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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. Seite 775

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 775 (sequence 5)
Language
German
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775 esse, gab Lesheim die Antwort: „Ich kann die Gefängnißkost! frischer im Gedächtniß sein mußte; gleich nach dem Brande, nicht genießen, das verbietet mir meine Religion; und lieber | vor dem Staatsanwalt wollte keiner etwas entdeckt haben will ich Hungers sterben, als gegen unsere Gebote verstoßen." > und in Folge deffen der Staatsanwalt damals auch nicht, Es wurde sofort zum Arzt geschickt, der dem gänzlich von! woher ist den Zeugen denn auf einmal diese wirklich merk- Kräften Gekommenen vorerst Milch verordnete. Als ich mit würdige Erleuchtung gekommen? Auf wesien Zeugniß hin dem zu Mittheilungen später Geneigteren über den Neustet-! sind wir denn überhaupt veruriheilt worden? Die Haupttiner Synagogenbrand sprach und im Laufe des Gesprächs! belastungszeugen sind damalige Schulkinder und einige uns fragte, warum er denn nicht eingestanden, daß er einen! ganz besonders feindlich gesinnte Personen, deren Aussagen Stuhl vor das Synagogenfenster gestellt habe? erwiederte! sich dennoch widersprechen, trotzdem wird diesen das größte er: „Das ist einfach Lüge, wie so manches Andere, was Gewicht beigelegt, während die uns entlastenden Aussagen von den Zeugen behauptet ist; weder ich noch mein Sohn I einwandfreier Zeugen keine Beachtung finden. Bei der, wie haben einen Stuhl vor das Synagogenfenster gestellt; auf' man sagt, sehr geschickten Bertheidigung mußte es wohl ein die Fensterbrüstung habe ich mich allerdings geschwungen, j Leichtes sein, erstere durch nichts bewiesenen Behauptungen um in den Tempel hineinsehen zu können. Wer überhaupt! energisch auf ihren wahren Werth zurückzuführen, trotzdem weiß, wie in Neustettin, in erster Linie durch die „Nord-! sind wir verurtheilt worden, veruriheilt, einem unbekannten deutsche Presse", seit Jahren gegen uns gehetzt ist, mit wel^Thäter bei Ausführung seines Verbrechens Vorschub geleistet chen Chikanen wir verfolgt worden und wie wir Alles ver- 1 zu haben. Wird dieser Unbekannte je gefunden werden? mieden haben, was zu Reibereien irgendwie Anlaß geben j Wir wünschen es lebhaft. Meine Verhältnisse sind glänzende konnte, wird uns eine so wahnsinnige That wie den Tempel- | nie gewesen, meine Ehre habe ich mir aber stets rein erbrand gewiß nicht Zutrauen; durch nichts hätten wir unserer j halten, die entehrende Strafe schmerzt mich tief, meine Exieigenen Sache wohl mehr schaden können, als durch so etwas, ^stenz ist vernichtet, nach den Neustettiner Verhältnissen sehne Der orthodoxe Jude, und ein solcher bin auch ich, hegt die! ich mich zwar nicht zurück. Davon bin ich jedoch fest überhöchste Achtung vor den Heiligthümern und würde eher jedes! zeugt, keiner meiner Glaubensgenossen wird mich für schuldig andere Verbrechen begehen, als diese schänden oder gar böswillig vernichten. Kennen Sie ein Beispiel dafür, daß Juden je Feuer an ihr eigenes Gotteshaus gelegt hätten? Wir haben darum auch nicht glauben können, daß etwas so Dummes anderntheils geglaubt werden könnte. Die Rettung der Thorarollen, die wir mit Petroleum bestrichen haben sollen, der Gebetmäntel und der übrigen zum Kultus gehörigen Gegenstände hat uns obenan gestanden, möglich, daß wir in der ersten Bestürzung und vor allem auf Bergung der Heiligthümer bedacht, zuerst verabsäumt haben gleich Feuer zu rufen, übrigens brannte es da schon lichterloh, anders habe ich's nicht gesehen. Ist denn dieser geringe Verzug, wenn überhaupt einer stattgefunden, bei auch schon anderen passirt und ist bei diesen anderen das j auch mit Zuchthaus bestraft? Die Geschichte des Laufens mit Petroleumkannen ist das reine Märchen und als solches von der Bertheidigung auch gekennzeichnet worden, hat mit dem Brande gar nichts zu thun, leicht feuerfangende Gegenstände giebt's im Tempel auch ohnedies, die ein Entstehen des Brandes durch Unvorsichttgkeit durchaus nicht ausschließen. Wie widersprechend sind gerade hier die Zeugenaussagen und warum wissen die Zeugen das erst nach so sehr langer Zeit und nicht gleich beim ersten Verhör vor dem Staatsanwalt anzugeben? Drei Jahre müssen erst darüber vergehen, um zu einer vollständig anderen Aussage und Wendung zu führen, die Zeugen wissen nach dieser langen Zeit mehr als halten, wäre das der Fall, so würde, wenn auch freigesprochen, ich ruhig verhungern können, wohin ich mich auch wenden würde. Der Antisemitismus ist heute in der Mode, wird auch wieder unmodern werden und dann wird er eine spätere Zeit anders über diejenigen urtheilen, die heute triumphiren." Dr. M. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. November. La Linguistique Devoilee par Levy-Bing. (Paris, Vieweg, 1883.) II. Der Verf. beschäftigt sich zunächst mit der Erfindung der Buchstabenschrift, solcher Gelegenheit nicht! die er hauptsächlich nach Lenormant, Renan, Gesenius und Schröder darstellt. Die Vorstufen waren 1) die egyptischen Hieroglyphen, 2) die chinesische Schrift, 3) die alte Keilschrift, 4) die mexikanischen Hieroglyphen, 5) die Katuns der Mayas von Jukatan. Er charakerisirt diese verschiedenen Stufen, die zu dem großen Fortschritt zur Alphabetschrift führten, welche jeden der verschiedenen menschlichen Laute durch einen bestimmten Buchstaben bezeichnet, die dann zusammengesetzt die Silben und die Worte darstellen. Diesen Fortschritt, welcher die Entwickelung des Menschengeschlechtes in dieser Richtung bis zur Vollendung führte. verdankt man den Phöniziern. Darüber sind die Schriftsteller des Alterthums und die bedeutendsten modernen Autoritäten einig, und wird kurz! es durch die Uebereinstimmung der Buchstabenbenennung im nach dem Ereigniß, wo ihnen das Geschehene doch viel > Hebräischen und Griechischen bestätigt. Indem nun der Verf.

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