Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1883)
- Date
- 1883-11-13
- Page
- Seite 741 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227494--41255-3309718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
F41 Reichen und die Römerfreunde an. Er fährt fort: „Diese! „Das jüdische Volk aber seinerseits muß sich bekehren vier Gruppen, so verschieden sie unter einander sein mochten,! zum lebendigen, geschichtlichen Jesus. Nicht zum gekreuzigten vereinigten sich endlich gegen Jesus und ließen ihn durch1 Herrgott, wohl aber zum Rabbi, zum Propheten Jesu. Ihm geeignete Leute bei dem römischen Landpfleger anklagen —! muß es endlich den schuldigen Tribut der Verehrung und nicht als einen Feind ihres Volkes und ihrer Religion, sonder Liebe darbringen als einem seiner edelsten, würdigsten dern als einen Feind der Römer und des Landfriedens, als Söhne, als dem Manne, der das wahre Judenthum zur den König der Juden. Als solchen verurtheilte ihn Pilatus! Religion der erlösten Welt machen wollte und schließlich auch zum Tode der Empörer und ließ ihn kreuzigen. Das that machen wird." er und konnte er thun nach römischem Recht, nach seiner Das ist allerdings nicht viel gefordert. Bor der Person amtlichen Instruktion. Denn wenn er auch Jesus nur für Jesu, soweit sie in dessen Reden sich kundgiebt, Achtung einen Schwärmer, vielleicht für einen Wahnsinnigen hielt, haben, sobald wir von dem absehen, was man später aus so mußte ihm doch dieser Schwärmer, der auch vor ihm ihr gemacht hat, ist etwas ganz Natürliches; und die Erseinen Königstitel nicht aufgab, als eine Gefahr erscheinen, wägung, daß er sich willig für seine Ideen geopfert hat. welche er zu beseitigen verpflichtet war. macht ihn verehrungswerth. Gewiß würde Jesus, wenn er Es ist dies in großen Zügen, was wir in unserer benicht eben durch seine Nachfolger zu etwas ganz Anderem, kannten Broschüre kritisch und historisch erwiesen haben, dem Judenthum völlig Entgegengesetztem gemacht und sein Hieraus sagt der Versaffer:! Tod zur heftigsten Verfolgung benutzt worden wäre, Gegen- „Jesus aber hielt bis zum Tode fest seinen Glauben. stand der Hochachtung, der Verehrung auch bei den Juden, an den Gott Israels, die Hoffnung seines Volkes, und er-! so weit sie Kenntniß davon hatten, gewesen sein. Zum wartete zuversichtlich, daß er balv nach seinem Tode zu seinem; Schlüße wendet der Redner aus die beiden Religionen das durch Trübsal geläuterten Volke zurückkommen und für sein, Gleichniß vom treuen und vom verlorenen Sohne an und Volk Gottes Reich gründen würde. Mit diesen Hoffnungen sagt: „Zu der christlichen Kirche sage ich auf das in der auf den Lippen und im Herzen starb er, als ein echter, treuer! Weise der Kirchenväter ausgelegte Gleichniß mich stützend: Sohn Israels, als der würdige König der Juden. Von „Erkenne dich selbst. Du wähnst noch reich zu sein und einem Gegensatz zwischen Judenthum und Christenthum hatte; stark. Du bist ausgehungert und verarmt. Tie köstlichen er auch sterbend keine Ahnung. Er war der Christus, der Kleider, womit du so stolz einhergingst in früheren Zeiten, Messias, eben weil er ein Jude war. Weder in seiner Lehre auf die du jetzt noch stolz bist: deine Lehren, deine Dogmen, noch in seinem Leben, weder in seinem Worte noch in seinem sie sind schon längst abgetragen, abgenutzt, Lumpen ähnlicher Geiste ist irgend etwas zu finden, was eine antisemitische als Kleidern. Kehre zurück zu deinem Vater, zum himm- Liga verwerthen könnte." : lischen Vater, zum alleinigen wahren Gott, und laß dir von Wenn man Herrn Schwalb auch zugestehen muß, daß ihm neue einfache, aber des Sohnes eines solchen Vaters er den Ursprung des Christenthums in nüchternster Weise zu! würdige Kleider geben. Arbeite frei und fleißig in seinem faßen und zu erklären sich bemüht, so erscheint doch selbst "Hause, als treuer Diener und als geliebter Sohn." Ter in seiner Darstellung der Stifter des Christenthums von Synagoge aber sage ich: „Was stehst du draußen, du Gefegsehr schwärmerischer Seite, da er Unmöglichkeiten ausführen zu können sich dachte, und noch im Tode hoffte. Von seinem Standpunkte aus fordert der Versaffer nun Juden und Christen auf sich zu vereinigen. Er sagt: „Die Christenheit muß sich des jüdischen Ursprungs ihres Glaubens, der ursprünglichen Identität des Christenthums und des Judenthums erinnern. Sie muß sich bekehren vom dreieinigen Gott zum Einigen: vom Gottmenschen Jesu zum Gott, den Jesus anneter des Herrn? Komme herein in den nach langer festlofer Zeit wieder prächtig erleuchteten Festsaal. Genieße mit deinem von all seinen Jrrgängen glücklich zurückgekommenen Bruder die Freude, die Liebe deines Vaters, der dein Vater war, ehe noch dein Bruder zur Welt kam, und diene ihm, nicht wie bisher, mit nutzlosen Ceremonien, sondern mit freien, frohen, nutzbringenden Thaten im Geiste und in der Wahrheit, so wie deine größten Propheten von jeher ihm betete. Sie muß zurückkehren zur einfachen, gesunden, im dienen gelehrt haben." Alten Testamente schon gelehrten Sittenlehre Jesu, die wahr--! Jeder, der diese Worte prüfend liest, wird sich sagen. lich bester ist als die beste, geschweige denn als die gewöhnliche Moral der Kirche, um von der Moral der „Gesellschaft Jesu" nicht zu sprechen." Das heißt doch nichts Anderes als: das Christenthum soll Judenthum werden ohne die Ceremonien des letzteren. Was fordert er dagegen von den Juden? . .. daß, der sie ausgesprochen, vor seinen Gedanken und Gefühlen den Blick in die Wirklichkeit verloren hat. Bietet in der That die römisch-katholische Kirche, die soeben wieder große Triumphe erlebt, bietet die griechisch-katholische Kirche mit ihren vielen Millionen. bigotter Anhänger, bietet die protestantische Orthodoxie, die in England herrschend ist, in 46*