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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-20 · Heft 47 (20.11.1883) · p. Seite 763

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 47 (20.11.1883)
Date
1883-11-20
Page
Seite 763 (sequence 9)
Language
German
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763 lveckung sittlicher Gefühle. (Berlin, Selbstverlag, 1883.) Dieser Titel giebt bereits über Inhalt und Zweck dieser Schrift Auskunft. In Gesprächsform zwischen Vater und Kindern wird der Inhalt jedes Wochenabschnittes und der dazu gehörigen Haphtora anziehend und belehrend dargestellt und erklärt, und durch Einslechten von Legenden aus dem Midrasch intereffanter gemacht. Die Sprache ist einfach und gemüthlich. Dieser erste Theil spricht sich in der Einleitung über die 13 Glaubensartikel des Maimuni aus und besaßt die Wochenabschnitte des ersten Buches Mosis. In Familien, die ihren Kindern eine religiöse Erziehung geben, wird das Borlesen dieser Erläuterungen am Freitag Abend eine ebenso angenehme wie nützliche Unterhaltung abgeben. Wir hoffen, daß ein genügender Absatz den Verfasser in den Stand setzen wird, die Fortsetzung seines Werkes zu liefern. Hierzu wäre es aber nothwendig gewesen, daß er eine Buchhandlung, durch welche seine Schrift zu beziehen wäre, angegeben hätte. Denn da er nicht in Berlin wohnt, sondern gegenwärtig in Strakowitz (Böhmen), so weiß Niemand, wie er das Buch erlangen könnte. — — Die „Beilage zur Allg. Zeitung" vom 8. November: enthält einen Artikel „Die erneuerte Blutbeschuldigung gegen die Juden", in welchem das Treiben des Prof. Pater Roh-; ling beleuchtet und der Kampf des Prvf. Franz Delitzsch in allen seinen Stadien bis zur letzten, gänzlich vernichtenden Kritik geschildert wird. Nebenbei bemerkt, hatte Rohling sich über Delitzsch der auffälligsten Lügen schuldig gemacht: er sei ein geborener Jude, ein Judenchrist, habe in Heidelberg die Rechte studirt u. dgl. m., was alles erlogen ist. Man sieht hieraus, welche die Moral dieses Paters ist! — In derselben Nummer beweist ein Art.: „Prometheus, Hiob und Faust" die Wahrheit dessen, was der Vers, im Anfang sagte, daß die „Sucht zu vergleichen über die Aehnlichkeiten gar zu oft die Unterschiede übersieht"; er hätte hinzufügen sollen, daß bei dergleichen Vergleichen sich die menschliche Einseitigkeit und (selbst unwillkürliche) Parteilichkeit gar zu oft geltend macht — namentlich wenn es sich um alttestamcntliche Objecte handelt. So versteht denn der Verfasser jenes Artikels das Buch Hiob nur halb; von der wirklichen Bedeutung des zweiten Theiles desselben hat er gar kein Berständniß, denn in diesem wird klar ausgesprochen, daß Gott nach seiner Allweisheit und Allgüte in der Natur wie im Leben des Menschen dort in jedem Wesen und jeder Erscheinung, hier in jedem Ereigniß und Berhöngniß einen bestimmten Zweck ausprägt, der bei dem Menschen zu dessen Entwickelung, zu deffen Aufsteigen „zum Lichte" dienen soll. Doch wir wollen dies hier nicht weiter verfolgen. Daß der Verfasser dem Christenthum die Lehre, daß Gott „dem Menschen alle Tinge zum Besten dienen" läßt, zuschreibt, möchte bei ihm keine große Kenntniß der heil. Schrift voraussetzen lassen. Schon Joseph drückt dies in der einfachsten, aber um so eindringlicheren Weise aus (1. Mos. 45, 7. 8. 50, 20.) Wenn endlich der Berf. als den höchsten Ausdruck der „erlösenden Liebe" den Vers Göthe's am Ende des zweiten Theils des Faust rühmt: „Wer immer strebend sich bemüht. Den können wir erlösen" — so möchten wir dies doch sehr bezweifeln. Nein! nicht das „Streben" an sich, sondern der Zweck und das Motiv des „Strebens" muß entscheiden — sonst kann der sich unablässig mühende Geizhals und der unermüdliche Bandit sich mit vollem Rechte auf sein „Streben" berufen und — gerade dieses Verwechselns des Strebens mit dem Inhalt und Zweck des Strebens hat sich Göthe im zweiten Theil des Faust schuldig gemacht. Es hilft hier kein Vertuschen! Faust, der aus Habgier die Hütte des alten Paares verbrennen läßt, um sich daselbst eine Umschau über seine Ländergebiete zu schaffen, kann mit seinem „Streben" eben so wenig gerechtfertigt werden wie Ahab, als er aus gleichem Grunde den Naboth hinrichten läßt. %<2AX\A,W<pwaLCij vi cijl'ew. Deutschland. Berlin, 5. November. (Privatmitth.) Auch der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat unterm 1. Nov. an Sir Moses Montesiore zu dessen Eintritt in das hundertste Lebensjahr eine warm empfundene Adresse gerichtet, in welcher die Anerkennung und der Dank, die die israelitische Glaubensgenossenschaft für Sir Moses hegt, herzlichst ausgesprochen werden. — Die „Voss. Ztg." enthält folgende Mittheilung: „Die Noth der arbeitenden Klassen ist» zumal seitdem der Staat sich der Frage in seinen socialpolitischen Vorlagen und Projecten bemächtigt hat, das tägliche Thema der Presse. Des Nothstandes und der traurigen Lage der jungen Mädchen aus den gebildeten Ständen der Beamten- und anderer Kreise, denen der Ernährer durch den Tod entrissen ist und deren Angehörige ihre Noth im Stillen tragen müssen, wird wenig gedacht. Und da isl es das Verdienst eines unserer Mitbürger, (es ist ein Jude!) opferbereit vor einigen Jahren ein Asyl gestiftet zu haben, in welchem ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses junge Mädchen aus den gebildeten Ständen, denen der Vater 1 aus irgend einem Grunde Erziehung, Unterricht oder Unter- 47

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