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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-12-04 · Heft 49 (4.12.1883) · p. Seite 789

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 49 (4.12.1883)
Date
1883-12-04
Page
Seite 789 (sequence 3)
Language
German
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789 Bewohner des Landes zu solchem Frevel verflieg. Jede an-; dere Gotteslästerung war der strafrechtlichen Verfolgung ent-; zogen. Wer eine solche verübt hatte, durfte nicht zur Ver-! antwortung gezogen werden, ohne daß das Gesetz selbst verletzt würde. Hier also konnte eine Beschimpfung der Religion oder einer Kirche, also des Judenthums, einer kirchlichen; Einrichtung, ein „Aergernißgeben" u. dgl. nicht vor Gericht; gebracht und bestraft werden. Bon einem Ketzergerichte, einer Inquisition schärferen oder schwächeren Grades konnte nicht die Rede sein, und die Möglichkeit dazu war von dem Gesetze selbst abgeschnitten. Hiernach noch von Zelotismns des jüdischen Gesetzes zu sprechen, gehört in die Kategorie der Fälschung und Verleumdung'). Die Serufsstatiftik -er jüdischen Gemeinde in Serlin. Berlin, 18. November. Die soeben anläßlich der Repräfentantenwahlen erschienene Liste der wahlfähigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin im Jahre 1883 bietet zwar nur rund 8000 Namen in alphabetischer Reihenfolge, aber, wenn man sie als Grundlage zu einer Berufsstatisttk im Kleinen benutzt, so liefert sie ein vollständiges Bild der jüdischen Gemeinde?). Zunächst ergiebt sich, daß die Berliner Gemeinde nicht nur durch Kopfzahl, sondern auch durch die Summe der in ihr enthaltenen Intelligenz an der Spitze der deutschen Gemeinden steht. Wir zählen zunächst 4 Regierungsräthe, 2 kaiserliche (Dr. Kayser im Reichsjustizamt und vr. xbil. Löwenherz im Aichungsamt), den königl. preußischen Geh. Reg.-Rath Küttge und den königl. bayerischen Wirkt. Rath im auswärtigen Amt vr. Cahn. An Universitäts-Professoren führt die Liste 15 auf, welche sich (wie allerdings aus der Liste nicht zu entnehmen) folgendermaßen vertheilen: die juristische Fakultät zählt 2 Profefforen, einen ordentlichen. Geh. Justizrath Goldschmidt, und einen außerordentlichen, Amtsgerichtsrath Rubo; die philosophische einen ordentlichen, Prof. Kronecker, einen ordentlichen Honorar-Profesior, vr. Lazarus, und 5 1) Es ist charakteristisch hierfür, daß für offenbare Leugnung gewisser Glaubenssätze und für Gesetzesverachtung im traditionellen Rechte keine richterliche Verfolgung oder Bestrafung aufgestellt, sondern nur der Verlust „des Antheils an der zukünftigen Welt" angedroht wird. So heißt cs Sanhedr. M. 10, l: „Keinen Antheil an der zukünftigen Welt haben: wer da spricht, die Wiederbelebung der Todten (Auferstehung) könne nicht aus der Thora hergeleitet werden, oder die Thora sei nicht göttlichen Ursprungs, und ein Gesetzesverächter (ciTip'EK)." 2^ Da die folgenden berufsstatistischen Angaben eben nur aus der Liste der ca. 80u0 zur Repräsentantenwahl berechtigten Wähler gezogen sind, so können sie als absolut genau nicht angesehen werden. Jene 8000 repräsentiren ca. 40,000 Seelen. Tie übrigen 13,000 sind also auf die Wittwen, auf „sich nicht selbständig ernährende" (Gesetz vom 23. Juli 1847 § 41), auf die Bedürftigen, und auf diejenigen zu rechnen, die der Gemeindeverwaltung als Juden nicht bekannt und darum nicht zu den Gemeindeabgaben herangezogen worden — zusammen ca. 2500. Redact. außerordentliche, die Prof. Breslau, Geiger, Liebermann, Pinner, Steinthal; die medicinische 6 außerordentliche Professoren, I. Meyer, Jacobsohn, Munk, Senator, Hirschberg, Bernhardt. Der technischen Hochschule gehören 3 Professoren an: Liebermann, Hirschwald, Lessing. Letzterer gehört gleichzeitig der Direktion des Kunstgewerbe-Museums an. Die Akademie der Wiffenschaften besitzt (nach Rieß' Tode) 3 jüdische Mitglieder: Kronecker, Pringsheim, Munk. Die 'Akademie der bildenden Künste hat unter ihren Lehrern den Historienmaler Prof. Michael. Wir fügen hier gleich den Direktor des Kupferstichkabinets vr. Lippmann und den Direktor der königl. Porzellan»Manufaktur Prof. Sußmann-Hellborn an. 88 Juristen sind in der Liste enthalten, abgesehen von den Profefforen, dem Privatdocenten vr. Bernstein und 2 Regierungsräthen, 6 Richter, 73 Rechtsanwälte und 5 sonstige Juristen (darunter 1 Geh. Justtzrath, 5 Justizräthe, 3 Gerichtsräthe). Der juristischen Fakultät steht die medicinische mit 253 Aerzten gegenüber (darunter 12 Geh. Sanitätsräthe, 19 Sanitätsräthe). 8 Prediger, sämmtlich vr. pliil., 8 Chemiker, 62 Professoren, Docenten, Lehrer (davon 7 ohne den Doktortitel) und sonstige vr. phil., 12 Apotheker, 4 Zahnärzte und 20 Schriftsteller und Redakteure, insgefannnt 114 Personen, kann man der philosophischen Fakultät einrechnen. Die 3 Fakultäten umfassen somit 453 Personen oder 5,7 Proc. der Gemeindsmitglieder. Den juristischen Doktortitel besitzen 30, den philosophischen 83, den medicinischcn 253 Personen, so daß im Ganzen 366 Herren sich dieser akademischen Würde erfreuen. Die Kunst und Technik wird vertreten durch 11 Maler (darunter Prof. Michael), 8 Baumeister und Architetten, 7 Ingenieure, 5 Bildhauer (darunter Prof. Sußmann-Hellborn), 12 Musiker (darunter Prof. Breslauer), also durch 43 Personen. Rentiers sind 159 Personen, bei 6 ist als Beruf Rittergutsbesitzer angegeben. Will man die aufgeführten Kategorien unter den Begriff der sogenannten „liberalen Professionen" zusammenfaffen, so ergeben sie 664 Personen oder 8,3 Proc. — Aber auch der Handwerkerstand sindet zahlreiche Vertreter. Man muß übrigens hierbei daran denken, daß zahlreiche Handwerker wohl keine Gemeindeabgaben zahlen, also auch nicht in der Liste aufgeführt sind. Diese enthält 506 Handwerker und Fabrikanten , gleich 6,25 Proc. Zwischen beiden Kategorien ist eine Grenze sehr schwer zu ziehen, da die Angaben häufig ungenau sind und viele Handwerker sich als Fabrikanten bezeichnen. Sicher als Handwerker zu nennen sind 231 Personen, darunter 40 Schneider, 30 Kürschner, 29 Uhrmacher und Mechaniker, 22 Schuhmacher, 18 Buchdrucker, 11 Tapezierer, IO Schlosser und Klempner, 9 Maurermeister, 9 Schlächter, 9 Lithographen und Graveure, 7 Färber, 6 Buchbinder :c., dagegen nur 3 Glaser, 2 Bäcker, 1 Töpfer, 1 Sattler, 1 Steinmetz. Man hat gesagt, erst dann sei die 49*

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