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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-12-11 · Heft 50 (11.12.1883) · p. Seite 807

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 50 (11.12.1883)
Date
1883-12-11
Page
Seite 807 (sequence 5)
Language
German
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807 tu dem Vorgehen, das er dem Antisemitismus gegenüber bekundet. Er droht mit dem Säbel. Ich hätte erwartet, daß er mit Reformen drohen werde. (Beifall links.) Aber der Herr Ministerpräsident dachte auch da blos an die nächsten Wahlen und er sah, daß ein kleines Fragment der Judenheit Zuneigung für die Unabhängigkeitsideen hegt. Die Frage war nun die, wie er die jedenfalls lebensfähige und schlaue Rasse zur Befestigung seiner Macht gewinnen könnte. (Lebhafter Beifall auf der äußersten Linken.) Der Herr Minister daß Jemand in diesem Hause sage, was er zu sagen hat? Was würde er sagen — und mit Recht sagen — wenn ich Solches versuchen würde? Uebrigens seien Sie überzeugt: wenn die Agitation fortdauern wird, werde ich in dem erwähnten Ermächtigungsgesetze noch zu einer Sache die Ermächtigung verlange»». (Hört!) Nicht dazu, daß ein Mitglied der Legislative hier nicht sagen soll, was es zu sagen hat; denn dazu »verde ich keine Hand bieten, selbst wenn der Herr Abgeordnete Otto Präsident befindet sich nun in der Lage eines beliebigen Agent, Herman es urgirt. (Heiterkeit rechts.) Aber ich werde eine Ermächtigung dazu verlangen, daß nicht etwas deshalb, weil es hier einmal gesagt wurde, in fliegenden Bogen und in jeder Form draußen zu Agitationszwecken benützt werde." (Lebhafte Zustimmung rechts.) — Nunmehr sucht er den j Justizminister zu vertheidigen und meint, derselbe habe sich Somogyer Comitat aus, und wie dort die Nothwendigkeit; blos aus Opportunitätsgründen gegen die obligatorische provocateur Napoleon's III., daß er hinter seinem Rücken Unruhen anstiften ließ, um dann im Trüben fischen zu können." (So ist's! auf der äußersten Linken.) Hierauf antwortet nun Tißa. Er wendet sich zuerst gegen die Antisemiten, spricht sich über die Vorgänge im vorhanden gewesen, auf das Volk zu schießen. Die Agitatoren seien gewissenslos und verdammenswerth, und so bald Gefahr da ist, lassen sie die Aufgehetzten leiden, während sie sich in Sicherheit bringen. Dann wendet er sich gegen Herman und weist nach, daß er niemals bei seinen Handlungen bevorstehende Wahlen im Auge gehabt. Gerade der vorliegende Gesetzentwurf sei derart, daß er von den Gegnern bei den im nächsten Jahre bevorstehenden Wahlen ausgenutzt werden könnte. Er habe von dem ersten Erscheinen des Antisemitismus an diesen schonungslos gegeißelt, wie kein Anderer. Allein mit den gegenwärtigen Gesetzen sei es nicht möglich nachdrücklich gegen ihn vorzugehen, wie das freisprechende Verdikt des Pester Schwurgerichts über Jstoczy bewiesen habe. Er fährt fort: Civilehe erklärt. Er, Tißa, sei durchaus für sie; es könne aber mit ihr nicht so rasch vorgegangen werden und die Meinung des größeren Theiles des Volkes sei gegen sie. Der Schwerpunkt der Verhandlungen am folgenden Tage lag in der Rede des Abgeordneten Ernst Mezei (jüdischer Religion), derselbe, welcher vor einem Jahre den Justizminister Pauler wegen der Tißa-Eßlarer Asfaire in so eklatanter, damals aber erfolgloser Weise interpellirte. Er ist cs, der den Antisemiten im ungarischen Reichstage die volle Antwort gab, während alle anderen Redner nur einige allgemeine Ausdrücke des Unwillens herausbrachten. Und er gab diese Antwort aus innerster Erregung, jedoch nicht leidenschaftlich, sondern besonnen und mit Maß. Wir geben deshalb die Hauptstellen seiner Rede ausführlich wieder: „Er „Ich will nicht drohen, es ist nicht meine Art; aber ich! nehme die Vorlage an, obgleich sie 10 Jahre nach der Angestehe , daß wenn wie bisher gewisse Blätter sich wie die j nähme des Beschlußantrages Franz Deak's auf Einführung Pilze vermehren werden, Blätter, welche die antisemitische der obligatorischen Civilehe ein Rückschritt sei." Agitation sich zum Ziele machen, »vie deren in der Provinz neuestens vier bis fünf entstanden sind; wenn ferner die Agitationen gegen Ungarn in gewissen slavischen und rumänischen Blättern fortgesetzt werden: dann werde ich mit dem Verlangen hervortreten, daß das Haus zur Zügelung der Agitation gegen Raffen und Confessionen für eine kurze Zeit zwar, aber eine große Macht in die Hände der Regierung legen möge — in die meinige, wenn es zu mir Vertrauen hat>, in die eines Anderen, wenn sie zu mir kein Vertrauen hat. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Und noch Eins. Der Herr Abgeordnete Herman sagte auch, der Ministerpräsident hätte gesagt: wenn der Antisemitismus es wagen werde vor die Oeffentlichkeit zu treten, dann werde er mit demselben so und so verfahren; — und doch gebe es nichts Oeffentlicheres als das, was hier im Hause gesprochen wird. Nun, was verlangt denn der Herr Abgeordnete? Soll ich als Ministerpräsident nicht gestatten. „Die letzte Ursache der bestehenden bedauerlichen socialen Wirren sei jene Rivalität, jene Eifersüchtelei, welche die Intelligenz des Landes den Juden gegenüber erfüllt. Die Vorlage aber werde zunächst die Wirkung haben, daß diese Eifersüchtelei allmählich schwinden wird. Es sei nicht zu leugnen, daß Ungarn heute das wirkliche Nest des Antisemitismus sei. Vergebens berufe man sich auf Deutschland und Rußland. In Deutschland bewirken die größere Macht der Wissenschaft und die strammere Staatsgewalt, daß der Antisemitismus trotz der jahrelangen Agitationen sich dort »veder extensiv noch intensiv zu heben vermochte. Rußland dagegen sei das Land der Autokratie; dort äußere die Leidenschaft der Massen sich in blutigen Ausbrüchen, doch könne die Staatsgewalt der Bewegung jeden Augenblick Herr werden. Wir in Ungarn aber leben in einem constitutionellen Staate; und diese Bewegung habe bei uns sich der Gemüther in einem Maß-: > bemächtigt, daß die Sittlichkeitsbegriffe total verkehrt wurden

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