Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1883)
- Date
- 1883-11-20
- Page
- Seite 762 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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762 Klassen umfassen, doch nur in vereinzelten Fällen zu einer wirklichen Organisation gelangen und meist durch den Subjektivismus unv Individualismus an bleibendem Zusammenwirken verhindert werden, so giebt er selbst die schlagendste Widerlegung seines Wunsches, die Juden aus ihrer viertausendjährigen Gemeinschaft heraustreten und sich mit den christlichen Rationalisten auf eine Stufe stellen zu sehen. Wir haben aber das alles schon gesichert und befestigt, was jene sich erst schaffen und gründen müssen! Trotzdem darf man das hohe Verdienst des Vers, nicht verkennen. Er bringt den Anhängern einer vernunftgemäßen Religion zum Bewußtsein, wie stark ihre Anzahl auf der ganzen Erde ist, wie ihre Kraft und ihre Menge in steter Zunahme begriffen sind. Er spricht offen aus, daß die moderne Welt des brutalen und kulturfeindlichen Materialismus müde ist, daß sie Durst hat nach Religiosität und Gottesglauben, wie sie mit den unanfechtbaren Ergebnissen der Naturwissenschaften vereinbar sind. Er beweist, daß die vorzüglichsten Naturforscher und Denker der Jetztzeit von derselben Ueberzeugung durchdrungen sind. Er stellt als Postulate dieser gemeinsamen Religion der Zukunft das Dasein Gottes, die Unsterblichkeit der Seele, die Immanenz des Sittengesetzes, die Herrichtung eines Herz und Geist befriedigenden gemeinsamen Cultus auf. Von ihr erwartet er das Heil, die Besserung unserer zahlreichen socialen Schäden, den Trost für Millionen zweifelnder und bedrängter Gemüther. In diesen Grundsätzen sind wir einig mit dem Grafen Goblet d'Alviella und wir müssen ihn beglückwünschen, daß er den Muth gehabt, sie offen inmitten der materialistischen Strömung des belgischen Liberalismus zu verkünden. Er hat dafür in der Tagespreffe schon mannichfache Anfechtung gefunden, aber die Zustimmung aller derer, die in dem lieblosen Kampfe um die Existenz und in der Erdrückung der Schwachen nicht das letzte Wort der Weisheit erblicken, ist ihm sicher. ^1. 1*. auf dem Monte Pincio" hervor, das in Idee und Ausdruck sich sehr auszeichnet. Der letzte Band giebt den vor drei Jahren erschienenen pädagogischen Roman „Heini und Franzi" wieder, welcher die Licht- und die Nachtseiten der Kindesseele oft in überraschender Weise zeichnet. Wir hoffen, daß der verehrte Schriftsteller dieser Sammlung seiner Dichtungen noch manche schöne Arbeiten hinzufügen wird. — Die dreizehnte Lieferung der Revue des Etudes juives (Juli-Sept. 1883. Paris, Durlacher) bringt eine ausführliche historische Darstellung über die Juden in der Franche-Comte im 14. Jahrhundert, im ersten Abschnitt „Die Juden vor der Pest von 1349", im zweiten „Die Juden zur Zeit der schwarzen Pest". Gestützt auf die aufgesundenen Dokumente, bringt der Berfaffer, Pfarrer I. Morey, ein reiches geschichtliches Material herbei. Hierauf folgt der Schluß der „Studie über Simson Ben Abraham von Sens von H. Groß", die von dem Fleiße und der Sachkenntniß des Verfassers ein rühmliches Zeugniß giebt. Die „Legende von Alexander in Talmud und Midrasch von Israel Levi". Der Berfaffer hat früher die Legende von Alexander in den hebräischen Schriften nach dem 9. Jahrhundert behandelt und geht nun auf deren Quelle in Talmud und Midrasch zurück. Beendigt wird in der vorliegenden Lieferung auch die historische und archäologische Studie über den von den Juden seit dem 13. Jahrhundert zu tragenden Flecken von Ulysse Robert. „Das Rabbinat von Metz während der französischen Periode (1ö67—1871.)" wird angefangen. Ferner: „Noten und Dokumente über die Juden von Belgien unter dem alten Regime von Emile Ouverleaux", welche Abhandlung ebenfalls fortgesetzt werden wird. Anmerkungen und Vermischtes beschließen das Heft. Man ersieht hieraus, wie reich das Material in dieser Revue ist und wie viele tüchtige Kräfte ihr ihren Beistand leisten. — Wir haben bereits die Herausgabe des größeren Commentars zu den Psalmen von David Kimchi durch vr. S. M. Schiller-Szinessy berichtet. Es liegt uns nun das erste Bonn, I.Nov. Bon den durch Louis Gerschel, Verlags-! Buch der Psalmen in dieser Ausgabe vor (Cambridge, buchhandlung in Berlin herausgegebenen „Gesammelten! Deighson, Leipzig. F. A. Brockhaus, 1883). Der Commentar Schriften Leopold Kompert's" sind uns der ö—8. Band! Kimchi ist kritisch aus 19 Manuscripten und den ältesten zugekommen. Wir freuen uns, daß hiermit diese, auch gut Ausgaben wiedergegeben und mit einer die wichtigsten Notizen ausgestattete Ausgabe vollendet worden, und der Dichter die! hierüber enthaltenden, lebhaft und anziehend in hebräischer Befriedigung hat, alle seine Arbeiten in einer zweiten Auf-! Sprache verfaßten Vorrede versehen. Wir hoffen, bald auch läge vereinigt vor sich zu sehen. Der 5. Band enthält j in den Besitz der übrigen Bücher zu kommen und so dieses „Geschichten einer Gaffe", die bei ihrem Erscheinen durch treue! bedeutende exegetische Werk möglichst correct beendet zu sehen. Sittenschilderung und feine Psychologie sich eines außergewöhn- — Wir haben unsere Leser auf ein recht nützliches Werk lichen Beifalls zu erfreuen hatten. Der 6. Band bringt den Roman „Zwischen Ruinen", der die heikle Frage der Mischehe inmitten einer orthodoxen Bevölkerung behandelt. Im 7. Bande! „Verstreute Geschichten" sind Arbeiten Kompert's gesammelt, die theilwcise in verschiedenartigen Zeitungen erschienen, theilaufmerksam zu mache:«, veröffentlicht den ersten Herr Rabb. vr. S. Dankowitz Band von: Der Freitag Abend. Unterhaltungen im häuslichen Kreise über die Wochenabschnitte der fünf Bücher Mosis. Ein Buch für die jüdische Familie zur Förderung der Kenntniß und des Berständniffes der weise neu sind. Wir heben aus den letzteren „Das Gespräch heiligen Schrift, zur Belehrung über die Religion und Er