Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1883)
- Date
- 1883-12-11
- Page
- Seite 816 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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816 Frankreich.! Paris, 2. Decbr. In der Sitzung der Deputirtenkammer, vom 24. Novbr. kam das Kapitel über die Stipendien an den Seminaren zur Verhandlung und war von Jules Roche der Antrag auf Unterdrückung derselben eingegangen. Der Unterrichtsminister wollte nur die Reduktion dieser Stipendien für die katholischen Seminaristen um ein Drittel zugestehen, während die Stipendien für die protestantischen und israelitischen Seminaristen ungeschmälert bleiben sollten. Er begründete dies damit, daß die katholischen Seminare mit reichen Stipendienfonds versehen sein, während solche für die protestantischen und israelitischen gar nicht vorhanden seien. Dies half ihm aber nichts und mit 285 gegen 26 Stimmen votirte die Kammer die Unterdrückung des ganzen Kapitels. In derselben Sitzung wurden jedoch 170,900 Frcs. für das Personal des israelitischen Kultus, 21,200 Frcs. für das israelitische Seminar (10,000 Frcs. weniger als im Vorjahre) und 100,000 Frcs. zusammen für die Gebäude des protestantischen und des israelitischen Kultus votirt. Rußland. Petersburg, 3. Decbr. Meldungen hiesiger Blätter zufolge tritt die Judenkommisfion am 7. Decbr. zusammen. Warschau, im Novbr. Aus Warschau meldet man der „Pol. Corr.", daß das Cassations-Departement des Senates in Petersburg die Berufung der vor zwei Jahren aus Petersburg ausgewiesenen jüdischen Apotheker zu Gunsten der Beschwerdeführer entschieden hat. LZonn, 2. Dez. (Notizen.) Aus Lipto-Szt-Miklos wird uns geschrieben: Zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde wurde der Sohn des Rabbiners in Kirchdrauf, Hr. vr.Zimet, der seine Studien am Breslauer Seminar gemacht hat, mit Majorität gewählt. Derselbe wird Anfangs Dezember d. I. seine Stelle antreten. — Aus Pest wird gemeldet: Der aus dem Tißa-Eßlarer Proceß bekannte Bertheidiger vr. Heumann hat mit dem ehemaligen Sicherheitscommiffär Georg Boy, welcher in jenem Proceß eine zweideutige Rolle spielte, ein Duell gehabt. Vay ist schwer verwundet. Es handelte sich, wie schon gemeldet, um eine beleidigende Aeußerung dieses letzteren, die in jedem anderen Lande vor dem Richter zum Austrage gebracht wäre. Bonn, 3. Dez. (Literarische Notizen.) Hinsichtlich unserer Bemerkung betreffs des Buches: „Der Freitagabend" von Dr. S. Dankowitz in Nr. 47 wird uns mitgetheilt, daß dasselbe durch alle Buchhandlungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns sowie von dem Verfaffer in Strakonitz (Böhmen) zu 2 Mark oder 1 fl. bezogen werden kann. Ieuilleton.! schon in sehr vorgerückten Jahren stehende Handarbeiterinnen, Eine erhebende Feier auf einem Grabe. zum ersten Male vollzählig am Grabe ihres Erblassers. Mehr denn „hundert Erbinnen" eines Millionärs fanden Dieser alljährliche Grabbesuch am Todestage Krafts ist nämsich in den letzten Tagen auf dem israelitischen Friedhofe in lich eine Bedingung, welche die Stiftung den Benefizian- Weißensee zusammen, woselbst die sterblichen Ueberreste eines tinnen auserlegt. Schon lange vor der festgesetzten Stunde hochherzigen Wohlthäters, des gestern vor drei Jahren ver-'— 11 Uhr Vormittags — umstanden zahlreiche weibliche storbenen Rentiers Isidor Kraft, ruhen. Das seiner Zeit: Gestalten das reich geschmückte Grabmal Isidor Krafts und vielbesprochene Testament dieses Edlen bestimmte bekanntlich! legten mit Dankesthränen im Auge Kränze und kleine den weitaus größten Theil seines bedeutenden Vermögensj Sträuße auf dem Grabeshügel ihres Wohlthäters nieder, zu einem Stiftungsfonds, aus dem erwerbsunfähige oder! Immer dichter wurde der Kreis um das Grabmal, immer durch Krankheit oder Alter im Verdienste geschmälerte Hand-. zahlreicher die Schaar derer, die da kamen, um ihrem Danke arbeiterinnen eine fortlaufende Unterstützung von vierteljähr-! gemeinsamen Ausdruck zu geben. Alle, wie sie da versamlich 60 Mark erhalten. Jede Rücksicht auf das religiöse; melt waren, machten den Eindruck des Schlichten und Bekenntniß ist bei der Bertheilung ausgeschlossen; nur Würdig- Würdigen, sie waren höchst sauber und adrett gekleidet, keit und Bedürftigkeit sowie das vollendete 35. Lebensjahr! Die direkte, harte, bittere Noth ist ja von ihnen allen durch sind die Bedingungen zum Bezüge der Präbende. Die Aus-; den hohen Sinn ihres todten Freundes ferne gehalten, und gleichung von allerlei Schwierigkeiten bezüglich der erforderlichen allerhöchsten Bestätigung, die Auswahl der zu Bedenkenden und die Verwaltung der edelmüthigen Schenkung verzögerte die Vollziehung sämmtlicher Testamentsklauseln, und nun — drei volle Jahre nach dem Tode Krafts — versammelten sich die „Erbinnen" des Wohlthäters, 108 bedürftige, meist wie dankbare Verklärung ruhte es auf den Zügen dieser Menschenkinder, auf deren Lebensabend noch ein Sonnen strahl des Glückes fällt durch die reiche Spende eines wahrer: Menschenfreundes. Punkt 11 Uhr erschienen drei Herren , vom Curatorium der Stiftung, Herr Stadtrath Meubriuk i und die Herren Marckwaldt und Demuth, und der Gebets-