Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1883)
- Date
- 1883-10-22
- Page
- Seite 704 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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704 züglichen Meistern gebildet, Herr Nathan Mendelssohn (Sohn des berühmten Moses Mendelssohn), in Berlin nie-! dergelaffen hat. Seine Arbeiten bedürfen meiner Empfehlung! nicht und ich begnüge mich, in dieser Anzeige nur die Gegenstände zu nennen, auf welche dieser junge Künstler bereits; in dem gegenwärtigen Zustande seiner Werkstatt Bestellungen annehmen kann." Humboldt zählt nun eine ziemliche Menge von Instrumenten auf, welche Nathan Mendelssohn zum Theil nach eigener Erfindung anfertigte. Auf Humboldt's Vermittelung erhielt Mendelssohn eine Staatsuntersiützung zur Herstellung einer Kreistheilungsmaschine, die nach Poggendorf 1810 vollendet wurde. Auch hat er einige Hefte einer mechanischen Zeitschrift herausgegeben, die aber nicht fortging. Den dürftigen Angaben Poggendorf's von den vielfachen Wandlungen in der Lebensstellung Mendelssohn's wissen wir nichts Ausführlicheres hinzuzufügen. Mendelssohn hat schließlich seine Werkstatt mit dem Bureau vertauscht, der Techniker wurde Beamter. Immer aber behielt er bis an sein Lebensende rege Vorliebe für die Förderung von Gewerbe und Industrie, Kunst und Wissenschaft, für gemeinsames Streben zur Hebung der Gewerbthätigkeit. So war er auch der erste, der zur Bildung der Polytechnischen Gesellschaft die wirksamste Anregung gegeben hat. Er erließ deshalb eine Aufforderung, die vom besten Erfolge gekrönt ward, und war er einige Jahre hindurch der erste Vorsitzende dieser höchst wirksamen und noch heute besteheuden Gesellschaft. Mendelssohn's Borträge und Mittheilungen in der Gesellschaft zeigen die Vielseitigkeit seines Wissens und seines Eifers, die Gesellschaftszwecke zu fördern. Er sprach über Photogenie (Lichtmalerei), über die neueste Erfindung Daguerre's, Stecknadel Fabrikation , Waldwolle, Galvanoplastik, Electromagnetismus, Telegraphie . . . ., und betheiligte sich lebhaft an den häusigen Discussionen. — Sein Tod, am i*. Januar 1852 , wurde um so mehr beklagt, da derselbe plötzlich am Schlagflust erfolgt war. Ter glücklichen Ehe Mendelssohns mit Henriette Jtzig, der Tocbter des reichen Bankiers Jtzig, entsprossen zwei Söhne, Arnold und Wilhelm, und eine Tochter Ottilie. Der arabische Joseph. Im „Zweiten Blatt" der „Köln. Ztg." vom 7. Oktober befindet sich ein Artikel über die türkischen Volksbücher. Er bringt als Beispiel eine Schilderung von der Behandlung der Geschichte Josephs durch die Araber, von denen die Türken sie übernommen haben. Wir geben die Stelle hier wieder. „Gehen wir nun zum Inhalt der uns beschäftigenden Werke über. Das Hauptbuch, das Volksbuch par exeelleues. den Kodscha Nasreddin, haben wir schon behandelt. Im klebrigen finden wir zunächst Legenden, die sich an die arabische Ueberlieferung, bez. an den Koran anschließen. Die berühmteste derselben, die uns als Beispiel dienen mag, ist die Geschichte vom schönen Juffuf, Excellenz, die Ruhe Gottes sei auf ihm. Juffuf ist Joseph, der Sohn Jacobs; die türkische Erzählung ist nur eine Erweiterung der gleichen Legende im Koran, ganz im Charakter des arabischen Originals gehalten. Dies gilt bekanntlich für die schönste Erzählung des Propheten Muhammed und wird auch von europäischen Orientalisten für dichterisch, lieblich u. s. w. erklärt. Ich kann mich dem Urtheil nicht anschließen. Die Geschichte scheint mir im Gegentheil schlecht erzählt, und wer gar, wie wir alle, die würdig einfache Darstellung der Bibel im Gedächtniß hat, dem muß die arabische Gestaltung der Legende geradezu caricaturenhaft Vorkommen. Wie episch großartig ist der Gang der hebräischen Geschichte! Nur die Hauptsachen werden berührt, über die Nebendinge schreitet der Bericht mit so ruhiger Würde hinweg, daß Niemand daran denkt, danach zu fragen. Wie menschlich schön ist ihr Ausdruck'. „Ihr werdet meine grauen Haare mit Kummer in die Grube bringen" — von alledem findet sich im arabischen Juffuf das gerade Gegentheil. Wir bekommen alle den Kleinkram von Jacobs Familie zu sehen: wir erfahren, daß Joseph eine Tante hat, und wie diese Tante und ihr Bruder Jacob einander überlisten, weil jedes von ihnen den Kleinen bei sich haben will: wir hören, wie Jacob und seine Söhne einander mißtrauen und mit einander streiten, und wie der alte Vater schließlich nach dreimaligem Gezänk seinen Lieblingssohn den anderen mitgibt. Wie Joseph im Brunnen sitzt, schicken die vorüberziehenden Kaufleute einen Burschen hin, um Wasser zu holen. Der läßt den Eimer hinab, Joseph hängt sich daran; dem Burschen No. I ist er zu schwer, der ruft einen zweiten; beide reißen mit Macht an dem Seile, endlich erscheint Joseph am Brunnenrande und — da der Eimer plötzlich leichter wird, fallen sie beide auf den Rücken. Und so geht es durch das ganze Buch; alle Einzelheiten werden in der Art kleinlich genau berichtet, daß der Hergang dem Leser technisch wahrscheinlich gemacht wird, und diese gemeine technische Wahrscheinlichkeit tritt an die Stelle der höheren poetischen Wahrscheinlichkeit, die sich aus dem epischen Gehalt der Dichtung ergeben sollte. So wird das Ganze philisterhaft und langweilig; dazu kommt nun, daß die lehrhafte Tendenz, die aus dem Koran an der Erzählung hängen geblieben ist, den letzten Rest des Interesses an den menschlichen Schicksalen Josephs abschneidct: Schon wie er im Brunnen sitzt, gibt ihm Allah eine Offenbarung, daß er.