Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1883)
- Date
- 1883-10-22
- Page
- Seite 698 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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698 bestimmt ist, daß von den Geistlichen die kirchliche Trauung bei Ehen zwischen Christen und Nichtchristen zu versagen ist und bei gemischten Ehen, vor deren Eingehung der evangelische Mann die Erziehung sämmtlicher Kinder in einer nichtevangelischen Religionsgemeinschaft vertragsmäßig zugesagt hat, welche Bestimmung dann auch in Gemäßheit desi Ausschußantrages genehmigt wurde. Köln, 9. October. (Privatmittheilung.) Heute wurde ein von den Eheleuten Abraham v. Oppenheim gestiftetes großartiges Kinderhospital feierlich eingeweiht und der Stadt ■ als Geschenk übergeben. Wenn auch die Abkömmlinge der Brüder des Abraham v. Oppenheim längst dem Judenthum entsagt haben, so ist doch dieser Abraham v. Oppenheim in. der Religion seiner Väter gestorben, und wir find deshalb berechtigt, diese vorzüglich auszestattete Wohlthätigkeitsanstalt als von Juden gegründet anzusehen. Münster (Westfalen). 12. October. (Privotmittheilung.) Hier kommt demnächst ein Prozeß zur Verhandlung, der ein allgemeines Interesse haben könnte, Nach der Herausgabe des berüchtigten „Judenspiegels", der fuderweise unter das Volk gebracht wurde, hat der „Westfälische Merkur" diese Schandschrift empfohlen und Sätze aus derselben abgedruckt. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb Klage erhoben. Der „Merkur" hat die Sache sehr ausgebauscht und verspricht sich vom Ausgange derselben einen Hauptschlag gegen das Judenthum. Nach ihm sollen Blätter, die den höheren Kreisen nahe stehen, um sofortige Uebermittelung der stenographischen! Berichte gebeten haben. Selbstverständlich werden auch Sie! einen genauen Bericht erhalten. j Oesterreich-Ungarn. j Pest, 7. October. Die „Köln. Ztg." läßt sich von hier j schreiben: ,.Jm ungarischen Abgeordnetenhause constituirte; sich ein „reichstägiger antisemitischer Parteiclub". Mit der Leitung der Angelegenheiten der Partei und des Clubs wurde! vorläustg ein aus den Abgeordneten Jstoczy, Onody, Simonyi, Szell bestehendes Comit6 betraut. Auch Nicht Abgeordnete können als außerordentliche Mitglieder in den Club eintreten. Die Antisemitenpartei und der Club sind auf dem Coalitionswege zu Stande gekommen; außerhalb der Judenfrage wird den Mitgliedern des Clubs in allen politischen Fragen, namentlich in staatsrechtlichen Fragen, freie Hand gelassen. Vor zwei Jahren wäre die Bildung einer antisemitischen Partei an dem Gelächter des Hauses gescheitert. Heute lacht Niemand mehr." -— Man sieht aus obiger Anführung, daß es inimer nur noch dieselben Persönlichkeiten sind, welche den Club bilden und früher — außer Jstoczy, der der Regierungspartei angehört hatte — im Club der äußersten Linken saßen. Ob der Kunstgriff, daß jedes Mitglied in allen politischen Fragen seinen eigenen Weg gehen könne, d. h. daß der Antisemiten-Club sich aus allen möglichen Parteien zusammensetzen solle, Erfolg haben wird, wollen wir abwarten. Pest, 7. October. (Privatmittheilung.) Bis vor wenigen Jahren war Victor Jstoczy der einzige ungarische Reichstagsabgeordnete, der seine fulminanten Judenhetzreden hielt, zur Freude des ganzen Hauses. Im vorigen Jahre rief dieser Mensch, der die Judenhetze sich zur Lebensaufgabe gestellt, am Schlüsse einer Rede triumphircnd aus: Wir sind schon unserer neun! Er hatte allen Grund zu triumphiren: heute existirt ein ..reichstägiger antisemitischer Partei-Club"; Dessen kann sich auch nur Ungarn rühmen. Dieser „reichstägige antisemitische Partei-Club" hat sich gestern in einem Saale des Abgeordnetenhauses (!) constituirt. Mit der Leitung der Angelegenheiten der Partei und des Clubs wurde vorläustg ein aus den Abgeordneten Victor Jstoczy, Geza Onody, Ivan Simonyi und Georg Szell bestehendes Comitö betraut. Tie Hausordnung des Clubs ist auf Grund! der Hausordnungen der übrigen reichstägigen Parteiclubs J festgestellt worden. Ein Punkt dieser Hausordnung besagt, l daß auch Nicht-Abgeordnete in den Club als außerordentliche I Mitglieder eintreten können. Die Antisemiten - Partei und j der Club sind, auf dem Koalitionswege zu Stande gekommen; j außerhalb der Judenfrage wird den Mitgliedern des Clubs! in allen politischen Fragen, namentlich in staatsrechtlichen; Fragen, freie Hand gelassen. (Nach unseren Nachrichten besteht der ganze Club nur aus den genannten Bieren!) Pest, 9. October. (Privatmittheilung.) Mehr als zwei Monate sind bereits verstrichen, seitdem das Urtheil in dem Tißa-Eßlarcr Prozeß gefällt worden; der Vertreter der Prioatklägerin hat seine Appellation längst eingereicht und doch wurden die Acten seitens des Nyiregyhazaer k. Gerichtshofes noch immer nicht zur k. Tafel gesandt, ja der dortige Gerichtshof selbst hat, wie „Nemzet" erführt, über die Frage der Annahme oder Nichtannahme der Appellation der Privatklägerin noch nicht einmal entschieden. Gegen Vary und alle Diejenigen, welche sich in der Tißa-Eßlarer Affaire arge Gesetzesverletzungen haben zu Schulden kommen lassen, ist! die strafgerichtliehe Untersuchung bis heute nicht eingeleitet. Tie unschuldigen Opfer von Tißa-Eßlar bestnden sich 1 der großen Mehrzahl nach noch immer in einer beklagenswerthen Lage. Gebrochen und elend, haben sie mit Noth und Armuth zu kämpfen. In Tißa-Eßlar ist ihres Bleibens nicht. Einige von ihnen haben den Entschluß gefaßt, nach 'Amerika auszuwandern, doch dazu fehlen ihnen die Mittel. .In Pest geschieht nichts für sie. Bei der Anwesenheit des Königs in Szegedin, welche für die nächste Woche bestimmt ist, wird ihm auch eine aus , 19 Mitgliedern bestehende Deputation der jüdischen Gemein- > den der Theißgegend ihre Aufwartung machen. Man giebt