Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1883)
- Date
- 1883-12-04
- Page
- Seite 791 (sequence 5)
- Language
- German
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791 weder bei den Gesetzen eines auswärtigen Staates Hilfe > Redner durch eine schüchterne Einrede unterbrach. Wir wissen suchen, oder ein illegitimes Eheverhältniß etabliren und in, sehr wohl, daß die Geschäftsordnung dieses Hauses an sich beiden Fällen die gesellschaftliche Stellung ihrer Kinder, die. einen Redner nicht zum Stillschweigen zwingen kann. Aber bürgerlichen Rechte und die Erbansprüche derselben gefährden.' in jedem anderen Parlamente würden die Abgeordneten ihren Ist solch ein Zustand mit dem Staatsinteresie vereinbar? Unwillen, ihre Entrüstung so laut, so energisch kundgegebeu Nein, geehrtes Haus. Gesellschaftliche und moralische haben, daß selbst ein solcher fanatischer Sprecher schließen Rücksichten perhorresciren laut diesen Zustand und da der- oder wenigstens sich mäßigen mußte. Da dies nicht geselbe gleichwohl besteht, ist es Pflicht der Gesetzgebung, dem-, schchen, so hat sich das ungarische Abgeordnetenhaus aberselben ein Ende zu machen." mals jener Würde baar bekundet, welche der Versammlung Gegen den Schluß sagt er: „Ich gebe zu, geehrtes der Volksvertreter einwohnen muß, um achtungswerth zu Haus, daß die Vorlage den Anforderungen der Wisienschast | bleiben, jener Weisheit ermangelnd, welche das Böse nicht strikte nicht entspricht; doch kann man nicht in Zweifel ziehen, bloß zu bekämpfen, sondern zu verhindern versteht, welche daß sie einem vorhandenen Bedürfnisse abhilst. - das Volk vor dem Gifte eines verleumderischen Hasses, einer Zu bedauern ist, daß die Legislative diese Frage daj blödsinnigen Leidenschaftlichkeit zu bewahren weiß. Es heißt mals, als sie die Gleichberechtigung der Juden aussprach,1 denn doch mit der Redefreiheit der gesetzgeberischen Tribüne, nicht gleichzeitig gelöst hat; es ist dies zu bedauern, weil sie mit der Immunität der Abgeordneten ein böses und gcfährhierdurch unzähligen gesellschaftlichen liebeln vorgebeugt hätte liches Spiel treiben, wenn es jedem sinstern Fanatiker frei- und weil jene traurigen Zustände, welche durch gewissenlose gegeben wird, von dort aus den inneren Frieden des Vater- Agitatoren zum unermeßlichen Schaden unserer wirthschaft-! landes, die Existenz einer großen und wehrlosen Bürgerklasse, lichcn Verhältnisse auf künstlichem Wege hervorgerufen wurj alle Jnteresien zu unterwühlen und in Gefahr zu bringen, den, kaum möglich gewesen wären. (Bewegung.)" 1 an welche die gesellschaftliche Ordnung, die Sicherheit des Man erkennt hieraus, daß dem Gesctzententwurse diej Lebens und des Eigenthums geknüpft sind. Dauert dies so politische Bedeutung gegeben worden, die Emancipation der! fort, so wird Ungarn in solche chaotische Zustände hinein Juden zu vervollständigen und gegen die antisemitischen Be-! getrieben, aus welchen der Rettungspfad schwer zu finden ist. wegungen einen Protest einzulegen. Hiermit erhält die Ab-! Denn die Leidenschaften, die auf der einen Seite entzündet stimmung über diesen Gesetzentwurf für uns einen objektiven werden, entflammen auch auf anderen Seiten, und gerade und relativen Werth. Deshalb werden wir den Verhand-^ Ungarn krankt an so vielen Gegensätzen und Parteiungen, lungen aufmerksam folgen.! daß es um so mehr darauf hingewiesen wäre, jeden Brand j im Keime zu ersticken. j Am ersten Tage der Verhandlung nahm zuerst der Abg. Tie Hauptredner in dieser Verhandlung betonten, daß Eles das Wort und zeigte sich gegen den Gesetzentwurf, weil in dem zustimmenden Votum des Hauses zwei Momente enter nicht die obligatorische Civilehe enthalte, eingenommen, halten sein würden: die Vervollständigung der Emancipation! will aber doch die Vorlage als erste Abschlagszahlung ander Inden und die Verleugnung des Antisemitismus. Im mehmen. Ter zweite Redner ist Jranyi, der Führer der Grunde sind beide nur Eines, denn der letztere hatte es sich , äußersten Linken, der schwungreiche Redner für Religionszum Ziele gemacht, die Gleichstellung der Juden wieder zu freiheit. Auch er kann allein die obligatorische Civilehe als beseitigen und wird also durch eine Vervollständigung und! nothwendig und möglich anerkennen, will aber doch die Vor Befestigung der ersteren völlig erfolglos. Von diesem Geläge annehmen, weil sie dem dringendsten Bedürfnisse absichtspunkte aus hätte die Verhandlung für uns eine prinhelfe. Er stellt schließlich einen „Beschlußantrag, den Justizcipielle Bedeutung. Aber diese wurde durch einen anderen! minister neuerdings anzuweisen, einen Gesetzentwurf über die Umstand geradezu illusorisch. Das ungarische Abgeordnetenj allgemeine obligatorische Civilehe" vorzulegen. — Ter frühere Haus ließ es zu, daß es abermals zu einem Reservoir, zu Justizminister Horvath, ein hervorragendes Mitglied des einer Cloake des scheußlichsten Judenhasses gemacht wurde,! Hauses, spricht sich darüber aus, weshalb zur Zeit als die daß ein Jftoczy und Genossen die gistschwangersten Jnvekj Emancipation der Juden zum Gesetzentwurf erhoben wurde, tivcn gegen die Juden unbehindert von der höchsten gesetz- | nicht auch gleich der vorliegende Gegenstand geregelt worden, gcbcrischen Tribüne, die wuthvollsten Ausbrüche in das Land j (Sr klagt darüber, daß man wieder nur „eine halbe Maß schleuderten und jene mißbrauchten, um Zorn und Haß in die regel" beabsichtigt. Er glaubt nicht, daß die leider noch Gemüther des Volkes zu pflanzen. Tas Abgeordnetenhaus' vorhandenen Vorurtheile durch ein Gesetz behoben werden, hörte ruhig zu, höchstens daß ein „Murren" oder eine „Bewas sich doch nur wieder „zu einer einfachen Judensragc wegung" durch dasselbe ging, und einmal der Präsident den, degradirt". Er erklärt: „die schweren Anklagen, die in jüng II.