Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-20 · Heft 47 (20.11.1883) · p. Seite 757

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 47 (20.11.1883)
Date
1883-11-20
Page
Seite 757 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227495--41272-3309736
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

757 vorenthielt. Männer wie Renan, der berühmte Bertheidiger der Juden, sind nicht frei geblieben von diesem Zuge der Zeit. Freilich mußte gerade er, der unter anderem beispielsweise eine eigene Raffen-Begabung sür das Schaffen von Heldengedichten aufstellte und diese Begabung den Semiten rundweg absprach, es erleben, daß noch zu seiner Zeit aus den Trümmern von Niniveh ein uraltes semitisches Heldengedicht wieder emporstieg, das man der Zeit nach den Ahnen aller anderen Heldengedichte nennen könnte. So unsicher erweisen sich solche allgemeine Urtheile über Raffenbegabung und Raffencharaktere! Es liegt solchen Zutheilungen, die so leicht den Enthusiasmus der Jugend für sich gewinnen, eine gar nicht stichhaltige Auffaffung zu Grunde. Es giebt im mandem steht das Recht zu, dieses Anrecht an das Vaterland Anderen abzusprechen. Ferner: durch zweitausendjährige Theilnahme an allen Geschicken, an Freud' und Leid, an Sieg und Niederlage, an Auf- und Niedergang des Vaterlandes haben die Juden so gut wie die Christen den unbedingten Anspruch an das Heimathsrccht erworben. Hiermit erklärt der Verfasser beide Prinzipien der Antisemiten sür unhaltbar und praktisch für zwecklos. Er ergeht sich dann in der Fabel der Blutbeschuldigung, und nachdem er darauf hingewiesen, daß dieselbe Beschuldigung von den Heiden gegen die Christen geschleudert worden, fragt er: „Wie kommt es nur, daß eine und dieselbe Beschuldigung bis in das tiefste Alterthum zurückreichend, der Reihe nach Grunde nur ein treibendes Element in der Geschichte, dem j den verschiedensten Religionsgenossenschaften gemacht wurde?" sich alle Menschen beugen: die Lebensfürsorge. Je nach den! Er weist hier ausführlich nach, daß Menschenblut einmal bei äußeren Lebensverhältniffen, unter welchen sich diese ent-! allen unseren Ahnen, sie mögen Semiten oder Arier gewesen wickeln konnte, und je nach der Stufe, bis zu welcher sie! sein, eine große und unheimliche Rolle gespielt hat, von der nach dem Zwange jener emporsteigen mußte, hat sie in den im Bolksbewußtsein Erinnerungen zurückgeblieben seien. Er Menschengruppen gemeinsamer Fürsorge andere Eigenschaften! verweist da auf das alte Buch „Thaten der Römer", auf großgezogen und angehäuft, und diese geschichtlichen Er-; die Edda, auf alle Völker, so lange sie sich noch auf nieziehungsergebniffe erscheinen uns heute als geistige Raffendriger Stufe befanden oder noch befinden; namentlich vom Merkmale. Sie können wohl mit der Struktur von Haut Blutgenuß zu Heilzwecken. Sobald nun dieser Blutgenuß und Haar Zusammentreffen, aber aus dieser gehen sie nicht ans einem Volke verschwunden war, so heftete dieses den hervor. Die Faulheit des Russen und die Rührigkeit des Makel desselben fremden Völkern an. Der Jude hätte nach Franzosen, die Lebhaftigkeit des gesprächigen Italieners undj seiner Geschichte und seinem Gesetze eher als jedes andere die schweigsame Schwerfälligkeit des Holländers wachsen auf! Volk vor dieser Beschuldigung geschützt sein müssen. Fand ein und demselben Raffenboden; aber jene systematisirende sie dennoch statt und wiederholte sich, so war es eben nur Wissenschaft sucht nun einmal auch aus diesem Gebiete nach „die ererbte Form eines Ausdrucks hoher Feindseligkeit. Je bleibenden Eintheilungsgründen, als müßte noch einmal das weiter ein Volk in der Kultur noch zurück ist, desto eher so handliche System der Botanik auch auf den Menschen verbreitet sich in ihm noch dieser Wahn." Das haben wir übertragen werden." In diesem Sinne kämpft nun Henrici „gegen die Juden in Ungarn erlebt. Hierzu kommt nun das wirthschaftliche Berhältniß. Die als Semiten und als Raffe". Als solche stehen sie ihm Betrachtung dieses Moments scheint uns die schwächste Seite nicht nur unter den Germanen, sondern sind auch „unverin der Schrift unseres Autors, den wir bis jetzt nur in befferlich". Das deutsche Volk müsse daher von ihnen ein-! trefflichen populär-naturwissenschaftlichen Werken kennen gefach gereinigt werden, sonst würde es selbst an seinen Eigenlernt. Er macht zwar auch darauf aufmerksam, daß in den schäften Schaden leiden. Hier widerspricht freilich sofort das meisten Kulturländern der Jude gar keine besondere wirth- System sich selbst; oder kleben uns gerade nur unsere vorzügschaftliche Rolle mehr spielt, daß er nur da, wo ihm viele lichen, günstigen Raffcnmerkmale so oberflächlich an, daß sie sichere Lebensbahnen noch verschlossen sind, vorzugsweise uns jede böse Gesellschaft abstreifen kann? Der Verfasser dem Handel, besonders auch dem Geldhandel, sich widmet betont auch, daß eine Furcht von 55 Millionen vor einer und daß diesem nicht minder viele Christen obliegen, und halben Million geradezu eine Erniedrigung jener bedeutet, im Morgenlande die Armenier und Griechen die Juden eine Demüthigung, die dem „erhöhten Nationalbewußtsein" längst überholt haben — aber er betont dies doch nicht gegeradezu widerspricht. Und was heiße „fremd" im heutigen nirgend. Er hebt nicht scharf genug hervor, daß die ob- Deutschland, das zum größeren Theile Colonistenland ist? waltenden Uebelstände in den volkswirthschaftlichen Verhält - „Jm deutschen Colonistenlande aber ist der Jude nachweisbar - niffen aller Völker nicht etwa von den Juden ausgegangen älter als der Germane, älter als der Slave." Es steht also' und getragen werden, sondern aus der allgemeinen Entwickedem Juden dasselbe Recht zur Seite wie dem Germanen! lung dieser Verhältnisse erstanden sind. Jede Entwickelung und Slaven. Wir fügen unsererseits hinzu: die Geburtsins Große und Ganze bringt bei mannichfaltigen Vorzügen und Bildungsstätte entscheidet über das Vaterland und Nie-! auch Nachtheile mit sich, welche erst in der Fortentwickelung 47*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.