Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1883)
- Date
- 1883-12-11
- Page
- Seite 811 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227498--41329-3309796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
811 Antipathie, ein confessionelles Element spielt nur in sofern mit, als die religiöse Auffaffung der Deutschen aller Confessionen „unenglisch" ist." Bemerkenswerth ist hierbei, daß der Deutschenhaß weniger bei dem liberalen Theile der Engländer, als gerade bei dem conservativen zu Hause ist, also ganz wie in Deutschland in Betreff der Juden. „Es liegt daher sehr nahe, daß die bereits vom Deuschenhaß angekränkelten Elemente, angeregt durch die Stöcker'schen Raffenideen, den Muth bekommen , offen gegen die Concurrenz der Deutschen zu ngitiren. Sie können mit Recht sagen: Wenn ihr in Deutschland euch nicht scheut, gegen eure Mitbürger, die mit euch eine Sprache sprechen, die Ausstoßung aus Staat und Gesellschaft durchsetzen zu wollen, bloß weil sie anderen Glaubens und anderer Abstammung sind, wie könnt ihr es uns da verargen, daß wir uns nicht mehr von völligen Fremdwerden ja nur von Wilden ertheilt." Die Wilden sind natürlich die Juden und die Judenpreffe, zu denen damit der willkommene Uebergang gegeben war. Was von ihnen hüben und drüben über das Fiasko des Herrn Stöcker gesagt ist, ist nur geschrieben, um einen deutschen Volksvertreter in den Augen des Auslandes herabzusetzen. Die Schuld an seinem Mißerfolge in London trügen allein die Juden, von denen drei Klaffen zu unterscheiden seien. Die Juden erster Klasse hätten persönlich auf den Lord-Mayor Fowler eingewirkt, die Juden zweiter Klasse und die getauften Juden wären in die Versammlungen gegangen, um sie durch Zwischenrufe und lärmende Bemerkungen zu stören, und die Juden dritter Klaffe hätten mit den grimmigsten Socialdemokraten einen Bund geschloffen, um den Redner niederzuschreien. Nachdem Herr Stöcker seine Rede beendet, brachte Herr Prof. vr. Ad. Wagner nachstehende Resolution, die von der Versammlung lingen, die eine andere Muttersprache haben, deren Denken einstimmig angenommen wurde, zur Verlesung: „Wir, die und Fühlen von dem unseren auf das Erheblichste abweicht,! heute am 23. November in den vereinigten Sälen der Bockso daß eine vollständige herzliche Verständigung zwischen uns brauerei zu Berlin versammelten Mitglieder und Gäste der und ihnen kaum möglich ist, in unserem eigenen Lande eine unbequeme Concurrenz machen laffen wollen?" Der Artikel meint daher, daß das Stöckerthum in England leicht die Folge haben könnte, daß man, entsprechend der Parole: „Kauft bei keinem Juden!" auffordere: „Stellt keinen Deutschen an!" wie dies schon oft genug betreffs der Irländer geschehen ist. Er schließt endlich: „Eine solche, in weiteren Kreisen sich verbreitende Abneigung gegen die Anstellung deutscher Commis wäre ein schönes Angebinde, das Herrn Stöcker die jungen Kaufleute zu danken hätten, die von Deutschland in Schaaren nach London strömen. Man wird es daher begreiflich finden, daß sie nicht sehr erbaut waren über den Versuch des Herrn Stöcker, seine Lehre über den Kanal zu tragen, eine Lehre, von der sie fürchten, daß sie ihnen das Haus über dem Kopfe anstecken könnte." Dies ist eine Stimme aus England über die Wirkung christlich-socialen Partei, ca. 5000 (??) an der Zahl, begrüßen unfern aus London heimgekehrten Herrn Hofprediger Stöcker aufs Herzlichste. Wir sprechen den Bürgern Londons, welche den vierhundertsten Jahrestag der Geburt Luthers mit uns festlich begangen und in brüderlicher Gesinnung zu dieser Zeit den Herrn Hofprediger eingeladen und freundlich empfangen haben, dankbare Sympathie aus. Indem die Versammlung die Vorgänge, welche durch die jüdischen und socialdemokratischen Machinationen hervorgerufen, und die zu dieser fteundlichen Aufnahme im Gegensatz stehen, auf das Lebhafteste bedauert, spricht sie dem irregeleiteten Theil des socialdemokratischen Arbeiterstandes, der die Versammlungsfreiheit mißachtete, ihr Mitleid, und demjenigen Theil der deutschen Presse, der ehrlos und vaterlandslos diese Gelegenheit zu Schmähungen eines deutschen Bürgers und Volksvertreters benutzte, ihren Abscheu aus. Wir geloben angeder Stöckeriade in London. Wie nimmt man nun den Agi-; sichts dieser bedauerlichen Vorgänge aufs Neue, den Kampf tator nach solchen Niederlagen in Berlin auf? Selbstverständlich übergeht man dieselbe im Allgemeinen, und seine Anhänger suchen ihn zu trösten. Am 23. versammelte Stöcker seine christlich-socialen Hörer in der Berliner Bockbrauerei, um über das Thema „Londoner Erlebnisse einer Lutherfeier" (!!!) zu sprechen. Der Bericht über diese Versammlung in der Bockbrauerei lautet folgendermaßen: „Einen Lorbeerkranz, der ihm als Huldigung dargebracht war, meinte Herr Stöcker bescheiden ablehnen zu müssen, denn der Lorbeerkranz sei ein Zeichen des Sieges und nur Siegern gezieme er, einer Bürgerkrone glaube er aber diesmal nicht unwerth zu sein. „Die Gegner", sagte er, „jubeln zwar: von dem Keulenschlage erhebt er sich nicht wieder. Ich habe aber schon mehr Keulenschläge ausgehalteu; Keulenschläge gegen die revolutionäre, internationale Socialdemokratie und die nationale, wie internationale Judenherrschaft mit allen uns zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln und mit allen Kräften fortzusetzen." — Ist es nicht tief zu bedauern, wenn ein Mann wie Prof. vr. Adolph Wagner, der, wenn auch nur eine kurze Zeit, auf -einer wissenschaftlichen Höhe gestanden, sich dermaßen zum Schleppträger Stöcker's in einer „Bockbrauerei" macht? Jndeß alle solche Scenen können die öffentliche Meinung über Stöcker nicht mehr alteriren. Sicherlich wird die Schaar feiner eigentlichen Anhänger immer geringer werden, und er wird eS erleben, daß auch in Deutschland seine Wühlereien in den Sand verlausen. Um den falschen, willkürlichen Behauptungen des Prof. so