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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-06 · Heft 45 (6.11.1883) · p. Seite 737

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 45 (6.11.1883)
Date
1883-11-06
Page
Seite 737 (sequence 15)
Language
German
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737 üb ntreibt. Außer einigen augenblicklichen Zänkereien, die später noch einige Nachspiele hatten, und einer zeitmcisen Aufregung ging das Ereigmß spurlos vorüber und hatte keine geschichtlichen Folgen. Besonders mit den Schlußsätzen des Vers, können wir uns nicht einverstanden erklären. Er sagt: „Kurze Zeit darauf hat der Tod eine mächtige Lücke in der Menschheit gerissen; einer der edelsten und genialsten der Menschen, Benedictus Spinoza, dessen ganzes Leben Zeugniß von der Reinheit seines Willens, der Höhe seines Geistes und seiner unbegrenzten Menschenliebe ablcgte, starb in der Blüthe seiner Jahre. Sabbathai Zewi muß unbedingt das Verdienst zugesprochen werden, Spinoza auf jene Bahnen gelenkt zu haben, wohin er möglicherweise nicht gelangt wäre, wenn er nicht das tolle Treiben in der Welt mit dem Gankler von Smyrna mit erlebt und tief empfunden hätte. Während die Juden ihn Maledictus nannten und ihn noch über das Grab hinaus verfluchten, wird der Betrüger Sabbathai Zewi heute noch als ein „Auserkorener" und „Heiliger" betrachtet." Dies scheint uns Alles irrig. Zunächst waren cs nicht die Juden, welche Spinoza Maledictus nannten. Ter Erste, der diesen Ausspruch gebrauchte, war Christ. Kortholt, äs tvib. impostor. p. 75; -Benedictus de Sp., quem reetius Maledictum dixeris.“ Ebenso wenig nennen noch gegenwärtig die Juden den Sabbathai einen „Auserkorenen" und „Heiligen". Am schwersten aber wird cs Herrn Morgenstern werden, zu beweisen, daß Spinoza durch Sabbathai zu dem philosopischen Genius geworden, den er zu höchster Entfaltung gebracht. Am auffallendsten sind die Schlußworte des Autors: „Das Grab Sabbathai's ist heute verfallen, und das mit Unrecht. Ein glänzendes Grabmal sollte sich daselbst erheben, gegen alle Zeitenstürme gefeit und geschützt, um den folgenden Geschlechtern zu zeigen, wo Wahnwitz und fanatischer Aberglaube für ewige Zeiten eingesarzt liegen." Die angemessenste Bezeichnung der Ruhestätte, wo ein Mensch „eingesargt" liegt, der nichts als Betrug. Heuchelei, Ausschweifung und niedrige Feigheit repräsentirte, ist eine verfallene und fast vergessene Grube. Solchen Eigenschaften noch ein glänzendes Monument aufrichten, hieße den Wahnwitz wiederholen, der eine Anzahl Zeitgenossen des Betrügers betroffen hatte. Die Wagnerianer, durch sich selbst gezeichnet. Zur Charakteristik der Wagnerianer dürfte folgende Definition derselben beitragen, welche einem der Wagnerhäuptlinge selbst, nämlich Herrn Wilhelm Tappert, jüngst in dem Leipziger „Musikalischen Wochenblatt" entschlüpft ist. „Wir haben wenigstens fünf Fractionen unter den Wagnerianern", schreibt Herr Tappert und charakterisirt dieselben folgendermaßen: „Die erste verehrt den Musiker Wagner, gleichviel ob sie ihm nur bis zum „Lohengrin" oder bis zum „Parsifal" Nachfolge leistet. Die zweite hält es mit dem Denker, mit dem Philosophen; die dritte opponirt mit ihm gegen Vivisection; die vierte legt besonderen Werth auf des Meisters vegetarische Bestrebungen, und die letzte könnte als antisemitische Fraction abgezweigt werden. Noch hält ein gemeinsames Band Alle nothdürftig zusammen, aber ich fürchte, es wird dereinst Spaltungen geben. Schon heute geberdet sich die letzte Abtheilung manchmal so, als repräsentire sie ganz allein die Ideen Wagners." . . . Und in einem späteren Artikel kommt Herr Tappert als musikalischer Reisetourist noch einmal auf die Herren Wagnerianer zu sprechen, und da lautet sein Urtheil noch viel ungnädiger also: „Bor dreißig Jahren bildete ein Häuslein den „Anhang" des musikalischen Reformators, welches die Zahl der Apostel kaum überstieg, damals geschahen Wunder; jetzt schreien Hunderttausende „Hosiannah Wagner!" und was heutzutage geschieht durch diese Legionen, ist — Plunder! . . . Selbsterkenntniß ist zuweilen recht viel werth. Anzeigen. "|\|- werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächst- JL H k)vl Kaj Lc folgende Wochennommer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zn adressiren. Frau Nir. Tlierese Gronau 8 Höhere Unterrichts-Anstalt und Töchter-Pensionat. Gegründet 1864. sl3337s Aufn. v. Zögl. zu jed. Zeit, Prosp. auf Wunsch. Berlin, Hinderst»-Straße 2, amKöuiasplaß. Zu haben bei I. Goldfleiu, Hamburg, Große Bleichen 5: Dr. Leimdörffer’s Rachbibl. Geschichte, und die auf vielfaches Verlangen gedruckte Festpredigl: „Der Gottesruf am Roichha-schana." |H. 16234] Ich beehre mich anzuzeigen, dass ich heute meine anwaltscliaftliche Praxis dahier eröffnet habe. München, den 23. Oktober 1883. [M. 16252| J. Kein, K e c h t s a n w a 11. Pensionat und höhere Töchterschule von Geschw. Solrernheim, Bingen n. Rh. Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann jederzeit statlfi..den. IF. 11195]

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