Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1883)
- Date
- 1883-11-27
- Page
- Seite 777 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227496--41293-3309758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
777 Passiv läßt sich nicht mehr unterscheiden; ektol und ekkatel,! also ich werde tödten oder ich werde getödtet werden lauten beide gleichermaßen akatal, Substantiv und Verbum können; nicht unterschieden werden, denn ketel wird ebenfalls wie; das Verbum katal gelesen; Partizipium, Perfektum, Jnfinitif, Jmperatif, Alles lautet gleichermaßen katal u. s. w. Dies ist in einer Sprache des Volkes unmöglich. Der Verf. will, daß man auch ohne diese Unterscheidung durch die Bokalisation aus dem Zusammenhänge den rechten Sinn der Worte erkennen könne. Wir könnten ihm viele Beispiele bringen, daß, wenn man die übliche Aussprache nicht schon im Sinne trüge, die richtige Bedeutung aus dem völlig unklaren Zu-! sammenhange nicht zu erkennen vermöchte, oder wo dies nur möglich wäre, wenn man weithin auf das Vorhergegangene zurückginge, wo dann eine scharfsichtige Combination nothwendig wäre, um zuletzt doch nur bei einer Bermuthung stehen zu bleiben. Nun könnte sich dies noch bei der Schrift ermöglichen; aber im Verkehr des Volkes, in der Sprache und Unterhaltung des gewöhnlichen Lebens wäre dies unmöglich. Es stellte sich eine Unvollkommenheit der Sprache heraus, welche bei einem bildungsfähigen Volke zwei Jahrtausende hindurch, die der Schöpfung der Vokalzeichen vorangegangen, nicht denkbar ist. Bei dem geringsten Fortschritt des Volkslebens mußte sich eine genaue Unterscheidung von Aktiv und Passiv durch die Aussprache wie von selbst herausbilden. Doch folgen wir dem Berfaffer weiter.') I) Als einen wichtigen Beweis gegen die Hypothese des hochgeachteten Autors müssen wir ansühren, daß in der Septuaginta die hebräischen Namen, abgesehen von der üblichen Gräcisirung der Namen, immer nach der bestehenden Bokalisirung wiedergegeben sind. Bekanntlich ist die Thora der Septuaginta nach dem ausdrücklichen Zeugniß Pbilas unter Ptolomäus Philadelphus übersetzt worden (gest. 246 vor der gew. Zeitr.X Also liegt der Beweis hier vor, daß drei Jahrhunderte vor der Zerstörung Jerusalems die Aus- ■ spräche der hebräischen Texte so war, wie wir sie bis heute tradirt; haben, nicht aber, wie sie Herr Levy Bing annimmt. Beispiele anzuführen ist nicht nöthig, da sie jeder Einblick in die Septua- I ginta giebt. vkcix: xÄ'cfyc&vx. Deutschland. der Staat selbst, noch irgend Einzelne, ihn seines Vaterlandes zu berauben, es ihm abzusprechen, ihn davon auszuschließen — Berlin, 1ö. November. (Privatmitth.) Ein französisches ^s sei denn, daß er ein Verbrechen begangen, auf welches Blatt richtete neulichst an die deutschen Juden die Frage, ob jdas Gesetz die Verbannung aus dem Baterlande ausgesprochen sie jetzt, nachdem sie in Deutschland so vieles Unangenehme, > hat. Aber auch dann nimmt er sein Vaterland mit sich, ist ja Beschwerliche und Schädigende erfahren haben, noch von dem leidenschaftlichen Patriotismus für Deutschland beseelt seien, den sie 1870 — 71 so nachhaltig bethätigt hätten? Wir brauchen den Herrn Franzosen zur Beantwortung Frage nur auf sein eigenes Vaterland zu verweisen. von ihm räumlich, nicht aber im Geiste getrennt. Ob einige blinde Fanatiker, ob ein Stöcker oder Henrici uns für „Fremdlinge" erklären, kann uns sehr gleichgültig sein: sie seiner; sind dem Rechte und der Wahrheit fremd und fern. Und Giebt; wenn wir selbst in geselligem Verkehr und auf unseren es nicht zahllose Franzosen, die mit den gegenwärtigen Zu-^ Lebensbahnen mancherlei Nachtheile erfahren, so kann dies ständen ihres Vaterlandes höchst unzufrieden sind, und dürfte! uns mit dem gegenwärtigen Stande der Dinge wohl unzuman sie wohl fragen, ob sie deshalb ihr Frankreich weniger! frieden machen, aber in dem Verhältniß zu unserem Vaterlieben und, sobald es dessen Heil und Wohlfahrt gilt, für! lande, in unserer Liebe und Opferwilligkeit für dasselbe, so dasselbe die größten Opfer zu bringen verweigern würden? i wenig wie in unseren Rechten und Pflichten, keine Berän- Gefetzt, der uns so interviewe«!, wäre ein Legitim ist oderlderung hervorbringen. Wir werden wünschen und so viel Bonapartist, würde deshalb von allen öffentlichen Aemtern > wir können streben, daß dieser Zustand sich wieder ändere, ausgeschlossen, etwa von seinem Richteramte abgesetzt, bei> aber unsere Gesinnung und unsere Gefühle für das deutsche allen Wahlen in die Minderheit gebracht — würde er des- Vaterland, für das deutsche Reich und dessen großar» halb für sein Vaterland weniger empfinden und falls cs in! tige Institutionen werden unter allen Umständen dieselben Gefahr stände, weniger Gut und Blut für dasselbe hingeben? j bleiben. Dies lasse sich der Interpellant gesagt sein, und Die bloße Frage würde ihn entrüsten, und so kann er sicher wo es darauf ankommt, werden wir es mit allen unseren sein, daß bei seiner Frage dieselbe Entrüstung in uns wach Kräften bethätigen. — In den am 13. stattgefundenen zehn wird. Ueberhaupt, das Vaterland gehört keiner Nation, keiner Confession, keinem Stande an: das Vaterland gehört dem Individuum an, das darin geboren, erzogen worden, Bildung und Gesittung erhalten, seine Sprache spricht und seine Geschicke mit erträgt. Niemand hat das Recht, weder (statt früher 7) haben, die Arbeiterpartei 1 und die liberale Stichwahlen hat die „Bürgerpartei" 5 Sitze, die Arbeiterpartei 2 (für denselben Mann) und die Fortschrittspartei nur 3 Sitze gewonnen. Die „Bürgerpartei" wird demnach in der neuen Stadtverordnetenversammlung 13 Vertreter