Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1883)
- Date
- 1883-10-22
- Page
- Seite 693 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227491--41204-3309664- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
693 und Treue für ihr religiöses Bekenntniß? Vor diesem Geiste! schriften der Sittlichkeit wendet sich der Abschnitt wieder zu den weichen das Keuschheitselement und die feindselige Gesinnung! Keuschheitsvorschristcn und dem Ehegesetze. Als die Wiederder Völker zu immerhin wichtigen, aber doch nur sekundären lebenerhaltenden Motiven zurück! Wir rneinen, daß man die Geschichte des Judenthums gar nicht zu verstehen und den Fortbestand desselben gar nicht zu erklären vermag, wenn man das religiöse Wesen der Juden außer Betracht läßt und nicht gerade dieses als den Lebensmittelpunkt seines Daseins ansieht. — Aber der Vers, geht noch weiter. Er meint, die holung des Gesetzes im 5. Buche Moses beginnt, da wird als Fundamentallehre, als Losungswort Israels sür alle Zeiten (6, 4.): „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig", ausgestellt und hieran geschlossen: „Tu sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen", und diese beiden Fundamentalsätze als die Grundlage aller Religion Ethik, und darunter versteht er wieder vorzugsweise die sitt- und Ethik gehen durch den ganzen Inhalt des Teuteronoliche Keuschheit, nehme die Religion ins Schlepptau, während man immer das Gegentheil behauptet. Nach unsrer Meinung ist der Monotheismus und die Ethik völlig identisch und im Judenthume kann eine Trennung von Religion und Ethik und gar ein Rangstreit der beiden gar nicht möglich sein. Der Monotheismus ist durchaus nicht bloß das Bekenntniß miums ebenso in logischer Consequenz, wie in der Belebung des Gemüthes.-Aber diese Auffassung des Monotheismus scheint dem Vers, völlig fremd; er ist ihm vielmehr nur ein einfacher inhaltsloser Begriff, und er versteigt sich zu der wiederholten Behauptung: der Monotheismus sei nur etwas Negatives. Man muß sich wundern, daß ein Mann, der nicht eines einzigen Gottes, sondern zugleich, daß dieser Gott die undeutlich den Rationalismus verspottet, sich eines so kahlen sittliche Vollkommenheit, die Allheiligkeit ist , die wahrhafte > und oberflächlichen Rationalismus schuldig macht. Der Mo- Quelle alles Sittlichen, und daraus quillt unmittelbar die | notheismus soll nichts weiter als die Verneinung der Vielsittliche Bestimmung des Menschen, die Verantwortlichkeit j götterei sein! Und doch heißt Gott schon bei Abraham desselben und das göttliche Gericht. Eines ist vom Anderen! d. h. der Allmächtige, die Summe und Einheit aller vvrgar nicht zu trennen. Wäre die Correspondentin des Vers. handenen Kräfte. Und doch rühmt der Vers, selbst aus wirklich eine „bibelfeste englische Dame", so würde sie ihm i Widersprüche kommt es ihm nicht sehr an— den erhabenen entgegnet haben: wie? ist die h. Schrift nicht von dieser An- Lehrsatz -c-n "tn, der mit dem Gottesnamen ausficht erfüllt? fangen, um nur Einiges anzuführen, die zehn! gedrückt wird. Was anders aber enthält dieser Lehrsatz, als Worte nicht mit dem Spruch: „Ich bin der Ewige, dein j daß Gott die Einheit alles Seins, das absolute Sein ist, das Gott" an, das zweite enthält das Verbot der Vielgötterei und! in allem besonderen Sein vorhanden ist. Ter Einig-Einzige des Götzendienstes in sehr ausführlicher Weise, das dritte! nach dem Begriffe des Judenthums ist nicht bloß einzig, sonverbietet den Mißbrauch des göttlichen Namens, das vierte i dern einheitlich, die Gesammtheit alles Daseins umfaffend, verordnet den Sabbath „den Ewigen zu heiligen"; erst im i die Vollkommenheit und unendliche Harmonie. Das ist doch vierten kommen sie zur Ethik, und da gehen auch die Ehr-j wohl positiv, und die Verneinung der Vielgötterei nur die furcht vor den Eltern und die Heilighaltung des menschlichen! Consequenz. Wenn wir von der Einheit des Universums Lebens dem Gebote der Keuschheit voran. Eine Umschrei-! sprechen, so sagen wir doch damit nur nebensächlich, daß es bung und weitere Specialisirung der zehn Worte finden wir! nicht mehrere Universa gebe, sondern vielmehr, daß dieses in dem merkwürdigen Abschnitt 3. Mos. 19 und 20, und der I Universum in seiner Einheitlichkeit, in seiner gesetzlichen Ordfängt an: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, euer > nungs- und Zweckmäßigkeit, in seinem Jneinandergreifen und Gott —" und dieser Ausspruch kehrt in dem Abschnitte immer Einordnen aller besonderen Existenzen ein großes Ganzes wieder und schließt denselben: „Daß ihr mir heilig seid, denn j bildet. Wenn wir von der Einheit des Menschengcschlechtes heilig bin ich der Ewige." Und worin besteht nun diese Heilii ipTcdjen, so wollen wir damit nicht etwa ansdrücken, daß es gung? Zuerst, wie uns der n. Abschn. lehrt, in der Ehrfurcht vor! nicht mehrere Menschengeschlechter gebe, sondern positiv, daß den Eltern, in der Beobachtung der Ruhetage, in der Ab-! die Natur, das Wesen, die Beschaffenheit, die geistigen und Wendung von allem Götzendienste; dann in der Bestimmung j leiblichen Kräfte im ganzen Menschengeschlechte dieselben dessen, was vom Ertrage des Landes dem Armen und dem J seien.-Es wird uns nun nicht wundern, daß der Vers. Fremdling zu überlaffen sei. Ferner in dem Verbot des i in einer „Mission des jüdischen Stammes oder des Juden- Diebstahls, der Lüge und des Truges und des Meineides, ^hums" nur „eine abgenutzte Phrase" sieht. Dem Berf. geht in der unbedingt gerechten Rechtspflege, und endlich gipfelt j dafür der Sinn ab, und was viele Andere sagen, dem muß diese Heiligung in dem Gebote der Nächstenliebe, in der! er widersprechen! Schweigt also, ihr zahllosen jüdischen Untersagung des Haffes und der Rache. Dann erst folgen j Kanzelredner, macht einen Strich durch alle eure Religions- Borschriften der Keuschheit, Verbot des Bluteffens, der Zaui bücher, beseitigt die meisten der vorhandenen alten Gebete bereien und Beschwörungen, und nach vielen anderen Vor l und ebenso ihrer modernen Ausprägung . und setzt an die