Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1883)
- Date
- 1883-11-06
- Page
- Seite 731 (sequence 9)
- Language
- German
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731 und Camphausen und der Bicepräsident des Herrenhauses' Aus Mecklenburg, im October. Wie wir bereits bev. Bernuth stimmten. — Wie weit es die Antisemiten in : merkten, haben die ultramontanen Blätter anläßlich des be- Berlin treiben und welche Mittel sie anwenden, ersieht man kannten Verhaltens des Roslocker Magistrats gegen die dortige z. B. aus folgendem Artikel der „Boss. Ztg": „Wir erhielten > katholische Gemeinde behauptet, daß die Juden in Mecklenburg gestern von einer Dame und zwar, um in antisemitischem von jeher mehr Rechte und Freiheit gehabt hätten als die Katho- Jargon zu reden, von einer „deutschen" Dame folgende Zuliken. Hiergegen wird bemerkt: „In Mecklenburg standen die schrift: „Als ich heute Nachmittag die Kommandantenstraße Juden ursprünglich in einem sehr drückenden Schuyverhältniß. passirte, wurde mir beifolgendes Couvert nebst Inhalt von! Dasselbe wurde zwar am 22. Februar 1*13 durch eine Art einem Manne überreicht, der ebensolche Couverts jedem Vor- Juden-Constitution wesentlich erleichtert, allein schon 1317 übergehenden überreichte. Ich, als Christin, bin empört l tk. Oclober) wurde diese Constitution wieder aufgehoben darüber. Wie lange soll solcher Unfug noch geduldet werden." Das Couvert enthielt antisemitische Pamphlets, zum Theil so widerlicher Art, daß der gute Geschmack uns deren Widergabe verbietet." Berlin, 28. Oktober. (Privatmitth.) Roch immer lassen und das alte Judenschutzverhältniß wieder hergestellt. Tie Stände gestatteten freilich nach und nach den Zutritt zu allen Handwerken, den Erwerb städtischer und ländlicher Grundstücke, Vereinfachung des ärztlichen Sachverständigen- Eides, Zutritt zur Advokatur und den akademischen Lehrdie jüngsten Wahlen, sowie die bevorstehenden Stichwahlen!Ämtern, allein alle diese Beschlüsse gelangten gar nicht zur die Gemüther nicht zur Ruhe kommen. Im Bezirksvercin! Publikation. Rostock und Wismar versperrten sogar den der Hamburger Vorstadt hielt am 25. d. Prof. Br. Birchow Juden ihre Thore. Erst das Bundesgesetz vom 3. Juli 13t','.», eine Rede, in welcher er unter Anderem folgende charakteristische Züge mittheilte. Er sagte: Wer seien die Personen gewesen, von denen die Entscheidung abgehangen? Sein Gegencandidat sei der berühmte Herr Pickenbach, einer der hitzigsten antisemitischen Agitatoren, gewesen und er habe eine Untersuchung darüber angestellt, welche Kategorien für ihn und welche für den Gegencandidaten gestimmt haben. Da seien zunächst 237 Briefträger, Schutzleute, Gerichts- und Ministerialbeamte, königliche und prinzliche Diener :c., von denen 15 für ihn, dagegen 222 für Pickenbach stimmten. betreffend die Unabhängigkeit der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte vom religiösen Bekeuntniß, hat eine Aenderung herbeigesührt." Wir fügen hinzu, daß zu gleicher Zeit, wo die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Mecklenburg so sehr beengt waren, die dortige Regierung vielleicht mehr als irgend eine andere in die inneren, namentlich die cultuellen Angelegenheiten der Juden eingriff und ihnen je nach den in den Regierungskreisen wechselnden Ansichten einen orthodoxen oder einen rcformirenden Charakter namentlich durch die Wahl des Landrabbiners aufzwang. Unter den ferneren Kategorien waren drei Prediger, die — sämmtlich für Pickenbach stimmten, ebenso 36 Eisenbahnbeamte, es errelc)- ll^atll. während nur 5 für ihn votirten; 5 Schankwirthe stimmten j Pest, 22. Oktober. Allem Anscheine nach dürfte die für ihn, 34 für Pickenbach, dagegen wählten 334 Arbeiter > Untersuchung gegen Ludwig Verhovay wichtige Ergebnisse und Handwerker ihn, 153 Herrn Pickenbach; 220 Kaufleut^ über den Zusammenhang des Journals „Függetlenseg" mit und Handwerker gaben ihm, 78 Herrn Pickenbach ihre der Asfaire von Tisza-Eszlar zur Folge haben. Man er- Stimme; von den 42 .Stimmen der Professoren, Lehrer u. s. w. entsielen nur 11, von den 51 Künstlern, Schriftstellern, Architekten nur 13, von den 15 Stimmen der Richter, Rechtsanwälte, Referendarien nur 1 auf Herrn Pickenbach. Wenn er daher seine eigenen Wähler betrachte, müsse er doch sagen, daß er sich in sehr anständiger Gesellschaft befunden habe, auf welche außerdem kein merklicher Einstuß ausgeübt sein könne. — In einer daran sich schließenden innert sich, daß der Abgeordnete Ernst Mezey eine Interpellation an den Justizminister richtete, wie cs komme, daß dieses Blatt wichtige gerichtliche 'Aktenstücke vorzeitig veröffentliche und dadurch die Erschwerung der Untersuchung jenes sensationellen Prozesses verursache. Diesen Anlaß benutzte Verhovay, um im Abgeordnetenhause zu erklären, daß er die Aktenstücke niemals vom Untersuchungsrichter Vary empfangen habe. Die Haussuchung beim „Függetlenseg" kurzen Discussion sprach Profeffor Birchow sein lebhaftes Bej scheint der Behörde Documente geliefert zu haben, welche die dauern darüber aus, daß trotz aller Agitation 52 pCt. der! Unrichtigkeit dieser Behauptung darthun. Thatsache ist, daß Wähler sich des Wahlrechts enthalten haben, und drückte gegenj sowohl der Untersuchungsrichter Vary als auch der voni über einer anonym eingelaufenen Frage, die sich auf die An- Amte suspendirtc Gerichtskanzlist Peczely hier eingetroffen zahl der zur Wahl erschienenen Juden bezog, seine Hoffnung dahin aus, daß die Christen künftighin ihr höchstes Recht ebenso eifrig wahrnehmen würden, als die jüdischen Mitbürger. sind und daß deren Vernehmung bevorsteht. Man sieht hieraus, daß wir jüngst richtig gesagt hatten, daß auch hinsichtlich des Tisza-Eszlarer Processes „die Verhältnisse stärker sein werden als die Menschen". Denn ob- 4f>