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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-20 · Heft 47 (20.11.1883) · p. Seite 760

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 47 (20.11.1883)
Date
1883-11-20
Page
Seite 760 (sequence 6)
Language
German
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760 zu klären, wieder zu seiner Höhe zu erheben und in den j Ministerpräsident Thiers stand aus Seiten der Verfolger. Vordergrund des religiösen Lebens zu stellen. Hiermit er- Sir Moses reiste nach Konstantinopel, Damaskus und Cairo stand die Reform, namentlich die des Gottesdienstes, und! und bewirkte bei dem damaligen Herrn von Syrien, dem schritt langsam, mit starkem Widerspruche kämpfend, voran. Khedive Mehemed-Ali, eine neue Untersuchung der Akten Auch in England verspürte man dieses, und trat durch die, Bildung der reformirten Westend-Gemeinde an den Ober-. rabbiner Dr. Adler und an Sir Moses heran, welcher der , strengftorthodoxen Richtung angehört. So heftig sich An--1 fangs der Streit gestaltete, so trat doch nach wenigen Jahren! der Friede wieder ein und jene Reformgemcinde erweiterte 1 sich allmählich mit ansehnlichen Filialen neben der großen j orthodoxen Gemeinde. Dieser Rückblick war nöthig, um die Stellung zu verstehen, welche Sir Moses Montefiore innerhalb dieser großen! Bewegungen einnahm. Es war keine literarische, keine, eigentlich politische, wohl aber eine hervorragend sociale! Stellung. Er hat sich niemals in den Kampf der Geister und der politischen Parteien eingemischt. Nachdem er sich aus dem Finanzgeschäfte zurückgezogen, 1837 Sheriff von London und später von der Königin zunr Baronet erhoben worden, machte er es sich zum Berufe, überall, wo seine Glaubensgenoffen litten und unterdrückt wurden, für sie persönlich einzutreten und zu suchen, ihr herbes Loos zu mildern. Ohne seine menschenfreundlichen Bemühungen und seine Wohlthätigkeit confessionell zu beschränken, war sein Streben, philanthropisch den Bekennern des Judenthums zu Hülfe zu kommen. Dies macht die Bedeutung des Sir Moses aus. Zu einer Zeit, wo sich aller Orten die Geister mächtig regten, durchbrach er den Bann der bloßen Passivität, unter welchem die Juden ihr schweres Geschick ertrugen und gab ein Borbild, wie man activ das Loos derselben zu verbessern! sich persönlich bemühen soll. Vorzugsweise galt seine Sympathie Jerusalem. Wenn wir nicht irren, zog er fünf Mal nach der heiligen Stadt. Er sah bald ein, daß die Zustände daselbst nicht durch bloße Almosenspende, sondern durch Herstellung von Anstalten gebessert werden könnten, welche theils die Kranken und Schwachen unterstützen, theils die gewerbliche Thätigkeit wecken könnten. Er hatte hiermit kein besonderes Glück, erregte sogar eine Zeitlang den Zorn derer in Jerusalem, die von solchen Anstalten nichts wissen wollten und darin nur eine Schädigung ihrer Interessen sahen. Aber er hat doch hierdurch den Anstoß gegeben, der, wenn auch langsam, doch erfolgreich an Boden gewinnt. Das glücklichste Resultat erreichte Sir Moses, als 1840 in Damaskus durch französischen Einfluß die Blutbeschuldigung austrat, eine Anzahl unschuldiger Juden in den Kerker geworfen und die ganze Gemeinde in die äußerste Gefahr gebracht worden. Der Fall erweckte in Europa die größte Sensation und die Judenfeinde benutzten ihn, um die schmählichsten Anklagen auf Judenthum und Juden zu wälzen. Der zeitweilige und die daraus erfolgende Freisprechung der Juden. Jndeß müssen wir der Gerechtigkeit wegen bemerken, daß Montefiore auf dieser Reise von Crämieux und Munk begleitet war, welche wesentlich zu diesem günstigen Erfolge beitrugen, besonders auch Munk gerade im entscheidenden Momente. Da Cremieux ein glühender französischer Patriot war und Munk Stellung und Anerkennung in Paris hatte, muß die Betheiligung derselben an diesem Feldzuge gegen die Tendenz der damaligen französischen Machthaber hoch angeschlagen werden. — Der Leser gestatte, daß wir bei diesem Ereignisse noch einen Augenblick verweilen. Es war natürlich, daß sich in allen jüdischen Herzen die lebhafteste Dankbarkeit für Sir Moses regte. In England gedachte man daher seine Rückkehr durch Ehrenbezeugungen zu feiern. Aber schon vorher beschloß der Redakteur dieser Zeitung, von Seiten der deutschen Glaubensgenossen diesem Dankgefühl einen Ausdruck zu geben. Er schrieb eine Subskription aus, zu welcher jedoch Niemand mehr als 10 Silbergroschen spenden sollte, um so das Ehrengeschenk als aus der Mitte und dem Herzen des Volkes hervorgegangen zu bezeichnen. Es traten dem Unternehmen 1400 Personen bei. Für die Summe ihrer Beiträge wurde ein kostbares Album angefertigt, in welchem auf Pergament eine Dankadresse, die in Nr. 37 des Jahrgangs 1842 abgedruckt ist, und die Namen sämmtlicher Beitragenden in schönster kalligraphischer Ausstattung, jede Seite mit besonderen Randzeichnungen versehen, enthalten waren. Auf den vorderen Deckel des Einbands war eine von Prof. Oppenheim selbst gefertigte Copie seines berühmten Gemäldes von der Einsetzung Josua's durch Moses, in Oel, eingesenkt, in den unteren Deckel eine Copie der Trauernden Juden von Bendemann, verfertigt unter der Aufsicht des Direktors der Akademie der Künste, G. Schadow in Berlin. 133eibc Gemälde waren von stark vergoldeten, in cisilirter Bronce ausgeführten Kränzen umgeben und die Ecken und , Spangen von gleichem Metall kunstreich ausgeführt. So , wurde das schöne Werk dem Sir Moses übersandt und wir j wissen aus Aeußerungen desselben, daß es einen tiefen Eindruck auf ihn machte und ihm sehr lieb geworden. So hat; die deutsche Judenheit dem verehrten Manne ihre Anerken-! nung bekundet. — Weiterhin unternahm Sir Moses Reisen! nach Petersburg, Rom und Marokko, um von den Herrschern! eine Erleichterung und Sicherstellung ihrer unterdrückten 1 Glaubensgenossen zu erlangen. In Marokko hatte er den Erfolg, einen Firman des damaligen Sultans von Marokko ' zu erwirken, der eine gerechte Behandlung der jüdischen Unterthanen verhieß und anbefahl. Es war immerhin ein

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