Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1883)
- Date
- 1883-12-04
- Page
- Seite 800 (sequence 14)
- Language
- German
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800 letzteren ging der feierliche Zug, an welchem der Herr Landrath und Bürgermeister theilnahmen, und wozu die christlichen Mitbürger ihre Häuser beflaggt hatten nach der neuen Synagoge , wo die üblichen Ceremonien in würdigster Weise vollzogen wurden. Herr Oberrabbiner Horowitz aus Crcfeld hielt die Festpredigt über 5. Mos. 27, 5. 6., die schwungreich und beredt die Zuhörer ergriff. Ein besonderes Lob gebührt auch dem Cantor und Lehrer Abel Kerpen, der in seiner kleinen Gemeinde einen trefflichen Ehor zu bilden verstanden hat, mit welchem er unsre Synagogenweihe verherrlichte. — In Amerika sind kürzlich zwei jüdische Veteranen aus der Armee Napoleon I. verstorben. Der eine Wolf Meyer hat das Alter von.106 Jahren erreicht und hinterläßt 7 Kinder, 53 Enkel und 32 Urenkel. Er verstarb in Newark (New-Jersey), wo auch sein ältester Sohn, 80 Jahre alt, lebt. Der andereverschied zu Paterson 105 Jahre alt und hieß Aron Goldstein. Er hatte den russischen Feldzug mitgemacht und die Schlackt bei Waterloo. Er hinterläßt 6 Kinder aus 3 Chen, 33 Enkel und 31 Urenkel. Alle beide waren deutschen Ursprungs und in Folge der Napoleonischen Eroberungen in die französische Armee eingcreiht worden. — Die polnisch-russische Gemeinde in Paris hat ihren Rabbiner Herschel Levin verloren, der im Alter von 65 Jahren verstarb. Er war ein ausgezeichneter Talmudist und sehr gerühmter Magid. Von der Kolonie nach Paris berufen, wußte er sich die Liebe und Achtung durch seinen sanften und friedfertigen Charakter zu erwerben. Im Sterbehause sprachen I>r. Sternheim, Sachs und der Rabb. Weißkopf. Auch die beiden Großrabbiner erschienen bei der Bestattung. Jeuit Das Mansionhouse in London. Durch die jüngsten Vorgänge ist das Mansionhouse btej Amtswohnung des Lordmayor der Londoner City mehrfach j genannt worden. Was es mit diesem für eine Bewandtniß! hat, das zeigt uns am charakteristischsten eine Stelle aus einem j Artikel der Berliner „Volkszeitung": j „Das Mansionhouse in London ist ein Platz, desgleichen cs einen zweiten auf der Erde nicht giebt. In der großen Halle des Mansionhouse, des Gemeindehauses der stolzesten, mächtigsten, reichsten, freiesten Bürgerschaft der Welt, spiegelt sich seit fast zwei Jahrhunderten nicht nur die englische, sondern ein gutes Stück der allgemeinen Weltgeschichte ab. Im Mansionhouse giebt alljährlich beim großen Lordmayorsbankett, dem Symbol der Unabhängigkeit, der Macht und des gediegenen Reichthums der Londoner und der ganzen englischen Bürgerschaft, der englische Premierminister einen Bericht über die Lage der gesammten inneren Politik Englands und der Minister des Auswärtigen einen solchen über die Beziehungen! Englands zum Auslande, d. h. über den Stand der gej sammten europäischen, der gesammten Weltpolitik. Die Bot- ' schafter der fremden Mächte, die Häupter der stolzen englischen Aristokratie rechnen es sich zur Ehre, im Mansionhouse antworten zu dürfen, und der Telegraph verbreitet das, was dort gesprochen ist, mit größter Ausführlichkeit nach allen Richtungen der Windrose. Im Mansionhouse ergreifen im Laufe des Jahres die ersten Staatsmänner Englands und die ersten Kapazitäten des Auslandes bei sich darbietender Veranlaffung das Wort. Im Mansionhouse konzentrirt und potenzirt sich der gesammte Verkehr Englands mit dem Auslande in jeder Beziehung, in politischer wie in anderer, und in politischer teton. Beziehung in einer vielleicht viel lvirksanlercn und fruchtbringenderen und jedenfalls viel tieferen und eindringlicheren Weise, als es im gewöhnlichen diplomatischen Wege geschehen kann. Im Mansionhouse empfängt das englische Volk, vertreten durch die Bürgerschaft seiner Hauptstadt, jede politische, jede wissenschaftliche, jede sonstige Größe, die den Boden Englands betritt. Im Mansionhouse wurde Lord Beaconssield begrüßt, als er triumphirend von der Demüthigung Rußlands auf dem Berliner Kongreß heimkehrte; im Mansionhouse harrt des Feldherrn, der in fernen Ländern unter glühender Sonne die englischen Truppen zum Siege geführt, oder des! Nordpolsahrers, der in eisiger Todesgefahr die Wiffenschaft! bereichert hat, der erste Dank des englischen Volkes. Als nach dem Sturze Napoleon's die europäischen Souveräne j ihren Besuch in England machten, war das Fest im Mansionj house der Glanzpunkt der glänzenden Tage. Seitdem hat das Mansionhouse zahllosen Souveränen seine gastlichen Thore geöffnet, aus allen Weltthcilcn, von allen Hautfarben, von allen Bekenntnissen." „Gewiß, es giebt keinen zweiten Ort der Welt außerhalb Englands, der sich mit dem Mansionhouse vergleichen ließe. Man kann ihm aus dem Alterthum allenfalls das römische Forum zur Seite stellen. Es bedarf, um einen solchen Ort zu besitzen, nicht nur einer Weltmachtsstellung, sondern zugleich eines Bolksthums und einer Gemcinsrciheit wie der englischen'." „Halt! dachte Herr Stöcker, das Mansionhouse, das wäre etwas für mich." i i