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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. Seite 778

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 778 (sequence 8)
Language
German
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778 Partei 109. Unter den 3 gewählten Fortschrittsmännern befindet sich auch Dr. Straßmann, der vier Mal gewählt ist und die ihn so hart bestrittene Wahl aus der dritten Abtheilung, die ihm heute in der Stichwahl so günstig ausgefallen ist, annehmen will. Hiermit sind die Wahlen noch immer nicht beendet, denn es müffen nun noch 8 Nachwahlen abgewickelt werden. Unter den 13 Parteigängern der sog. „deutschen Bürgerpartei" befinden sich auch die bekannten Pickenbach und Limprecht. — Die Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde beging am 11. November, Bormittags 11 Uhr, die Einweihung des neuen Hauses, Schönhauser Allee 22, welches das Mannheimer'sche Ehepaar am Tage seiner silbernen Hochzeit stiftete. Herr Rabbiner Dr. Frankl hielt die Festrede. Gesang eröffnete und schloß die Feier. Außer den nothwendigen Wirthschaftsräumen, einer Synagoge und einem Conserenzsaal enthält das Haus Zimmer für 40 Hospitaliten. Vorläufig gestatten die Mittel der Anstalt nur die Aufnahme von 12 Hospitaliten, während die Mutteranstalt 92 zählt. Berlin, 18. November. (Privatmitth.) Durch Kabinets- Ordre vom 7. Mai 1883 hat die bisherige Hochschule für die Wisienschaft des Judenthums die Rechte einer juristischen Person erhalten und ist nunmehr hierdurch zur Consolidirung gelangt. Zugleich hat sie die Allerhöchste Genehmigung, das ihr vom verstorbenen Stadtrath Burchardt ausgesetzte Bermächtniß von 15000 Mark und das vom verstorbenen Rentier David Herzog ausgesetzte Vermächtniß von 9000 Mark in Empfang zu nehmen, erhalten. Die Verhandlungen, um diese Rechte zu erlangen, haben mehrere Jahre gedauert und waren auf die Forderung der Saatsregierung mehrfache Veränderungen des Statuts nothwendig, die jedoch das Wesen und den Charakter der Anstalt nicht modificiren. Eine Bedingung war, daß sie den Namen „Lehranstalt für die Wisienschaft des Judenthums" annehme. Das Vermögen derselben besteht gegenwärtig in Mk. 103,800. Die Anstalt wird aus den Zinsen dieses Kapitals, aus einmaligen Zuwendungen, deren Betrag 300 Mk. nicht übersteigen — größere werden dem Kapitalfond zugewiesen — und aus den Beiträgen der stimmberechtigten Mitglieder erhalten. Die „Wohlthäter" bestehen aus „Stiftern", welche eine Summe von mindestens 3000 Mark eingezahlt haben, deren sind jetzt 14, aus „Immerwährenden Wohlthätern", die mindestens 600 Mark eingezahlt haben, die gegenwärtig an der Zahl 42 sind, und „Beitragenden Wohlthätern", welche jährlich mindestens 15 Mark beitragen. Es ergiebt sich schon hieraus, daß die Anstalt zu immer weiterer Entwickelung noch vielfacher Unterstützung bedarf, und wollen wir hoffen, daß sich edeldenkende Freunde der jüdischen Wissenschaft bestimmen werden, in eine dieser Kategorien einzutreten. — Zum 24. November, Abends 7 Uhr im Bibliotheksaal der Anstalt ist eine außerordentliche Generalversammlung ausgeschrieben. Die Tagesordnung besteht im Berwaltungsbericht bis 31. Decbr. 1882, der Dechargirung der Rechnung und in der Neuwahl sämmtlicher Mitglieder des Curatoriums. — Das „Curatorium der Nachod - Stiftung" hat die Summe von 500 Mark zur Vermehrung des Fonds der „Philippson-Sttftung" angewiesen. Die letztere ist zum 70. Geburtstage des Dr. Ludwig Philippson von dem Ausschuß des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" auf Antrag des sel. Nachod gegründet worden und zwar zur Unterstützung hülfsbedürftiger Lehrer in den Fällen, wo sie auf die Unterstützungskaffen der Vereine statutenmäßig keinen Anspruch machen können, namentlich auch zu Subventionen zum Eintritt in die bez. Unterstützungskaffen. Die bemeldete Vermehrung des Kapitals kann nur willkommen geheißen werden, und ist weitere Nachfolge zu ausgedehnterer Erfüllung des edlen Zweckes wünschenswerth. Leipzig, 17. November. (Privatmitth.) Soeben fand die halbjährige Generalversammlung der studenttschen Mitglieder der „Akademischen Lesehalle", sowie die Wahl der zwei studentischen Vorstandsmitglieder für das Wintersemester 1883—84 statt. Sie ergab als Resultat leider eine vollständige Niederlage der liberalen Partei. Die bisherigen Vorstandsmitglieder, die der Gruppe des „Vereins deutscher Studenten" angehören und offen ihre anttsemittschen Bestrebungen zur Schau ttagen, wurden mit je 188 Sttmmen wiedergewählt, während die freisinnigen Candidaten, die von der „Freien Wissenschaftlichen Bereinigung" aufgestellt waren, nur je 81 Sttmmen erhielten. Dieser schmachvolle Ausfall der Wahl ist, wie schon aus der geringen Zahl der abgegebenen Stimmen hervorgeht, nur der unbesiegbaren Trägheit und Gleichgültigkeit der liberalen Studenten zuzuschreiben. Die Gegner waren vollzählig auf dem Platze und übten natürlich ihre beliebte Praxis, durch beständige Unterbrechungen und lautes Lärmen die liberalen Redner zu übertäuben. Der eine der gewählten Herren, ein Theologe, ist, wie von liberaler Seite dargelegt wird, früher Mitglied eines radikalrepublikanischen Studentenvereins in Breslau gewesen. Einen großen Einfluß hat diese Wahl glücklicher Weise nicht, da der Vorstand der Lesehalle außer den 2 studentischen Berttetern noch aus 5 Professoren besteht. Daß übrigens die Richtung der studentischen Antisemitenpartei in Leipzig keine allzu extreme ist, geht daraus hervor, daß die Versammlung mit allen gegen 4 Stimmen beschloß, die Abschaffung der schmutzigsten Hetzblätter, „Wahrheit" und „Dresdener Nachrichten", beim Borstande zu beanttagen. Kiel, 11. November. Dem Beispiele der Universität Greifswalde ist jetzt auch die Kieler Universität gefolgt, indem sie vor einigen Tagen einen Juden zu ihrem diesjährigen Rector einstimmig erwählt hat. Man kann.

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