Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1883)
- Date
- 1883-11-13
- Page
- Seite 744 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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744 zu meinen Kindern: Es ist doch Feuer. Ich lief aus der > sei, von dem Platze des Denzin die betreffende Wahrnehmung Schule und nun kamen die beiden Lesheim an mir vorüber. Ich fragte dieselben: Ist Feuer? Die Lesheim antworteten mir jedoch nicht. Sie gingen weiter bis auf den Marktplatz zu machen. Herr Bauinspector Kleefeldt stellte nun fest, daß nur, wenn man von der ersten Bank am Fenster in einer gcwissen Körperstellung sich befand, zu dem Heidemann'schen und alsdann riefen sie Feuer. Die Kinder sagten mir: sie Hause hinübersehen konnte. Als ich nun die Bemerkung haben schon vor einiger Zeit den Lehrer Hübner und den Imachte: In dieser Stellung hat sich Denzin unmöglich bealten Heidemann in den Tempel gehen sehen. Präs.: Warum; fmtben, antworteten mir die Kinder: Ja, so stand Denzin haben Sie Ihre so wichtigen Wahrnehmungen so spät gemacht; > immer; Herr Lehrer Pieper antwortete: Wenigstens befand er es wird Ihnen doch bekannt gewesen sein, daß in Zeitungen sich sehr oft in dieser Stellung. Daraufhin versetzte ich: hohe Belohnungen auf Ermittelung der Thäter ausgesetzt gewesen seien? Zeuge: Jawohl, das war mir bekannt; aber es giebt Sachen, wo man der Frau folgen muß, und zu dieser gehört die vorliegende. (Heiterkeit.) Ich erzählte meine Wahrnehmungen gleich nach dem Brande in meiner Privatwohnung, in Gegenwart einer Frau Hirschberg, und zwar ganz besonders, weil ein Journalist, Namens Michow, mir gegenüber äußerte: der Tempelbrand sei das Resultat der Judenhetze. Ich war auch Willens, meine Wahrnehmungen dem Herrn Bürgermeister und der „Presse" mitzutheilen und hatte auch I bereits es zu Papier gebracht. Als meine Frau dies jedoch sah, sagte sie: „Du sollst die Hand davon lassen, du hetzt^ dir alle Juden auf den Hals." Ich erwiderte: „Doch ich schicke das Schriftstück ab. Meine Frau versetzte: „Wenn Du das thust, so sollst Du einmal sehen, dann setzt es etwas." (Große Heiterkeit im Auditorium. Der Vorsitzende ermahnt das Publikum, das, wie beiläufig bemerkt, oftmals sehr laut ist, zur Ruhe und droht, im Wiederholungsfälle den Zuhörerraum räumen zu lassen.) Zeuge (fortfahrend): Ich fügte mich also dem Willen meiner Frau und unterließ die Anzeige. Etwa ein Jahr darauf erzählte ich meine Wahrnehmungen gelegentlich dem Lehrer Hübner. Dieser stellte mich ob meines schweigenden Verhaltens zur Rede und forderte mich zur Anzeige aus. Ich äußerte nochmals, daß ich in Rücksicht auf meine Frau auch heute noch nicht die Anzeige machen wolle. Der Lehrer Hübner drang jedoch in mich, mit dem Bemerken, daß er andernfalls selbst diese Wahrnehmungen dem Bürgermeister mittheilen wolle. Anläßlich dessen entschloß ich mich zur Anzeige. Auf Veranlassung des Hübner fragte ich einige Schüler, ob sie sich jenes Vorganges noch zu erinnern wissen. Einige von diesen wußten sich der Vorgänge noch zu erinnern. Ich machte nun dem Herrn Bürger- Ein Lehrer, der so etwas duldet, verdient cassirt zu werden. Der Zeuge bestreitet die Richtigkeit dieser Behauptung. Verth. R.-A. Dr. Sello: Ist es wahr, daß der Herr Zeuge von seiner Vorgesetzten Behörde einmal einen Verweis erhalten hat, weil er beim Religionsunterricht eine beschimpfende Aeußerung gegen eine alttestamentliche Persönlichkeit gebrauchte? Zeuge (zögernd): Das kann ich nur beantworten, wenn mir das genauer gesagt wird. Dr. Sello: Dem Herrn Zeugen muß ja doch so etwas erinnerlich sein; die beschimpfende Aeußerung dokumentirte die antijüdische Gesinnung des Herrn Zeugen? Zeuge: Ich bin 35 Jahre im Amte und kann mich an alle Vorgänge, die während dieser Zeit passirten, nicht mehr erinnern. Dr. Sello: Der Herr Zeuge befindet sich ja in einer peinlichen Lage; nach seiner uns gegebenen dilatorischen Antwort erkläre ich mich zufrieden. — Ein anderer Hauptzeuge war der Malerlehrling Denzin, der zur Zeit des Brandes dreizehn Jahr alt war. Er bekundet, daß er vom Schulzimmer aus am fraglichen Freitag Vormittag, kurz vor Ausbruch des Feuers, die Heidemann. Vater, Sohn und Enkel, aus ihrem Hause heraus in die Synagoge gehen gesehen habe und daß er auch die beiden Lesheim die vielfach erwähnte Manipulation mit dem Stuhle habe machen sehen. Inspektor Kleefeldt: Von der Mittelbank, von der aus Zeuge seine Wahrnehmungen gemacht haben will, ist es unmöglich, die Heidemann'sche Hausthür zu sehen. Vom Präsidenten nun nochmals befragt, erwidert Zeuge: Er habe nur den Giebel des Heidemann'schen Hauses gesehen; im Uebrigen bleibe er bei seiner Aussage. Auf Antrag des Vertheidigers R.-A. Dr. Sello constatirt der Präsident aus den Akten, daß der Zeuge bei seiner ersten Vernehmung bekundet:, er habe bei seiner Wahrnehmung auf der fünften Bank gesessen und habe! die Heidemann, Vater, Sohn und Enkel, mehrfach aus ihrer meister die Anzeige. Verth. Justizrath Scheunemann: Ich! Hausthür treten sehen. Bauinspector Kleefeldt bekundet bin jetzt in der Lage, die erwähnte angebliche Beleidigung.! wiederholt: von der fünften Bank jenes Schulzimmers konnte die ich dem Zeugen gegenüber gemacht haben soll, aufzuklären. Da einer der Hauptzeugen, der Malerlehrling Denzing, bekundet hat, er habe von seinem Platze aus gesehen, wie am Tage des Brandes, kurz vor Ausbruch desselben Heidemann Bater, Sohn und Enkel mehrfach aus ihrem Hause getreten und in die Synagoge gegangen seien, so ist der Versuch gemacht worden, an Ort und Stelle zu prüfen: ob es möglich der Zeuge seine Wahrnehmungen nur, entweder auf dem Tische sitzend oder auf der Bank stehend, machen. Vom Präsidenten auf dieses Gutachten aufmerksam gemacht, bemerkt Denzin: Er wolle nicht behaupten, daß er die Heidemann's aus der Hausthür habe treten sehen; in die Synagoge habe er sie doch gehen sehen; ebenso habe er die erwähnte Manipulation der Lesheim gesehen. Es wur-