Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1883)
- Date
- 1883-11-13
- Page
- Seite 743 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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743 Weise äußert sich Heidemann jun. Er bestreitet insonders; dem Brande hielt der bekannte Dr. Henrici aus Berlin in Neudie Aussage des Arbeiters Buchholtz. Möglich sei, daß dieser > stettin in einer antisemitischen Versammlung eine „Brandrede"; das am Stacketenzaun aufgestapelte Holz aus eigenem Anaus diesem Umstande gelangten wir zu der Bermuthung: Einige triebe fortgeschafft habe. Im Januar 1882 sei er mit Buch- Antisemiten haben, durch die Rede Henrici's aufgehetzt, aus holtz in Streit gerathen, der zu einer gegenseitigen Klage Haß gegen die Juden den Tempel in Brand gesteckt. Präs.: führte. Bei dieser Gelegenheit habe Buchholtz geäußert: „Ich Einen weiteren Anhalt zu dieser Ihrer Vermuthung hatten werde Ihnen schon etwas zu schaffen machen." Der Tempel- Sie nicht? Zeuge: Nein. Auf Befragen des VertheidigersR.-A. diener Löwenberg bestreitet, am fraglichen Tage in, oder auch Dr. Sello bekundet noch Zeuge: Kurz vor dem Brande sei in nur in der Nähe der Synagoge gewesen zu sein. Eine Blechder in Neustettin erscheinenden „Norddeutschen Presse" ein kanne, die zu Petroleum benutzt wird, besitze er nicht, zumal Feuilleton mit der Ueberschrift: „Dr. Martin Luther und die im Tempel nur Lichter gebrannt werden. Ter erste Zeuge Judenfrage" erschienen. In diesem Feuilleton heißt esu. A.: war der Synagogenvorsteher Kaufmann Löwe. Er sagte aus:! „Was wollen wir Christen nu thun mit diesen verdampten Ich nehme an, daß das Feuer von ruchloser Hand angelegt, Volk der Juden? Ich will meinen treuen Rath geben: Erstwar, denn der Tempel war nach Verlauf von kaum 2 Stunlich, daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, den vollständig niedergebrannt. Ich sah ebenfalls ein Fenster und was nicht verbrennen will, mit Erden überhäufe und beausgehoben; es war das in derselben Weise geschehen, wie im schütte, daß kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe Jahre 1863, zu welcher Zeit einmal in böswilliger Weise ewiglich." Tie betreffende Zeitung wird vom Bcrtheidiger Thora-Rollen zerschnitten wurden, ohne daß es gelungen wäre, Justizrath Scheunemann dem Präsidenten überreicht. Rentier Biedenweg, der dicht neben der Synagoge wohnte, bekundet, daß er gegen 8 Ilhr an der Südseite der Synagoge ein Fenster geöffnet gesehen, gegen 10 Ilhr sei es wieder geschlossen gewesen. (Es ist dies wichtig, da der Brand erst nach 11 Uhr ausbrach.) — Ein Hauptbelastungszeuge war der Lehrer Pieper, und der Mann erscheint so eigenthümlich, daß wir seine Aussage ausführlich mittheilen müssen: „Ehe ich meine Aussage mache, muß ich bemerken, daß mir eine Drohung gemacht wurde. (Bewegung.) Der Schuhmacher Schucker sagte mir: Herr Staatsanwalt Pinoff habe zu dem Schuhmachermeister Schucker gesagt: Der Herr Staatsanwalt werde mich und Schucker meiner Aussage wegen verfolgen, mit den Neusiettinern werde er schon fertig werden. Ich fühle mich seitdem etwas beengt. Präs.: Lasten Sie dies nur einmal bei Seite und machen Sie Ihre Aussage, wie Sie sie vor Der Schaden, der in Folge der Feuersbrunst der Ihrem Gewissen verantworten können. Zeuge: Das werde ich thun. Ich bitte jedoch den Herrn Präsidenten um Schutz, denn ich bin bei dem Termin am 18. Mai von dem Herrn Justizrath Scheunemann beleidigt worden. Präs.: Das ist ja meines Amtes, es wird keine Beleidigung Vorkommen. Zeuge: Am 18. Februar 1881 gegen 11 Uhr Bormittags habe ich von meinem, der Synagoge gegenüberliegenden Klaffenzimmer aus dem Dache der Synagoge Rauch herauskommen gesehen. Ich habe nicht geglaubt, daß das Feuer war. Gleich darauf sah ich die beiden Lesheim aus der Synagoge herauskommen. Die Lesheim gingen um die Synagoge herum; Lesheim jr. hatte einen Stuhl in der Hand, den er an ein Fenster stellte. Lesheim sen. stieg auf den Stuhl, nahm einen Fensterflügel heraus und stellte ihn an die Außenwand der Synagoge. Bald darauf waren die beiden Lesheim verschwunden. In demselben Augenblick sah ich dicke Rauchder Thäter habhaft zu werden. Die Synagoge war bei der Magdeburgischen Feuer-Versicherungsgesellschaft mit etwa 12000 Mark versichert. Die Gemeinde erhielt als Versicherungssumme nur etwa 9U00 Mark, da für Abnutzung Abzüge gemacht wurden. Es ist richtig, daß wir vor etwa 3 bis 4 Jahren den Beschluß faßten, eine neue Synagoge zu bauen, da die alte sich zu klein erwies. Es wurde sogar auch ein Bauplatz von uns angekauft, da dieser sehr billig war; allein die Kosten für den Neubau erschienen uns doch zu hoch. Deshalb beschloffen wir von dem Neubau Abstand und einen Ausbau der alten Synagoge vorzunehmen. Ties geschah etwa 2 Jahre vor dem Brande. Die Bänke der Synagoge wurden renovirt, neue Teppiche gelegt und die Synagoge durch beffere Eintheilung der Plätze rc. auch bedeutend vergrößert. Wir haben in Folge dieses Ausbaues noch etwa 11—12000 Mk. Schulden. Gemeinde, aber auch vielen Gemeindemitgliedern zugefügt i wurde, ist ein sehr bedeutender. Wir hatten mehrere kostbare Silbergeräthe, 8 sehr werthvolle Thora-Rollen mit schweren Silberbehängen ausgestattet. Von alledem wurde nicht das Mindeste gerettet. Mir persönlich gingen, außer werthvollen Gebetmänteln, Reliquien verloren, die mir ein theures Andenken von meinen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern waren. Aehnliche Verluste haben noch eine Reihe anderer Gemeindeglieder zu beklagen, ohne daß auch nur der mindeste Ersatz dafür Jemandem geworden ist. Auf weiteres Befragen des Präsidenten deponirt Zeuge: Die jüdische Gemeinde in Neustettin habe gleich nach dem Brande eine hohe Belohnung auf Ergreifung der Thäter ausgeschrieben. Präs.: Es wurde damals von vielen Ihrer Glaubensgenossen in Neustettin die Aeußerung gemacht: „das haben uns die Antisemiten gethan", wieso kam das? Zeuge: Am Sonntag vor j wölken aus den Synagogenfenstern dringen. Nun sagte ich