Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1883)
- Date
- 1883-11-13
- Page
- Seite 740 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 740 >! V f *; i f $ ' .s . k. Geiste eine Welt erbaut, wie sie in der Gegenwart und in Wahrscheinlich haben andere Schriftgelehrte neben und vor noch langer Zukunft nicht besteht, und seinen Ideen eine Jesu in ähnlicher Weise das Gesetz erklärt. Jedenfalls haben Voraussetzung 'giebt, die mit der Wirklichkeit nicht überein-! die alten Propheten das Gesetz in gleicher Weise verstanden stimmt, so begeht der deutsche Geistliche diesen Fehler in noch , und verkündigt, und Jesus nährte gewiß weder in seinen größerem Maße. Für die Gedanken, die der französische! Jüngern noch in sich selbst den eitlen Wahn, daß er eine Redner ausspricht, kann er immerhin auf Anklang bei zahl-1 neue eigenthümliche, christliche Sittenlehre der Welt gebracht reichen Menschen rechnen, selbst bei solchen, die sich nicht > hätte. Ihm genügte vollständig die alte, die Moral des ganz zu seiner Meinung bekennen. Schwalb hingegen, weil mosaischen Gesetzes und der Propheten." Der Redner endet er die Tinge sich so denkt, wie er sie ausspricht, und weil diesen Theil seines Vortrags mit den Worten: „Wahrlich, ein kleiner Kreis von Hörern und Lesern mehr oder weniger! ich wüßte in allen uns überlieferten Reden Jesu schlechterihm zustimmt, stellt sich die wirklichen Zustände so vor, wie! dings nicht einen, irgendwie erheblichen Satz zu entdecken. sie seinen Gedanken entsprechen', und ergeht sich daher in Forderungen, die ihm außerhalb jenes Kreises von keiner Seite zugestanden werden. Hingegen ist eben seine Gedankenfolg^das Symptom eines großen Procesies, der in der That zu welchem sich nicht aus den Schriften des alten Testaments zahlreiche Parallelstellen anführen ließen." Der Autor spricht es also selbst aus, daß er sich das Christenthum nur nach den in den Evangelien überlieferten Reden Jesu denkt, vor MH geht, während Renan sich außerhalb desselben stellt Schon hierin werden ihm nur wenige, sogar unter den pro- und deshalb jeder näheren Beziehung zur Gegenwart entbehrt. > testantischen Theologen zustimmen. Selbst der Protestantis- Schwalb beginnt damit, daß Christenthum und Judeni inus baut das Christenthum auf die sämmtlichen Schriften thum „heutzutage einen schroffen, in leidenschaftlichen, ja gej des Neuen Testaments auf, das geschichtliche, das wirkliche legentlich in blutigen Kämpfen hervortretenden Gegensatz"; Christenthum nimmt zu seinem Fundamente das ganze Neue bezeichnen. Tb dies blos „heutzutage" so ist, ob dieser Ge-^ Testament und zieht seine Lehren und Anschauungen aus gensatz nicht vielmehr bereits seit dein zweiten Jahrhundert! diesem. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, daß dies etwas des Christenthums bestanden und in solchen Kämpfen oder I ganz Anderes ist, ganz Anderes lehrt und aufrecht hält, als vielmehr in blutigen Verfolgungen der Juden sich bethätigt! was der findet, der sich auf die wenigen überlieferten Worte hat, kann doch nicht fraglich sein. Hingegen „in den acht-^Jesu beschränkt. Wir sind die letzten, die unserem Autor ziger Jahren des ersten christlichen Jahrhunderts" war von > das Recht bestreiten, den Inhalt des Neuen Testaments zu einer solchen Verschiedenheit, wie Schwalb auseinandersetzt, verwerfen und nur die Reden Jesu als den wahren Kern keine Spur, und die Christen erkannten sich als Juden an. seiner religiösen Anschauung anzunehmen. Aber er kann Dies erscheint ihm begreiflich, weil „Jesus nicht blos als > uns nicht nöthigen, seine Anschauung für das Christenthum Jude geboren, sondern auch als Jude erzogen und gebildet! und die christliche Lehre zu Hallen. Dieses steht vor uns worden, als jüdischer Rabbi hat er gelebt und gewirkt. Er j in so bestimmter, durch achtzehn Jahrhunderte getragener hatte nicht im Mindesten die Absicht, eine vom Judenthum! Gestalt, daß wir es nicht mit der Ansicht eines einzelnen verschiedene oder gar dem Judenthum entgegengesetzte Reli- Predigers und einer beschränkten Schaar Anhänger vergion zu gründen." „Das Reich Gottes, wie er es dachte, wechseln dürfen. ist ein irdisches Reich. Es hat eine Hauptstadt auf Erden: Hierauf wendet sich Schwalb zum Tode Jesu. Er sagt Jerusalem, die Stadt des großen Königs. Da sollte Gott hier: „Wenn dem aber so ist, wenn Jesus ein echter, treuer selbst unsichtbar König seines auserwählten Volkes sein; Jude war und sein wollte, warum denn haben ihn die Juden sichtbar aber auf dem wunderbar wieder aufgebauten Throne ans Kreuz gebracht? So fragt man vielfach und macht sich. David's sollte der Messias, „der Menschensohn" Jesus, über seine befreiten, eines Herrschers kaum bedürftigen, weil Gott gehorsamen Brüder brüderlich herrschen." „Ungeheure Hindernisie standen der Verwirklichung dieses Planes Jesu entgegen. Tie römischen Legionen mußten Palästina frei lasten. Die Armen mußten wohlhabend, die Kranken gesund, die Trauernden getröstet, die Todten wieder lebendig, die Wüsten in ein Paradies verwandelt werden." An diesen Schwierigkeiten. oder vielmehr Unmöglichkeiten, mußte äußerlich das Unternehmen Jesu scheitern. Jesus wollte das Gesetz nicht auflösen, sondern durch Verschärfung und Vertiefung „erfüllen", das war „durchaus nichts Unerhörtes in Israel. indem man so fragt, eines wunderlichen Unsinns schuldig. Denn die Juden jedenfalls haben Jesus nicht ans Kreuz gebracht. Es hat kein Plebiscit stattgefunden in Israel über die Frage: „Soll Jesus sterben oder nicht?" Millionen Juden, die damals lebten, das jüdische Volk als solches, ist rein geblieben von seinem Blute. Unter dem jüdischen Volke hatte Jesus allerdings arge Feinde, aber auch leidenschaftliche Verehrer. Alle seine Anhänger waren ja, wie wir gesehen haben, treue Juden. Seine Feinde waren allerdings auch Juden, sie bildeten aber nur im jüdischen Volke ein verhältnißmäßig kleines Häuslein." Als solche sieht er eine Gruppe pedantischer Schriftgelehrter, ferner die Priester, die 4 : fei;