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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. Seite 776

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 776 (sequence 6)
Language
German
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776 im folgenden Kapitel über „den Geist der phönizischen Sprache" tionalität hinauf und kann nur der Furcht zugeschrieben zuerst eine Reihe namhafter Schriftsteller angeführt hat, welche werden, daß die Tradition, die sich bis dahin in der Priesterdie Trennung der Sprachen in indoeuropäische und semitische schüft und bei den Doktoren erhalten hatte, sich nicht verangezweifelt, und die ursprüngliche Identität beider Sprachliere, so daß der Sinn der heiligen Bücher verloren ginge." familien wegen der großen Zahl übereinstimmender Wurzeln. Aber wie? Dann war also die durch die Bokalzeichen fixirte anerkannt und dieses Problem in verschiedener Weise zu er-j Aussprache die traditionelle, d. h. die in Schrift und Sprache klären versucht haben, geht er auf den Beweis ein, daß diel seit ältester Zeit übliche! Nach der Anschauung des Berf. Phönizier und die Hebräer dieselbe Sprache gesprochen. Es aber ist sie gänzlich falsch, hat die frühere Aussprache, welche erweist sich dies, da alle literarischen Denkmäler der Phöz. B. zwei aus einander folgende Konsonanten nur mit a nizier und Karthager verloren gegangen, doch völlig genüaussprach, durch eine neu erfundene, künstlich hervorgebrachte, gend aus den zahlreichen Inschriften auf Stein und Metall, ersetzt. Der Vers, tritt also hier mit sich selbst in einen großen welche in den verschiedenen europäischen Museen aufbewahrt werden, und hebt der Berf. besonders hervor, daß in diesen Inschriften, die zum Theil aus etwa tausend Buchstaben bestehen, sich keine Spur von diakritischen Zeichen findet. Auch dieser Umstand wird durch Anführung bedeutender Autoritäten als anerkannt bezeugt. Wuttke z. B. behauptet in seiner Schrift „die Entstehung der Schrift" (Leipzig 1872), daß bei ihrer Einwanderung in Egypten die Israeliten die Kenntniß der Alphabetschrist mitgebracht hätten, wie ihre ältesten Dokumente beweisen, die vor ihrem Einzug in Egypten niedergeschrieben sein müsien. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätten sie im Nillande die Hieroglyphenschrift angenommen. Wir besitzen also in der Bibel zugleich den Schatz der phönizischen Sprache. — Bis hierher bewegt sich der Vers, auf einem durch die Uebereinstimmung mit zahlreichen Autoritäten gestcherten Boden. Bon da aber schlägt er einen eigenen Weg ein, der ihm vielfach bestritten werden wird. Er sieht nach dem Vorgänge von Latouche die Buchstaben als Vokale an, nämlich a, e, u, i. o. Nun kommen aber diese Buchstaben so selten in den Wörtern vor, daß es sich frägt, wie man sie ohne jene aussprechen solle, und warum die Phönizier und Hebräer sie ausgelasien haben? Der Berf. meint nun, daß überall, wo zwei Konsonanten ohne einen jener Vokale zusammenstehen, die Aussprache durch den Vokal a geschah, dessen Zeichen deshalb überflüssig war. Man sieht hieraus, daß der Vers, die übliche Vokalisation verwirft, womit das auf diese aufgebaute grammatische System in Wegsall kommt. Hiergegen erheben sich aber die wesentlichsten Einwände, sowohl historischer als sprachlicher Art. Der Vers, nimmt mit Lenormant's Worten an: „Als die Einnahme von Jerusalem die Priesterschast zerstört und die Zerstreuung der jüdischen Nation vollendet hatte, fürchtete man, daß die Tradition, die sich bis jetzt in der Priesterschaft und bei den Doktoren erhalten hatte, sich verlieren würde, so daß schließlich der Sinn der heiligen Bücher vergeffen werden würde. Seitdem suchte man die Mittel, sie zu sixiren und man begann, die Aussprache durch Zeichen zu befestigen." Der Berf. fügt selbst hinzu: „Die Vokalbezeich- Widerspruch. Aber kann man sich denn auch denken, daß die in ununterbrochener Reihe seit bereits drei Jahrhunderten auf einander folgenden Lehrer die traditionelle Aussprache ausgegeben und eine künstlich ersonnene, die Aussprache völlig verändernde angenommen hätten, und dies ohne einen Widerspruch? Daß sie z. B. statt darasebitb jetzt plötzlich beresebitli gelesen, oder statt akatal aussprachen ektol und ekkatel? Und sollte das Volk, das in seiner Zerstreuung doch noch viele Kenntniß der hebräischen Sprache mit sich genommen, sich diese neue Aussprache so leicht haben gefallen lassen? Dies ist Alles undenkbar. Stützt sich doch auch die ganze traditionelle Schriftauslegung in Talmud und Midrasch auf die übliche Aussprache und gesellt nicht selten zu dem früheren Sinn eines Bibelwortes einen neuen durch Veränderung der Aussprache, die jedoch immer dem System derselben entspricht. Wir halten dies für ein unüberwindliches Hinderniß der Ansicht des Berf. gegenüber. Die noch jetzt übliche Aussprache des hebräischen Textes war traditionell ans ältester Zeit und wurde nun durch die Bokalzeichen fixirt. Wenn der Vers, sich darauf beruft, daß die Thorarollen noch heute ohne Vokale in der Synagoge vorhanden und gelesen werden, so beweist dies nichts für ihn, denn die Vorleser waren zu aller Zeit darauf geschult und hatten die Lesung des Textes ohne Bokalzeichen erlernen müsien. Daher kam es, daß man spater das Vorlesen nicht mehr durch die aus der Gemeinde aufgerusenen Männer geschehen ließ, weil diese nicht unterrichtet genug waren, um den Text ohne Vokale zu lesen, und die Vorlesung einem dazu berufenen Baal Kore übertrug. Die Tradition der Aussprache stand also bei der Schaffung der Bokalzeichen für den Gelehrten so fest, daß man bei der überlieferten Schreibung der Thora ohne Vokale stehen blieb. Andrerseits stehen den Annahmen des Bersasiers auch die gewichtigsten sprachlichen Bedenken entgegen. Wir wollen absehen davon, daß für die hebräische Sprache durch die Hypothese des Bersasiers, daß alle ohne Vokalbuchstaben zusammenstehenden Konsonanten mit a ausgesprochen werden, eine Monotonie hervorgebracht wird, die sich zum Unerträglichen steigert, so fallen mit ihr wesentliche Unterscheidungen in der nung steigt zu der Epoche der Zerstörung der jüdischen Na-. Sprache fort. Wir wollen nur Einiges anführen. Aktiv und

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