Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1883)
- Date
- 1883-12-04
- Page
- Seite 799 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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799 koff insbesondere haben, der sich um christliche Wohlthätigkeitsanstalten in so hervorragender Weise verdient gemacht i hat und daher berechtigt ist, auf einige Anerkennung öonj Seiten der russischen Gesellschaft zu rechnen. Aber mit Nichten. Für die Petersburger Duma ist Poljakoff ein Jude wie jeder andere und das genügte, um sein Gesuch, zu Gunsten jüdischer Invaliden und vorzüglich alter Soldaten, die vielleicht ihr Blut für das gemeinsame Vaterland vergossen haben, zurückzuweisen und das nicht einmal ein-, fach, sondern noch mit Schimpf und Schande, mit Gepolter! antisemitischer Reden und Ausfällen gegen Juden und Juden-! thum, die einem Stöcker, Jstoczy und Consorten Ehre machen würden. Herr Lazar Poljakoff, der sich überhaupt durch einen geraden, gesunden Menschenverstand auszeichnen und auch ein echtjüdisches Herz haben soll, ist ein ganz anderer Mann. Reich und mächtig, vergißt er doch nie, daß er Jude ist, lebt für seine Berhältnisie so ziemlich bescheiden, um nicht den Judenfeinden in die Augen zu fallen, giebt, wenn nicht ausschließlich, so doch zu großem Theil Juden Beschäftigung und nimmt persönlich regen Antheil an der jüdischen Gemeindeverwaltung in Moskau, und führt eine streng jüdische Wirthschaft. Das stört ihn aber durchaus nicht, die vornehmsten russischen Aristokraten, unter anderen den Generalgouverneur von Moskau, den Fürsten Dolgoruky, bei sich als Hausfreunde aufzunehmen, die seine geistreiche Frau, eine gute Jüdin, aufs Anregendste zu unterhalten weiß. Wie sehr Herr Lazar Poljakoff von der russischen Aristokratie geachtet wird, beweist seine Ernennung zum Vorsteher eines hocharistokratischen Wohlthätigkeitsvereins an der Seite der größten Noblen der Moskauischen Gesellschaft, eine Auszeichnung , die zum ersten Male einem Juden in Rußland zu Theil wurde. Daß Herr Lazar P. auch bei der Regierung gut angeschrieben ist, beweist, daß er bereits Wirklicher Staatsrath und Ritter des Wladimir-Ordens ist, einer der höchsten Orden des Reiches. In seinen Wohlthätigkeitsbestrebungen zu Gunsten der Juden hat er auch mehr Glück als sein älterer Bruder. Sein Gesuch, zur Verewigung des Krönungstages unseres erhabenen Monarchen ihm die Gründung eines Krankenhauses von mindestens 20 Betten „für Kranke aller Confessioncn mit besonderer Bevorzugung der Juden" in Moskau zu bewilligen, soll bereits mit Erfolg gekrönt worden sein. So ist ihm jetzt auch der Bau einer Synagoge auf eigene Rechnung gestattet worden, was der Moskauer Gemeinde, wie schon erwähnt, versagt blieb. Seine Synagoge soll Herr P. die Absicht haben im Geiste der Zeit auszurüsten und einzurichten; sie wird nicht groß (300 Stühle), aber durch geschmackvolle Einfachheit sich auszeichncn. Herr L. Poljakoff ist noch ein ziemlich junger Mann (um 40 Jahre) und darf man hoffen, daß diese seine jüdischwohlthätigen Unternehmungen nicht die einzigen bleiben werden auf seinem Lebenswege. Z. Türkei. Paris, im November. Das Centraleomitö hat von Constantinopel folgende Mittheilung erhalten: S. E. der Großrabbiner Morse-Levy wurde am Sonntag, den 20. d., in einer besonderen Audienz von S. M. dem Sultan empfangen. S. M. verlieh unserem religiösen Oberhaupte den Großcordon des Osmanli - Ordens, eine der höchsten Aus- Zeichnungen, welche man in der Türkei erhalten kann. Der Sultan drückte ihm die Sympathie aus, welche er für die Israeliten empfindet, die er zu den treuesten Unterthanen des Reiches zählt, und verurtheilte in den energischsten Ausdrücken die Verfolgungen, deren Gegenstand unsere Glaubensgenossen in mehreren europäischen Ländern sind. S. M. fügte hinzu, daß die Regierung schon mehrere jüdische Beamte besitze und daß er geneigt sei alle diejenigen aufzunehmen, welche sich durch ihre Thätigkeit und ihr Wiffen auszeichnen, welcher Religion sie auch angehören. Der Großrabbiner verabschiedete sich dann von Sr. Majestät, der ihn ersuchte ihn öfters zu besuchen. In dem Augenblicke, in dem der Antisemitismus seine Verwüstungen anrichtet, ist es interessant, die edlen Gefühle der Toleranz zu konstatiren, welche das Haupt der Muselmänner bezeugt. — Herr S. H. Goldschmidt, Präsident des Centralcomitös, hat die Kosten für die Neubauten, die für die Ackerbauschule in Jaffa erforderlich sind und deren Höhe sich ungefähr auf 22,000 Francs belaufen, übernommen. Außerdem haben Herr S. H. Goldschmidt und der Baron Hirsch zusammen die Kosten zur Vergrößerung des Schullokales der Töchterschule in Tunis übernommen, die auf 20,000 Francs geschätzt werden. Bonn. 25. November. (Notizen.) Man schreibt aus Paris: „Der vor einigen Tagen hier verstorbene Baukier Armand Heine hat, wie der „Clairon" mittheilt, kurz vor seinem Tode auf Veranlaffung seiner Gattin, die, ebenso wie die Tochter, eine glühende Katholikin ist, von einem katholischen Priester Taufe, Abendmahl und letzte Oelung empfangen, und zwar, wie nach der Mittheilung anzunehmen ist, eines nach dem andern in derselben Stunde." (Eine solche Bekehrung wäre innerhalb des Judenthums unmöglich, da ■ dieses eine gewissenhafte und ausgedehnte Unterweisung vorher erfordert. Ein solcher Vorgang in der Sterbestunde ist auch eine Frucht am Baume der Mischehe!) — Aus Bergheim schreibt man uns: Am 9. d. wurde die neuerbaute Synagoge der hiesigen Gemeinde feierlichst eingeweiht. Es hat der kleinen Gemeinde außerordentliche Opfer gekostet, das neue schöne Gotteshaus herzustellen, da das alte Bethaus baufällig geworden. Nach einer Abschiedsrede aus dem