Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1883)
- Date
- 1883-11-06
- Page
- Seite 736 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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736 ihrem Mitgliede gewählt, den Antrag derselben bei Seite Darauf berichtete Eichhorn unterm l». Juni dem Könige legte und gar nicht beantwortete. Da also der König seine Friedrich Wilhelm IV., der unterm 28. Juni die Wahl bedesfallsigen Gründe nicht kund gab, legte man ihm damals j ftätigte, worauf in der Leibniz Sitzung vom 7. Juli Rieß das Motiv unter, er habe der Kaiserin Katharina von Ruß-; in die Akademie eingeführt wurde. Wie Alexander v. Humland, die zum Ehrenmitgliede der Akademie ernannt worden! boldt Barnhagen erzählte, habe ihm der König gesagt, er würde war, keinen Juden zum Collegen geben wollen. Bei den die Wahl ohne Bedenken bestätigen und hinzugcfügt, „ich hoffe bekannten Borurtheilen Friedrichs II. nach dieser Richtung j doch nicht, daß Ihr Bruder die Dummheit begangen und in hin, braucht man kaum so weit zu suchen. Was die Zei-! die Statuten gesetzt hat, es dürfe kein Jude in der Akademie tungen nicht hinzufügen, ist der Ausspruch Mendelssohns:, fein".—Die Beerdigung des Prof. Rieß fand am 26. Bor- „Es ist mir lieber, daß die Akademie mich gewählt und der mittags auf dem alten jüdischen Friedhofe in der Schönhauser König meinen Namen gestrichen hat, als daß der König Allee statt. Eine überaus große Anzahl von Leidtragenden mich gewählt und die Akademie mich gestrichen hätte." — hatte sich zur Trauerfeier eingefunden; besonders zahlreich Ueber diese Wahl wird noch berichtet: Die Wahl des > war die Akademie und die Universität vertreten. Man be Dr. Rieß erfolgte in der Plenarversammlung vom 7. April j merkte die Geheimräthe Proesioren Dubois - Reymond und 1842. Alexander v. Humbolvt berichtet darüber: „Ich bin Werner Siemens, sowie die Professoren Auwers, Beyrich, heute nicht nach Potsdam gegangen, um die Wahl in pleno; Rose, Pringsheim, Ascherson, Kronecker :c. rc. Ferner gedes talentvollen jüdischen Physikus Rieß zu betreiben. Sie j hörten Geheimrath Dr. Steinthal und andere namhafte Aerzte ist für die Akademie sehr ehrenvoll ausgefallen, nur drei 1 zu den Leidtragenden. Ihnen schloffen sich hervorragende schwarze Kugeln." Die Akademie zeigte unterm 11. April! Glieder der jüdischen Gemeinde, darunter Prediger Dr. Landsdie Wahl dem damaligen Unterrichtsminister Eichhorn mit j berger an. Der reichgeschmückte Sarg war in der blumendem Ersuchen an, die königliche Bestätigung zu befürworten. 1 gefüllten Halle aufgebahrt. Nachdem der Synagogeuchor das Eichhorn ließ den Antrag sieben Wochen liegen und schrieb! Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" gesungen, hielt dann am 2i*. Mai der Akademie, sie möchte ihm „nach-^ Rabbiner Dr. Fränkel die Gedächtnißrede; dann erfolgte untrüglich" anzeigen, „ob bei der Wahl des Dr. Rieß der i ter den üblichen rituellen Gebeten die Einsenkung der sterb- Umstand, daß er, Rieß, sich noch zum jüdischen Glauben lichen Hülle.—Der Staatsanzeiger für Württemberg schreibt aus bekenne, derselben bekannt und gegenwärtig gewesen ist, indem j Stuttgart vom 21. Oktober: Am gestrigen Sonntag wurde er es für nöthig halte, hierüber als eine Thatsache in dem auch ein langjähriger geschätzter Lehrer zu Grabe getragen, an Se. Majestät zu erstattenden Berichte sich mit Bestimmtder Profeffor am Konservatorium I. Levi, seit mehr als heit äußern zu können." Auf dieses bei ihr am 1. Juni; 25 Jahren dieser Anstalt angehörend, früher schon ein uneingegangene Schreiben antwortete die Akademie unterm 7. gemein beliebter Lehrer des Klavierspiels in hiesigen Fami- Juni (unterzeichnet: Ehrenberg, Encke, Boeckh, v. Raumer) lien; ein Manu, der wegen seines milden Wesens und um kurz und bestimmt, daß die physikalisch-mathematische Klaffe! seines wohlwollenden Charakters willen allgemein geschätzt von der Thatsache, daß Rieß Jude sei, „sehr speciell" Kenntwar und deffen Hingang bei den Bielen, die ihn kannten niß genommen, aber weder die Klaffe noch die gesammte j Schmerz und Theilnahmc hervorruft. Er hat ein schönes Akademie um so weniger daran Anstoß genommen habe, je! Tagewerk hinter sich und konnte, als er diesen Herbst in den weniger in den Statuten der Akademie aus dem Glaubens- Ruhestand trat, auf reiche Früchte seiner Thätigkeit zurückbekeuntniffe eines Gelehrten irgend ein Präjudiz gegen seine! blicken, wie dies in den Grabreden des Herrn Kirchenrath Wählbarkeit hervortrete. „Uebrigens erlaubt sich die Akademie; Dr. Wassermann und des Professors Dr. Faißt, der dem darauf hinzuweisen, daß in gleichem Verhältnisse Herr Meyer- Kollegen Worte der Anerkennung nachrief, rühmend ausbeer in der Akademie der Künste Sitz und Stimme hat." ' gesprochen wurde. Feuilleton. Vermischtes. Jahrgänge dieser Zeitg. — der Lerf. nichts Neues hervorzu- Sabbathai Zewi. bringen hatte, so ist doch seine Schilderung des falschen In der „P. Z." lieferte jüngst Dr. I. Morgenstern Propheten und der durch ihn bewirkten Vorgänge lebhaft eine Lebensbeschreibung jenes Pseudomessias, der nicht zu den und anziehend geschrieben und muß für einen Leserkreis, der „betrogenen", sondern zu den bewußten „Betrügern" gehörte, mit diesem Gegenstände unbekannt gewesen, ein großes Jn- Wenn auch nach den mehrfachen Biographien des Sabbathai, tereffe haben. Wir glauben allerdings, daß der Berf. die wir erinnern z. B. an die ausführliche in einem der früheren Wirkungen, die das Austreten Sabbathais hatte, ziemlich