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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-06 · Heft 45 (6.11.1883) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 45 (6.11.1883)
Date
1883-11-06
Page
Seite 730 (sequence 8)
Language
German
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730 Wir lasen jüngst Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen. Joubert und der Marquise de Beaumont. Die letzteres schreibt einmal: Ihr Lieblingsbuch, das sie immer und immer! wieder lese und aus dem sie Trost und Ueberzeugung schöpfe, sei Mendelssohn's „Phädon". Weniger Gewicht lege sie auf die „Apologie des Sokrates", denn der Fälle in der Geschichte, wo edle Menschen von Gegnern und dem kurzsichtigen Volke ihres Lebens beraubt wurden und dies mit Ergebung ertrugen, gebe es viele. Aber die Gründe, die Mendelssohn für die Unsterblichkeit der Seele ausführe, leuchten ihrem Verstände ein und stimmen mir den Gefühlen ihres Herzens zusammen. Bei diesen Aeußerungen der Marquise de Beaumont, welche durch den Terrorismus (1793) ihre theuersten Verwandten verloren hatte, muß man nicht vergessen, daß die Encyklopädisten und die Männer der Revolution allen positiven Ueberzeugungen den Krieg erklärt und diesen mit vielem Erfolge — namentlich in Frankreich — geführt hatten. Dies führt uns darauf, daran zu erinnern, daß es jetzt in Deutschland zum Modeton gehört, Mendelssohn's Leistungen und Wirksamkeit herabzusetzen, seine philosophischen Arbeiten für „flachen Deismus" zu erklären und seine Verdienste um die Ausbildung der deutschen Sprache durch seinen seinen und eleganten Stil zu ignoriren; höchstens giebt man zu, daß er auf seine Glaubensgenosien von großem Einflüße gewesen und sucht ihn hierauf zu beschränken. Und doch sprechen die Thatsachen gegen diese engherzige Verkleinerung. Auch in Deutschland stand das ganze damalige gebildete Publikum unter dem Zauber seiner ebenso verstandesklaren, wie empfindungsvollen philosophischen Auseinandersetzungen, und wurde dieser erst durch die tiefere und systematischere Philosophie Kant's abgelöst. Aber abgesehen von Deutschland zeugen die oben angeführten Worte einer feingebildeten Dame an einen ausgezeichneten französischen Denker von dem Einflüsse des jüdischen Philosophen! auch auf das Ausland. Dafür liefert uns freilich die Bibliographie hinlängliche Beweise. Seine Briefe über die Empfindungen wurden schon 1761 und noch einmal 1763 ins Französische, 1769 ins Holländische übersetzt; seine Abhandlung über die Grundsätze der schönen Künste und Wissenschaften 1779 ins Italienische übertragen; „Ueber das Erhabene und Naive" erschien 1769 und 1774 in holländischer, 1779 in italienischer Uebersetzung; die Abhandlung über die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften erfuhr 1764 eine französische Uebertragung. Was nun den „Phädon" betrisst, so wurde er 1769 ins Holländische, 1772 ins Französische und 1776 noch einmal ins Französische, 1779 ins Dänische und 1768 ins Englische übersetzt; außerdem 1773 in die italienische Sprache, 1796 ins Hebräische und außerdem noch ins Russische, Polnische, Ungarische rc., von | welchen Ueberseyungen uns die Jahresdaten im Augenblick! nicht vorliegen. Man erkennt hieraus, daß diese unsterbliche! Schrift über die Unsterblichkeit einen europäischen Charakter! und eine europäische Wirksamkeit gewonnen hatte. l'v 141 d >14 ac den wirklich conservativen Elementen, die in den beiden oberen Klassen, den begüterteren und die Steuerlast am meisten tragenden, als vorhanden angesehen wurden, eine thümlich, in welcher Weise die conservativ - antisemitischen! entscheidende Stellung in den Stadtverordneten-Bersamm- Blätter den Ausfall der Berliner Stadtverordnetenwahlcn luugen zu sichern. Da aber nun die Berliner Scheinumzudrehen und zu ihren Gunsten auszulegen sich anstrengen. conservativen von den beiden oberen Wählerklassen vollständig Sie müssen zwar zugeben, daß sie faktisch bei den Wahlen! verleugnet worden sind, nehmen sie ihre Zuflucht zur dritten jedes Erfolges verlustig gingen. Denn ihre fünf Sitze unter Wählerklasse und schieben den Bruchtheil, der sich ihnen in 126 sind völlig bedeutungslos. Sie triumphiren aber, daß dieser ergeben hat, als conservativ vor. Sie treten hiermit sie in der dritten Abtheilung unter 150,000 Wählern 25,000 ( in vollen Widerspruch mit den Tendenzen und dem Charakter für sich gehabt. Freilich berufen sie sich darauf, daß die! des bez. Gesetzes. Und warum? weil sie sich und Anderen Fortschrittspartei auch nur 46,000 und die Arbeiterpartei! verhüllen wollen, daß sie eben nur Psendoconservative sind 8000 Stimmen gefunden. Aber sie verschweigen, daß die j und durch ihre Vereinigung mit den Antisemiten den wirk- 58 Prozent der Wähler aus der dritten Abtheilung, die von^lich Conservativen in den beiden oberen Wählerklassen widerder Wahlurne ferngeblieben, jedenfalls nicht ihre Anhänger > wärtig geworden sind. Von hier aus lassen sich bedeutsame sind, vielmehr stillschweigend gegen sie protestirt haben. Aber | Einblicke in die allgemeine politische und sociale Lage macken, der Mangel an aller Logik liegt noch anderswo. Die Ein-! die wir jedoch an dieser Stelle als nicht dafür geeignet nicht theilung in drei Wählerklassen für die Stadtverordneten aller weiter verfolgen wollen. Bezeichnend ist, daß für die preußischen Communen ist jedenfalls getrosten worden, um! liberalen Candidaten auch die ehemaligen Minister Delbrück Deutschland. Berlin, 25. Oktober. (Privatmitth.) Es ist eigentjzicfih

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