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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-20 · Heft 47 (20.11.1883) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 47 (20.11.1883)
Date
1883-11-20
Page
Seite 765 (sequence 11)
Language
German
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765 in Betreff der Weihnachtsbescheerung armer Kinder im Be-! zirke der Dorothcenstadt, daß ihn und seine Gesinnungsj genossen politische, am allerwenigsten antisemitische Gesinnung zu ihrem Borgehen veranlaßt habe. Dem gegenüber muß! doch constatirt werden, daß nach dem Eintritt der Gesin- > nungsgenoffen des Herrn Barella, des damaligen Vorsitzenden! des conservativen Bürgervereins, in das alte Comit«, sein! und seiner Genoffen Bestreben dahin gerichtet war, die beiden dem Comits angehörigen jüdischen Mitglieder aus demselben zu verdrängen, ja, es erfolgte in einer Comitesitzung sogar eine Abstimmung darüber, ob die beiden Herren noch ferner dem Comite angehören sollten und die Herren Barella und Wölbling stimmten für ihre Entfernung. Man fand das Verhalten des Herrn Barella um so verletzender, als ihm selbst stets von den reichen jüdischen Mitbürgern die größten Summen für den in Rede stehenden Zweck ausgehändigt waren. Gaben doch auch dieselben Herren, welche jetzt solchen Werth darauf legen, nicht für Antisemiten zu gelten, bei Gelegenheit der Stadtverordnetenwahlen den Wählern der ersten und zweiten Klaffe die Versicherung, daß die vorgeschlagenen Kandidaten keine Antisemiten seien, aber sie selbst Unterzeichneten und colportirten die antisemitischen Flugblätter ohne Bedenken zu Gunsten dieser Candidaten, zu denen Herr Barella selbst gehörte." Jedenfalls fällt in Zukunft der Borwurf der Absonderung nicht auf die Juden, j sondern auf diese Sorte von Christen! Ihnen ist es zuzu-! schreiben, wenn die Juden selbst in Sachen der Wohlthätigj keit sich mehr zurückziehen und vorsichtiger werden als bisher, i LDesterreich-Ungarn. Wien, 7. November. (Privatmitth.) Das Curatorium der „Prediger Mannheimer-Stiftung" hat über die 20jährige Wirksamkeit derselben einen Bericht veröffentlicht. Diese Stiftung wurde am 17. Ottober 1663 ins Leben gerufen, an welchem Tage die hiesige israelitische Cultusgemeinde den 70jährigen Geburtstag ihres Predigers und Seelsorgers Jsak Noa Mannheimer feierte. Ein bei diesem Anlasse dem Verewigten übergebener Bettag wurde von demselben benutzt, um eine Stiftung ins Leben zu rufen, deren Bestimmung es ist, Rabbinern, Predigern und Lehrern, die dienstunfähig geworden sind, oder deren Wittwen und Waisen zur Unterstützung zu dienen. In dem Berichte heißt es: „In den abgelaufenen 20 Jahren konnten wir den Bettag von 15,975 Gulden zur Vertheilung bringen, welcher in 294 Gaben -seine Verwendung fand, deren größten auf 200 Gulden, deren mindesten auf 25 Gulden sich beliefen. Während die Stiftung durch ihre Gründung über ein jährliches Erträgniß von 200 Gulden verfügte, haben wir nunmehr ein solches von 1100 Gulden erzielt, was nur dadurch erreicht werden konnte, daß der Fond durch theilweise Verwendung unserer Zuflüffe zu diesem Zwecke, von einem Kapitale von 4000 Gulden auf ein solches von nunmehr 24,000 Gulden herangewachsen ist. Und bei alledem vermögen wir einer großen Anzahl der sich bittlich an uns Wendenden nicht gerecht zu werden. Die Zahl der alljährlichen Einreichungen, welche anfänglich ca. 20 gewesen, hat seit mehreren Jahren die Zahl von 50 fast regelmäßig überschritten. Um die größte Zersplitterung unserer Gaben im Sinne des Stifters, deffen Jntenttonen uns zumeist wohlbekannt sind, nach Thunlichkeit hintanzuhalten, mußten wir uns Beschränkungen auferlegen, welche die leider Abgewiesenen nur zu schmerzlich ttafen." j Pest, 5. November. Die „N. Fr. Pr." schreibt: „In! der letzten, vor dem Zusammentritt der Delegation abgei haltenen Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurde auf Vor-! schlag des Ministerpräsidenten beschlossen, in der für den 17. d. j anberaumten Sitzung mit der Berathung des Gesetzes über! die Ehen zwischen Christen und Juden zu beginnen, nachdem i dieser vom Justizministerium ausgearbeitete Entwurf schon i in der vorigen Session vom Justtzausschusse erledigt worden ist. Als Koloman Tisza Tags zuvor dieselbe Mittheilung i im Club der liberalen Partei machte, wurde die erstere mit! lautem Beifall ausgenommen und alle Welt schien überzeugt, , daß dieser Gesetzentwurf, nachdem derselbe seit einem Decennium die verschiedensten Wandlungen durchgemacht hat, endlich zum Beschluffe erhoben werden wird. Diese Annahme war eine irrige; denn dieser Vorlage scheint dasselbe Schicksal beschieden zu sein, welches einer ähnlichen unter dem Ministerium Bitto widerfahren ist. Sobald das Abgeordnetenhaus Zusammentritt, wird ein Mitglied der Regierungspartei, das gegenwärtig als Telegirter in Wien weilt und zum intimeren Anhänge des Justizministers Pauler gehört, einen Bertagungsanttag einbringen und motiviren. Da die Regierung von allem Anfänge nicht gesonnen war, aus der Annahme des Gesetzentwurfs eine Kabinetsfrage zu machen, vielmehr bekannt war, daß aus diesem Anlaffe die Parteidisciplin preisgegeben wird, so unterliegt es keinem Zweifel, daß dieser Vertagungsanttag auch angenommen werden wird. Damit ist das Schicksal dieser Vorlage besiegelt und die Antisemiten sind vergnügt." — Auch hieraus erkennt man leider, daß die ungarische Regierung dem Antisemitismus, der sich ihr doch so gefährlich gezeigt hat, mit nur geringer Festigkeit entgegentritt. Dies wissen auch die Agitatoren und kümmern sich gar wenig um die großen Worte des Ministerpräsidenten Tißa. Prag, 4. November. In der „Voss. Z." lesen wir:! „Bekanntlich hat das Unterrichtsministerium den akademischen Senat der deutschen Universität mit der Einleitung einer Disciplinar-Untersuchung gegen Professor Rohling beaufttagt, und wurde seitens des Senats ein aus den Professoren Rulf, Petz und Ulbrich bestehendes Comitö für diese Angelegenheit 47*

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