Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1883)
- Date
- 1883-12-04
- Page
- Seite 792 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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792 |ier Zeit in diesem Hause und außerhalb desselben gegen die Juden erhoben wurden, sie waren Eingebungen der Leidenschast, diese aber ist immer blind, befangen, einseitig und j ungerecht." Was an den Juden noch tadelnswerth ist. das hat die Position verschuldet, in welcher sie Jahrhunderte hin- , durch gehalten worden. Anderthalb Jahrzehnte ist die Gleichstellung der Juden in Ungarn alt und doch ist in dieser kurzen Zeit eine Amalgamirung derselben vorgegangen, die „nicht nur befriedigend, sondern geradezu überraschend ist".; Er führt hierfür die schlagendsten Beweise an. Auch er ist j für die allgemeine Civilehe und verspricht sich von diesem Gesetzentwürfe nur geringen Erfolg, will jedoch denselben annehmen. — Hiermit haben die gemäßigten Liberalen, sowie! die äußerste Linke erklärt, dem Gesetzentwürfe ihre Zustimmung geben zu wollen. ' Jetzt aber änderte sich die Scene. Nach einander spra-! chen drei katholische Geistliche und zwar entschieden gegen die Ehe zwischen Juden und Christen. Wir werden dies erklärlich finden. Die Kirche weiß sehr wohl den Spruch zu schätzen: prineipüs obstal Auch in Preußen wurde zuerst (1845) ein Civilehegesetz für die Dividenten, und dann (1847) für die Juden gegeben, und nicht lange darauf sah der Staat sich genöthigt, die allgemeine obligatorische Civilehe einzuführen. Ist also der Widerstand der katholischen Geistlichen selbstverständlich, so ist es doch weniger einsichtlich warum diese Diener der Religion sich bei dieser Gelegenheit, als von Haß und Borurtheilen erfüllt zeigten. Die beiden ersten, Györffy und Lesko, gingen dabei noch glimpflich zu Wege, der dritte, ein gewisier Göndös machte dagegen seinem Herzen volle Luft. Dabei muß seine Redeweise einer Kapuzinade geglichen haben, denn fast bei jedem Satze brach das Haus in „stürmische Heiterkeit" aus. Unsre Leser muthcn uns nicht zu, die gegen die Juden von diesem vielfach ausgelachten Redner geschleuderten Phrasen wiederzugeben. Er behauptet unter Anderem, daß die Dogmen und die Sitteulehre des Judenthums völlig unbekannt seien und daß die Regierung erst eine Untersuchung über diese hätte anstellen müssen. Bald daraus aber erklärte er diese Sittenlehre für grundschlecht. Dem guten Manne, der also selbst bekennt, daß er trotz seiner geistlichen Studien die h. Schrift nicht kenne, ist folglich in einer Viertelstunde eine genügende Kenntniß zugekommen, um ein Urtheil abzugeben. Er will den Gesetzentwurf nur annehmen, wenn darin bestimmt würde, daß alle in solchen Mischehen geborenen Kinder Christen würden. Zuletzt versichert er, daß er gegen alle Juden ein warmer Freund sein würde, wenn sie sämmtlich sich taufen ließen; dann würde er seinen Segen ihnen nicht vorenthalten. Aus den letzteren werden wir schwerlich erpicht sein. Tie weiteren Verhandlungen besprechen wir in der nächsten Nummer, bemerken aber schon hier, daß bei der Abstimmung das Haus mit großer Mehrheit den Gesetzenwurf als Grundlage zur Einzelberathung, sowie die Resolution wegen rascher Unterbreitung einer Vorlage für die obligatorische Civilehe angenommen hat. %eil ’n/ncj yvxac Deutschland. Berlin, 20. November. (Privatmitth.) Die Affaire Hapke, die ihrer Zeit so viel Staub aufgewirbelt, hat sich in sehr harmloser Weise verlaufen. Bekanntlich hatte Prediger Hapke sich geweigert, den ihm auferlegten Zeugeneid vor einem Richter jüdischer Religion zu leisten, war darauf zu 300 Mark Strafe verurtheilt, die in der zweiten Instanz zu 100 Mark herabgemindert ward. Darauf brachten einige Conservative einen Antrag bei dem deutschen Reichstage ein, daß es jeder Confession gestattet sein solle, den Eid nur vor einem Richter seines Bekenntnisses abzulegen. Der Antrag wurde nicht einmal auf die Tagesordnung gebracht und blieb so völlig erfolglos. Jetzt hat nun der Prediger Hapke einen Ausweg aus der Klemme gefunden. Er hat gebeten, die Eidesformel ablesen zu dürfen und dies ist ihm gestattet worden. Wie man dieses Auskunftsmittel zu beurtheilen habe, da der Betreffende den Eid nun doch vor einem Amtsrichter jüdischer Religion geleistet, sei dem Leser überlassen. Zu betonen ist, daß dieser Vorfall bis jetzt der erste und einzige Versuch der Antisemiten gewesen, ihren Bestrebungen einen praktischen Anhaltspunkt zu gewinnen. Und schon in diesem haben sie ein völliges Fiaseo gemacht. Das Nähere über den Vorgang vor dem Gerichte, welchem der Amtsz richtcr Lion vorsaß, ist folgendes: Es wird Prediger Hapke ' als Zeuge anfgerufen. Derselbe macht zunächst wiederholte Einwendungen gegen seine Vereidigung. Er erklärt, daß er sich nicht mehr ganz genau aller Thatsachen erinnern könne. Er habe seiner Zeit über alle hier in Frage kommenden Dinge eine verbindliche Aussage in einem Schreiben an den Hofpredigcr Stöcker gemacht und würde möglicher Weise in die Lage kommen, jetzt in einem oder dem anderen Punkte etwas von dieser früheren Bekundung abzuweichen. Ter Präsident belehrt den Zeugen, daß er nur das auszusagen und das zu beschwören habe, dessen er sich entsinne. Pre- ' diger Hapke macht immer neue Bedenken geltend und erst,! nachdem der Vorsitzende sein Befremden darüber ausgesprochen,! daß der Zeuge in der langen Zeit nicht Gelegenheit genom-