Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1883)
- Date
- 1883-10-22
- Page
- Seite 699 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227491--41210-3309670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
699 sich der Hoffnung hin, daß Se. Majestät sich bei dieser Ge- Die Festreden hielten Bezirks »Rabbiner Elser und I)r. A. legenheit über die antisemitische Bewegung in entschiedener Kohut aus Großwardein. Weise aussprechen werde. Szigetvar, 7. Octobcr. Man schreibt von hier: Charak- Der Gesetzentwurf über die Eheschließung zwischen teristisch für die hiesigen Berhältnisse ist, daß die Mehrzahl Christen und Juden wird im Abgeordnetenhause am 19. der hiesigen Insassen die nach Kaposvar abgeführten Haft- November zur Verhandlung kommen.; linge als Märtyrer betrachtet, die für einen harmlosen Spaß —. Vor einigen Tagen starb in Pest der reform. Bischof ungerechte Leiden erdulden müssen. So sehr ist durch die Paul Török. Derselbe, gegen alle Bekenntnisse sehr tolerant, Agitationen im Volke jeder Sinn für Ordnung und Recht ergriff auch zum Schutze seiner israelitischen Mitbürger zwei-j erstickt worden. Die intellektuellen Urheber der Krawalle mal die Waffen. Als nämlich im Jahre 1832 in Preßburg j haben rechtzeitig ihre Haut in Sicherheit gebracht. Man ernste Ausschreitungen gegen die Juden befürchtet werden l kennt hier genau jene sogenannten intelligenten Herren, denen mußten, organisirte Török, welcher der Reichstagsverhanddie ganze Last der Verantwortung zufällt; doch konnte es lung in Preßburg beiwohnte, eine Bürgcrgarde, welche die! selbst dem gewissenhaften Bemühen eines solch' ausgezeich- Ruhe und Sicherheit durch nächtliche Patrouille aufrecht erneten Untersuchungsrichters, wie dies Gruber unstreitig ist. Hielt. Als im Jahre 1848 der Pöbelhanfe in Pest die! nicht gelingen, an jene Herren heranzukommen. Traurig Königsgaffe stürmen wollte um die Juden zu plündern, war l ist's, daß dergleichen Hetzer ihr Handwerk auch heute noch Török einer der ersten Nationalgardisten, welche mit aufge-^ortsetzen. Deshalb können die Gemüther nicht zur Ruhe pflanztem Bajonnet am Eingang der Königsgasse der an-! kommen. Die landläufigen Spottlieder werden ohne Scheu stürmenden Menge entgegentrat und ihr erklärten, der Weg | bei Tag und Nacht in Wirthshäusern und auf offener Straße zur Plünderung der Juden führe nur über ihre Leichen. > gejohlt; Drohungen gegen Juden und Herren sind an der Bezeichnend für seine Duldsamkeit und edle Gesinnung ist > Tagesordnung; antisemitische Flugschriften werden noch immer auch seine Aeußerung hinsichtlich des Religionsunterrichtes. Als zu Anfang der sechsziger Jahre die Wogen der plötzlichen Magyarisung auch die Reformirten in Pest ergriffen hatte und einzelne Heißsporne verlangten, daß den jüdischen Schülern, welche das reformirte Gymnasium besuchen, der Religionsunterricht ausschließlich in ungarischer Sprache ertheilt werde, äußerte sich Török, selbst ein guter Patriot, über dieses inhumane Vorgehen mißbilligend mit den Worten: „Für den Religionsunterricht kenne ich nur eine Sprache, das ist die Sprache des Herzens". Pest, 12. October. Die Antwort auf die antisemitischen unter das Volk vertheilt. Die Ruhe stützt sich auf das anwesende Militär und würde das Militär abziehen, dann brächte schon der nächste Sonntag die Wiederholung der Krawalle. Denn Szigetvar ist unstreitig der fruchtbarste Boden für antisemitische Wühlereien. Zwei edelherzige Damen, und zwar die Frau unseres Bezirksrichters und eine jüdische Kaufmannsgattin, veranstalteten eine Geldsammlung zu Gunsten der Frauen und Kinder der Eingekerkerten, bei welchem Anlasse unsere jüdischen Mitbürger den Spruch des Evangeliums: „Wer Dich mit Steinen bewirft, den bewirf mit Brod" — in schönster Weise Agitationen hat der Minister-Präsident gestern ertheilt, ohne > bethätigten. Denn gerade die am meisten Beschädigten spendie Interpellationen des Herrn Onody und deffen Gesinnungs-! deten die größten Summen. Auf diese Weise brachte man genoffen abzuwarten, indem er die liberale Partei bestimmte,! circa 150 Gulden auf, wovon die Hälfte auf Beiträge der den Gesetzentwurf über die Ehen zwischen Christen und, Juden entfällt. Man sollte nun billig glauben, daß ein Juden unmittelbar nach der Delegationssession auf die Tages- > solcher Beweis von Edelsinn der ungetheilten Anerkennung ordnung zu setzen. Allerdings wird Tisza selbst die Vertretung aller Menschenfreunde sich erfreuen müsse. Doch nicht so dieser Vorlage führen müffen; Herrn Pauler's Sympathien gehören ja dem neugegründeten antisemitischen Club. (Das wird heftige Debatten geben: die Frage ist für viele Abgeordnete eine heikle!) B.-Gyula (Ungarn), 10. October. Die hiesige israel. Gemeinde weihete am 25. vor. M. ihren neuen Tempel ein; den Baugrund dazu hatte die gräfliche Familie Wenckheim geschenkt. Der Feier wohnten der Abt und Reichstagsabgeordnete Göndöcs, der protestantische Geistliche Michael Pap und eine Deputatton des Prot. Presbyteriums, der griechischorientalische Parochus, der Obergespan, viele Mitglieder des Gerichtshofes, des Officiercorps und der Finanzbehörden bei. denkt einer unserer Stadttepräsentanten. „Die Juden", so äußerte er, „können leicht spenden; haben sie doch auf zwei Wochenmärkten den Einkauf von Getteide gänzlich eingestellt, damit sie alsdann das Volk leichter mit niedrigen Preisen betrügen können!" So denkt ein weiser Stadttepräsentant zu Szigetvar. Ueber den Verlauf der Untersuchung läßt sich vorläufig nur wenig berichten. Staatsanwalt Ludwig Psik, der binnen drei Tagen sämmtliche 200 Untersuchungs-Protocolle durchstudirte, hat bereits den Antrag gestellt, gegen die Tumultuanten die Anklage wegen Aufruhrs nach § 153 des St.- G.-B. zu erheben, so daß selbe von dem Budapester königl. 43