Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1883)
- Date
- 1883-12-11
- Page
- Seite 814 (sequence 12)
- Language
- German
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814 kämpfte, erworben, zu, bestreiten und erkennen wir, und mit uns gewiß sämmtliche Juden und Alle die da wiffen, welche Nachtheile der confesfionelle Hader dem allgemeinen Staatswesen bringt, dasselbe an. In der genannten Vertrauensadreffe spukt jedoch der Geist des Denunciantenthums, den auch der verstorbene Krakauer Rabbiner Schreiber hegte. Die Herren klagen nämlich über ihre Glaubensgenoffen in Niederösterreich , Böhmen und Mähren, welche angeblich an der Spitze der Opposttion gegen das gegenwärtige Ministerium marschiren. — Es ist nicht nöthig, dieses Vorgehen weiter zu charakteriffren. Bemerkt mag jedoch werden, daß der Herr Minister-Präsident die Sache anders auffaßt. Er weiß es, daß die jüdischen Abgeordneten, welche in den Reihen der Opposition stehen, ihm nicht als Juden, sondern als Staatsbürger Opposition machen und er weiß als echter Staatsmann 8er Majesty’s Opposition wohl zu würdigen. die Csango eingegangenen Liebesgaben zur Begleichung der Buchdrucker-Rechnungen jenes Blattes verwendet wurde; diese Aussage wird auch durch die Depofition Julius Wilckens', Mitinhabers der Firma Wilckens u. Waidl, bestätigt, welcher auf das Bestimmteste erklärt hat, daß gelegentlich der zwischen ihm und dem Herausgeber des „Függetlenseg" Julius Berhovay im Juni laufenden Jahres gepflogenen Abrechnung im Aufträge und mit Einwilligung Julius Berhovay's die mittelst Postanweisungen eingefloffenen Csangogelder zur Bedeckung der restlichen Buchdruckereikosten im Besitze der Buchdrucker-Firma gelaffen wurden. Es ist sonach genügend dargethan, daß Julius Ber hovay über die bei seinem Blatte eingefloffenen Csango- Gelder wie über sein Eigenthum verfügt hat. Hierauf läßt auch schließen der aus den saisirten Schriften zur Genüge constatirte Umstand, daß über die bei Pest, 20. November. (Privatmitth.) Der jüngst gedem „Függetlenseg" eingeflossenen Csango-Spenden keinerlei meldete Ueberfall in Zala-Lövö wurde durch die Wachsamkeit der dortigen Juden, welche von mehreren Seiten gewarnt wurden, und durch die Hilfe der Bürgerschaft vereitelt. Die Untersuchung ist überraschend schnell zu Ende geführt. 20 systematische Aufzeichnung geführt wurde; blos Wilckens pflegte die durch ihn behobenen Postanweisungs-Beträge bei sich zu verbuchen, während über die in Geldbriefen eingesandten Liebesgaben, die Ludwig Berhovay übernahm, über Personen sind verhaftet, der größte Theil der Jnternirten Haupt keine Aufzeichnung vorliegt; des Fernern sind auch die ist vollkommen geständig. Die Leute waren zum Aeußersten! durch Wilckens behobenen Spenden ohne jedwede Kontrolle bereit; sie hatten bestimmt, in Lövö beim ersten Judenhause; und als für das Blatt gesandte Beträge verbucht worden, anzufangen und nur bei dem letzten aufzuhören. Nach den! Ferner hat Ludwig Berhovay, wie dies aus den Quittungen Aussagen einiger waren sie sogar entschloffen, jeden Juden,! hervorgeht, dem Buchdrucker Julius Wilckens in unregelden sie treffen würden, niederzumachen. Nach Zala - Lövö! mäßigen Zeitabschnitten beliebige und nicht den eingelaufenen und den benachbarten Orten ist Militär dirigirt und mo-! Spenden angemessene Beträge übergeben, einen Theil der mentan Alles ruhig. In Paka fanden vor einigen Tagen! Spenden aber — laut seiner eigenen Aussage — zu eigenen wieder größere Krawalle statt, wobei aber nur die Fenster | Zwecken verwendet. Andererseits hat laut Aussage Hugo in einigen Judenhäusern eingeschlagen wurden. — In Mar- Scholder's, eines vormaligen Mitarbeiters des „Függetlenseg ", czali wurde unter lebhafter Betheiligung der Bevölkerung! auch Julius Berhovay selber Csango-Spenden in Empfang Ignatz Steiner, ein Jude, zum Komitats-Ausschuß-Mitgenommen. Aus allen diesen Gründen und insbesondere in glied gewählt. Bon 120 abgegebenen Stimmen entfielen Anbetracht, daß ein Theil der für andere Zwecke dem „Fügauf ihn 104. Unter gegenwärtigen Zeitverhältniffen gewiß j beachtenswerth.! Pest, 27. November. Ten Antisemiten Schritt auf i Schritt zu folgen und auf ihren sittlichen Charakter aufj merksam zu machen, gehört zu wenig angenehmen Obliegenheiten. In der Angelegenheit des Jul. Berhovay, des wüthigen Antisemiten und Redakteurs des ersten Antisemitengetlenseg" zugeschickten und constatirtermaßen von Julius Berhovay selber behobenen und verwalteten Liebesgaben bis zum heutigen Tage nicht seiner Bestimmung zugeführt wurde, während „Függetlenseg" seiner Zeit erklärt hat, daß diese Spenden ihrer Bestimmung übergeben worden sind, mußte die Untersuchung auch wider Julius Berhovay angeordnet und das Abgeordnetenhaus um Aufhebung der Immunität blattes in Ungarn, kommt man endlich weiter. Der in der! dieses Abgeordneten ersucht werddn. Beruntreuungs - Affaire des „Függetlenseg" bestellte Unter- Pest, 28. November. Der Minister des Innern richtete suchungsrichter Stefan Szaran hat an das Präsidium des | einen Erlaß an die Landesbehörden, worin er deren Auf- Abgeordnetenhauses sein Gesuchschreiben um Aufhebung der * merksamkeit auf die Umtriebe der aus Galizien und der Bu- Jmmunität des Abgeordneten Julius Berhovay bereits ab-! kowina kommenden sogenannten Wunderrabbiner lenkt, die geschickt. Den Motiven des bezüglichen Bescheides entnehmenj insbesondere die minder gebildeten oberungarischen Juden wir — nach „Pesti Hirlap" — Folgendes: Durch das Geausbeuten und systematische Erpressungen verüben. Der Miständniß Ludwig Berhovay's ist zur Evidenz bewiesen, daß nister fordert die Behörden auf, diese wandernden Wunderungefähr die Hälfte der bei dem Blatte „Függetlenseg" für i rabbiner an dem Uebertreten der Grenze zu hindern, -Pie im