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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-22 · Heft 43 (22.10.1883) · p. Seite 694

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 43 (22.10.1883)
Date
1883-10-22
Page
Seite 694 (sequence 4)
Language
German
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694 Stelle alles Dessen — die Broschüre dieses Anonymus! Der Einwand, den er gegen den Lehrsatz, daß das Judenthum das Bekenntniß und die Verbreitung der Gotteslehre zur Aufgabe hat, erhebt, ist allerdings sehr oberflächlich. Er meint, diese Aufgabe sei ja nicht gelöst und der Monotheismus noch lange nicht allgemein verbreitet. Der Mann scheint die Geschichte doch nicht genug studirt und sür die Entwickelung der Menschheit und die Bedeutung der Erscheinungen in ihr wenig Berständniß zu haben. Wir meinen, der Thatsachen giebt es eine Fülle, daß diese Aufgabe schon in einem wackern Theile gelöst ist und mit der Forentwickelung der Menschheit sich immer mehr löst und lösen wird. Wir Hallen es mit den Propheten, auch mit denen, die nicht wenn auch gebrandmarkt, zu verewigen, wurde das Verbot, seinen Namen zu nennen, ausgesprochen. Aber gerade dies erweckte die Neugier der Menschen, wer der Miffethäter gewesen, und dadurch hat er sich auf die spätesten Geschlechter vererbt. Wer würde den unbedeutenden Sophisten und Grammatiker Apion, Acgypter von Geburt, der gleißnerisch in die Hülle eines Homererklärers geschlüpft war, heute noch kennen, heute, wo auch von seinen lügnerischen, mit giftigen Fabeln angefüllten Pamphleten gegen die Juden keine Spur mehr übrig, wenn nicht Josephus durch seine bekannte Gegenschrift seinen Namen verewigt hätte, so daß er gerade durch das. was ihn vernichten sollte, dem Gedächtniß erhalten wurde. Wenn Hgman das Vorbild der gewaltthätigen. so gerade eine „Schmelzsprache" reden, mit dem ältesten Pro-^ Apion das der literarischen Antisemiten, die durch Reden in phetenspruche in Jesajas und Micha und mit dem jüngeren^Volksversammlungen und durch Schmähschriften, die sie in „In jener Zeit wird, wie der Ewige einzig ist. Sein Name, | Masse ansstreuen und verbreiten, den Pöbel gegen die Juden d. i. seine Erkenntniß und Anbetung einzig sein" auf der ganzen aufhetzcn. Wir haben vor einiger Zeit als wir das Urtheil Erde. Wenn der Verf. wirklich meint, daß vielmehr die Philo's über die Mischehen mittheilten, darauf aufmerksam Mission Israels in der Beobachtung der Keuschheitsgesetze liege, dann spricht doch sein Einwand noch viel mehr gegen ihn und hat er dies in seinem zweiten Briefe stark dokumentirt. Anders freilich verhält es sich mit der von ihm auch angeführten Mission in Handel und Finanz, und deshalb seine Bewunderung für das Haus Rothschild. — Doch wir wollen hiermit schließen, denn sonst wären wir noch lange nicht fertig. Wenn er z. B. die Aufrechterhaltung und Ausübung des traditionellen Gesetzes nur deshalb empfiehlt, weil sich sonst die Juden spalten könnten, so wird man zugeben, daß dieses Argument nur sehr schwächlich ist und dem traditionellen Gesetze und dessen Verfechtern wenig Zusagen wird. So schimmernd in dieser Schrift Manches ist, so können wir sie doch nur sür ein vielfach verfehltes Produkt ansehen. — Wenn uns der Vers, der oben besprochenen Schrift bis jetzt unbekannt geblieben, so ist dies nicht der Fall mit einer anderen soeben erschienenen anonymen Schrift: Apion. Ein Culturbild aus dem ersten christlichen Jahrhundert. (Wien, Hölder, 1883.) Er hat sich uns genannt, ohne daß wir hiermit die Berechtigung hätten, ihn unsrerseits namhaft zu gemacht, welche Aehnlichkeit die Verhältnisse der Juden in Alexandrien zur Zeit der Ptolomäer und der römischen Herrschaft mit denen der heutigen Juden in den Culturländern gehabt (s. S. 300 des l. I.). Die dortigen Juden besaßen die ihnen verbriefte Gleichberechtigung mit den Griechen und Aegyptern: sie bildeten einen beträchtlichen Theil des ägyptischen Heeres und hatten selbst namhafte Feldherren hervorgcbracht. Sie waren Hofbeamte, öffentliche Kornverwalter und Nilwächter, kleinere und größere Kaufleute und Schiffs- Herren, zahlreiche Handwerker und Künstler, die zu eigenen Innungen verbunden waren. Sie zeichneten sich in der Philosophie, Poesie und Exegese aus, und selbst in religiöser Hinsicht standen sie den heutigen Juden näher als den damaligen Palästinensern. Dennoch entgingen sie Verfolgungen schwerster Act nicht, und wiederholt erhob sich der alexandrinische Pöbel zu Plünderung, Brandstiftung und Mord gegen sie. Diese geschichtlichen Verhältnisse und Begebenheiten benutzte der Verfasser der vorliegenden Schrift, um in einer, das historische Material benutzenden und ergänzenden Erzählung ein Spiegelbild des heutigen Antisemitismus und machen. Es ist ein Gelehrter, der bereits in früheren Schriften! der durch ihn hervorgerufenen schmachvollen Vorgänge aus seine Bekanntschaft mit der jüdisch-griechischen Literatur, naj Alexandrien, aus dem Jahre 37 der gew. Zeitr. zu zeichnen, mentlich dem Philo, und mit den älteren Kirchenvätern bethätigt > Es war dies eine glückliche Idee, und der Verfasser hat es hat. In diese Periode hat er uns mit der eben angeführten verstanden, sie in anziehender und belehrender Weise auszu- Schrift versetzt. In der Geschichte hat sich eine eigenthümführen. Es stehen sich in seinem Gemälde zwei Hauptfiguren liche Erscheinung mehrmals wiederholt. Im 5 Mos. 25. 19. i gegenüber: Apion und Philo, und unser Autor hatte an wird den Israeliten befohlen, ..auszulöschen das Angedenken! ihnen nur auszumalen, was die Geschichte selbst in allge- Amalek's unter dem Himmel hinweg" — und gerade diese; meinen Zügen von ihnen überliefert hat. Apion, der in Verse der Schrift haben vorzugsweise beigetragen, das Ange-! früheren Jahren schon insgeheim Verbrechen begangen, war denken Amalek's, über dessen Reste sich längst der Wüstensand ein ehrgeiziger, prahlerischer und gewissenloser Schwätzer, der gebreitet, für alle Zeiten zu erhalten. Als Herostrat den es jedoch wohl verstand, durch Schlagwörter und die nied- Tempel der Diana zu Ephesus anzündete, um seinen Namen, rigsten Leidenschaften weckende Reden den Pöbel, sowie

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