemacht durch die autokratische Verhängung des Belagerungszustandes über die Ortschaft Tißa-Eßlar, gaben vor dem Zweikampfe zu verstehen, es werde große Trauer geben in Israel, denn Bay werde Heumann in Stücke zerschneiden. Unter solchen Auspicien kam die Stunde des Duells, dessen Resultat von der ganzen Bevölkerung mit großer Spannung erwartet wurde. Herr Bay griff mit blinder Wuth an, seine Hiebe sausten mit großer Wucht auf Heumann nieder, der, als ehemaliger Jenenser Corps-Student, mit den Künsten der Mensur wohl vertraut, sich gänzlich defensiv verhielt, die gegnerischen Hiebe parirend und Vay's Erschöpfung gemach abwartend. Ein Flachhieb, den er von Vay's Klinge auf die Brust erhielt, veranlaßte eine kurze Pause; doch wurde, nachdem die Aerzte den Flachhieb als gänzlich ungefährlich erklärt hatten. der Kampf alsbald wieder ausgenommen. Bay fuhr fort, wüthend zu attakiren, Heumann, kaltblütig zu pariren. Endlich als Bay, noch immer auf die Nase zielend, den Arm erhob und die Brust unbedeckt ließ, führte Dr. Heumann mit seinen geschonten Kräften einen Hieb auf diese: der Zweikampf war entschieden, vr. Trajtler untersuchte die Wunde feines Freundes Bay und erklärte, dieselbe laste eine Fortsetzung des Kampfes nicht zu. — Bon anderer Seite wird gemeldet: Zur Ergänzung der in den Blättern über den Verlauf des zwischen Georg Vay und vr. Heumann stattgefundenen Duells erschienenen Berichte wird aus Nyiregyhaza unterm Heutigen telegraphisch mitgetheilt, daß auch vr. Heumann verwundet wurde und zwar erhielt derselbe einen scharfen Seitenhieb und drei starke Flachhiebe. Pest, 2. December. (Privatmitth.) Das Abgeordnetenhaus hat noch mehrere Tage der Specialdebatte über den die Ehen zwischen Christen und Juden betreffenden Gesetzentwurf gewidmet und endlich denselben in dritter Lesung angenommen. Ten Gegenstand der Hauptdiskusfion bildete der § 38 über die Religion der aus solchen Mischehen entspringenden Kinder. Der Entwurf, wie er aus dem Justizministerium hervorgegangen, enthielt über diesen Punkt gar nichts. Der Ausschuß brachte die Bestimmung herein, daß die Religion der Kinder durch das Einverständiß der Eltern bestimmt werden solle, und wo ein solches Einverständniß nicht zu Stande komme, sollten die Knaben der Religion des Vaters, die Mädchen der der Mutter folgen. Die Debatte über diesen Gegenstand war sehr erregt, besonders als der Abt Göndös den Antrag eingebracht, daß alle Kinder einer solchen Mischehe zur , christlichen Kirche gehören sollten. Jranyi hingegen benutzte ' die Gelegenheit, den Antrag zu stellen, daß alle die Religion der Kinder betreffenden Reverse und Erklärungen ungiltig > sein sollten. Der Ausschußantrag und der Jranyi's wurden; mit überwiegender Majorität angenommen. Näheres in der l nächsten Nummer.