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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-06 · Heft 45 (6.11.1883) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 45 (6.11.1883)
Date
1883-11-06
Page
Seite 725 (sequence 3)
Language
German
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725 letzteren selbst sich vielfach widersprachen und zwar häufig? sich sehr auffällig. Während das Feuer in Hellem Zuge war ihre Aussagen bei der ersten Vernehmung und die bei! und die Umstehenden den Hirsch Leßheim aufforderten, Lärm der Verhandlung vor dem Schwurgerichte sehr verschieden ausfielen. zu machen, sah er erst nach dem Angeklagten Hirsch Heidemann und fragte diesen: „Soll ich Feuer schreien?" Erst Die Verhandlungen fanden am 18. October und an auf dessen Antwort: „Schreien Sie schon!" begab er sich mit den folgenden Tagen statt. Angeklagt waren Rentier Hirsch 1 seinem Sohne zur Stadt, hin und wieder Feuer rufend. Heidemann, 73 Jahre alt, Vater von sechs Kindern; Handels- Leo Leßheim wurde beauftragt, zur Bürgerstraße zu gehen mann Gustav Heidemann, 35 Jahre alt, Vater von fünf und die Spritze zu holen, er lehnte dies jedoch mit dem Kindern; Kürschner Hirsch Leßheim, 40 Jahre alt, Vater Bemerken ab, dazu sei der Tempeldicner Loewenberg da. von zwei Söhnen; Lehrling Leo Leßheim. 17 Jahre alt Während alle Uebrigen bemüht waren, die ausgehobenen und Tempeldiener Löwenberg 37 Jahre alt; sämmtliche; Srenfter zu schließen, schlug Gustav Heidemann mit einem Angeklagte sind unbescholten und niemals bestraft. > Schlüssel, der Klempner Merner mit einer Axt Fenster der Die Geschwornen waren 8 Rittergutsbesitzer, 3 Rentiers > Synagoge ein, so daß im Nu die zunächst am Allerheiligsten und 1 Regierungsrath. Wessen waren nun die Auge-! concentrirte Flamme das ganze Gebäude ergriff und binnen klagten beschuldigt? Wir heben die Beantwortung dieser! Minuten zerstörte. Hirsch Heidemann hatte kurz vor dem Frage aus der Anklageschrift des Staatsanwaltes heraus, Brande das an dem mit der Synagoge zusammengrenzenden welche die Aussagen der Belastungszeugen als erwiesen vor-! Stacketenzaune aufgestapelte Holz nach einer entlegenen Stelle aussetzt. Es heißt da: Gegenüber der Synagoge, in der seines Gehöftes schaffen und aus dem Zaune selbst mehrere Friedrichstraße, lag die städtische Schule. Gegen 11 Uhr,! Bretter herausbrechen lassen; gegen sonstige Gewohnheit am Ende der um 11 schließenden Unterrichtsstunde, sahen Schüler durch das Fenster ihrer Klasse, welches einen Ueberblick über das Synagogengrundstück gewährte, wie Hirsch und Gustav Heidemann aus ihrer Hausthüre traten, durch die nicht verschlossene Pforte des Stacketenzaunes aus den mußte auch der bei ihm dienende Arbeiter Buchholz Vormittags gegen 11 Uhr Dung aufs Feld fahren. Buchholz begegnete auf seiner Fahrt dem Hirsch Leßheim, welcher eine Blechkanne trug und damit zur Synagoge ging. — Indem wir uns nun vorsetzen, den Kernpunkt der Ver- Synagogenplatz gingen, die nicht verschlossene, nur angelehnte Handlungen, die Aussagen der Zeugen näher zu beleuchten, Thüre der Synagoge öffneten und in das Innere derselbenj gehen wir zuvor auf den Schluß des Verfahrens ein. Ter eintraten. Der alte Heidemann trug ein Bund Schlüssel in j Staatsanwalt Pinoff (ein getaufter Jude) erachtete die obigen der Hand. Nach etwa 5 Minuten kamen beide wieder! Anklagepunkte als erwiesen. Der Schlußsatz seines Plaidoyers heraus, die Thüre fiel hinter ihnen von selbst ins Schloß, lautete folgendermaßen: „Noch ein Wort bezüglich des Be- und beide gingen in ihr Haus zurück. Einige Minuten weggrundes, der die Angeklagten zur Begehung der That später — es hatte inzwischen die neue Unterrichtsstunde be-! veranlaßt hat. Ich werde deshalb genöthigt sein, ein kurzes gönnen — kamen der frühere Tempeldicner Hirsch Leßheim! Streiflicht auf die politischen Vorgänge jener Zeit zu werfen, und sein Sohn Leo Leßheim im langsamen Schritte vom Ich werde dies jedoch, wie versprochen, in der kürzesten Markte die Friedrichsstraße herunter. Sie betraten den Form thun. Sie werden mir nachrühmen, daß die politische Synagogenplatz, liefen schnell, ohne sich nach der Thüre zu, Parterbewegung nur dann in den Gerichtssaal gezogen wird, begeben, um die Synagoge nach der Jasse'schen Seite herum,; wenn der dringendste Zwang dazu vorliegt. Sie Alle, meine kamen gleich wieder zurück. Leo Leßheim hielt einen hölzernen Herren, haben es erlebt, daß gerade zur Zeit des Brandes Schemel oder Stuhl in Händen, stellte diesen vor ein Fenster i die Bevölkerung Neustettins in zwei Parteien gespalten war, der Synagoge, Hirsch Leßheim stieg aus den Schemel, langte. die sich aufs Heftigste bekämpften. Bon der sogenannten mit seinen Fingern nach dem Fensterflügel, hielt ihn sodann antisemitischen Partei ist in öffentlichen Versammlungen und in beiden Händen, stieg hinab und stellte ihn an die Wand in der Presse erörtert worden, welch schädliche Wirkungen der Synagoge. Leo Leßheim sah seinem Vater zu, nahm der Einfluß der Juden auf unsere öffentlichen und geselldaun den Schemel und trug ihn in schnellem Trab hinter schaftlichen Verhältnisse übe, es ist in einer in Neustettin erdie Synagoge. Sein Vater folgte ihm. Beide kamen zurück scheinenden Zeitung ein mittelalterliches Citat erwähnt wor¬ und gingen in nicht schnellem Tempo dem Markte zu. Aus den, welches als bestes Mittel, um den Einfluß der Juden dem geöffneten Fenster drang sofort Rauch, und erfolgte zu brechen, das Niederbrennen ihrer Tempel empfiehlt. Daß sodann der thatsächliche Ausbruch des Feuers. Erst später, sich anläßlich dessen der Juden eine hochgradige Erregung als bereits mehrere Leute auf der Brandstätte versammelt bemächtigte, finde ich sehr natürlich. Ich will nun keineSwaren, welchen die Oeffnung des Fensters aufgefallen war,! Wegs behaupten, daß der Brand von der gesammten Judenerschienen die beiden Leßheim vom Markte her und benahmen > schast Neustettins geplant wurde und daß die Angeklagten 4 b*

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