Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1883)
- Date
- 1883-10-22
- Page
- Seite 703 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227491--41214-3309674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
703 zu führen. Wenn die Halbinsel, welche wir zu durchwandern gedenken, nun auch der anmuthenden Gaben der Natur entbehrt, welche einer Landschaft Reiz verleihen, und zu denen reicher Laubschmuck, Seen und fließendes Wasser in erster' Reihe gehören, so vereint sie doch in sich Alles. was wir als großartig in der Gebirgswelt bewundern: das Meer, tiefe Einsamkeit und hohe Berge. Ein fast vergessener Sohn Mendelssohns. Die bedeutungsvolle Stellung, welche Moses Mendelssohn für das Judenthum und die Juden nicht blos zu seinen Lebzeiten, in seiner unmittelbaren Wirksamkeit, sondern auch für lange Zeiten in der Geschichte derselben einnimmt, flößt auch ein lebhaftes Interesse für besten nächste Nachkommen ein, wenn diese auch die verschiedensten Wege eingeschlagen, Wege, die dem Geiste und den Tendenzen Moses Mendelssohn's sehr wenig entsprechen. Auch dieser Prozeß, den die Kinder desselben durchmachten, ist von Wichtigkeit für den unparteiischen Geschichtschreiber des Judenthums, der die zeitlichen Verirrungen ebenso registriren und zum Verständniß zu bringen hat, wie die Heilmittel, durch welche jene Verirrungen ausgeglichen wurden. Wir nehmen daher von einem Aufsatze Notiz, den der fleißige alte Geograph Herr I. Löwenberg unter obigem Titel in der Sonntagsbeilage der „Voss. Ztg." vom 7. October veröffentlicht hat. Löwenberg hat einen unermüdlichen Eifer für die Biographien Alexander v. Humboldt's und Moses Mendelssohn's ununterbrochen bethätigt. Wir heben deshalb aus seinem Aufsatz die wichtigsten Stellen hervor. Wie Wenige wisten wohl noch, daß ein Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn Techniker gewesen, daß derselbe im Anfang unseres Jahrhunderts der erste vortreffliche Mechanikus in Berlin war, der vorzügliche mathematische, physikalische, astronomische Instrumente gefertigt, die mit den besten englischen und französischen ehrenvoll concurrirten, der der Stifter der seit Jahrzehnten blühenden Polytechnischen Gesellschaft in Berlin gewesen ist! Und doch ist dem vollständig so. Moses Mendelssohn hinterließ bekanntlich sechs Kinder, drei Söhne, Joseph, Abraham, Nathan, und drei Töchter, Dorothea, Henriette und Recha. Dorothea, die älteste Tochter, ist durch ihre Ehe mit Beit und nachmals mit dem Romantiker Friedrich Schlegel bekannt geworden. Tie jüngere Schwester Henriette, welche Rahel „das Feinste und Tiefste" nennt, was sie je gekannt, blieb unverhcirathet und war lange Jahre die Erzieherin der unglücklichen Tochter des Grafen Sebastiani in Paris, die kurz nach ihrer Vermählung mit dem Herzog von Praslin lö 17 von demselben vergiftet wurde. Dorothea und Henriette haben den katholischen Glauben angenommen, erstere convertirte sogar zweimal , erst evangelisch, dann katholisch. Die dritte Tochter, Recha, war dem Glauben, in dem sie geboren, treu geblieben und an einen mecklenburgischen Hofagenten verheirathet. Bon den drei Söhnen Moses Mendelssohn's waren die beiden ältesten, Joseph und Abraham, in Hamburg Kaufleute geworden, siedelten aber während der Drangsale des Napoleonischen Krieges nach Berlin über, wo sie das noch heute blühende Bankhaus ihres Namens gründeten und auch noch anderweitig berühmt geworden sind. Weniger bekannt, wenigstens unserer Generation, oder richtiger, fast vergesten ist dagegen der dritte Sohn des Philosophen, Nathan Mendelssohn. Derselbe, geboren am s. Dezember 1782, gestorben den 9. Januar 1852, hatte sich der Mechanik gewidmet, aber seine Arbeiten, wie vortrefflich sie auch waren, interessirten doch nur einen kleinen Kreis von Fachmännern und Gelehrten, — und der Mann der Werkstatt wurde neben dem Glanze der Häuser der älteren Brüder bald unbeachtet und vergesten. Poggendorf nennt als Nathan's äußeren Lebensmomente: Mechanikus in Berlin 1808—1813, dann Landwehrofficier bis 1821, Industrieller in Schlesien bis 1828, darauf Steuereinnehmer in Glatz und Liegnitz und seit 1836 Revisor der Hauptstempel - und Formular-Magazin-Berwaltung in Berlin. Bon Instrumenten lieferte er: Eine Kreistheilmaschine 1810, die erste in Berlin, Luftpumpen mit Glasstiefeln, große Waagen, Sextanten, Bordai'sche Kreise u. s. w. Ausführlicher und öfter berichtet von ihm Alexander v. Humboldt. Gleich nach seiner Heimkehr von der amerikanischen Reise schreibt er aus Berlin am 22. April 1806 an den Jugendfreund Dr. Beer in Glogau, den er in frühester Jugend im Hofrath Herz'schen Hause kennen gelernt hatte: „Auch Nathan Mendelssohn ist hier und hat sich zu einem trefflichen Menschen gebildet." — Humboldt, der auf seiner Reise vollauf Gelegenheit hatte, den Werth astronomischer, geometrischer, physikalischer Instrumente zu prüfen und zu würdigen, war von der Vortrefflichkeit der Instrumente Mendelssohn's ganz besonders eingenommen und empfahl sie an- , gelegentlichst. „Unter den mannichfaltigen Ursachen." sagt er ausführlich, „welche im nördlichen Deutschland den Fortschritten des ausübenden Theils mathematischer Wissenschaften entgegenstehen , ist eine der größten die Schwierigkeit, sich genaue astronomische und geometrische Instrumente zu verschaffen. Ich sckmeichle mir in dieser Hinsicht, dem arbeitenden Theile des scientifischen Publikums einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn ich demselben anzeige, daß sich ein vortrefflicher Künstler, der in London und Paris unter vor-