Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1883)
- Date
- 1883-10-22
- Page
- Seite 692 (sequence 2)
- Language
- German
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692 fern in der statistisch angegebenen Zahl der Freudenhäuser,! die Erdkruste für uns fruchtbar machen, indem sie den Boden Findelhäuser, unehelichen Geburten und der Verbreitung einer j dnrchwühlen und mit ihrem Schleim und ihren verwesenden gewissen vergiftenden Krankheit. Das heißt doch nichts Anderes,! Körpern durchsetzen, und positiv in der Keuschheit des Volkes, als ein großes, wohlangebautes Wirthschaftsgut vom Dünger-> in der Enthaltsamkeit von geschlechtlichen Ausschreitungen Haufen herab beurtheilen, und von diesem Standpunkte aus das Ganze für eine morastige Pfütze erklären. Auch wir sind keine unbedingten Vergötterer der Cultur; wir kennen recht wohl, was ihr von der alten Barbarei noch anhängt und was sie in der Entwickelung des Menschengeschlechtes noch zu überwinden und was sie noch zu erreichen habe. Aber und Verbrechen. Dahin habe vorzugsweise das Gesetz gearbeitet, schon in den Zehnworten das Verbot der Unkeuschheit ausgesprochen, die Israeliten wiederholt verwarnt, sich den Ausschweifungen der Völker hinzugeben, durch welche sie untergingen, was denn auch bei allen Culturvölkern sich verwirklicht habe. Geistreich ist auch die Auseinandersetzung, diese Anschauungsweise des Verfassers geht über jedes Berdaß gerade die geringfügige politische Rolle, welche Israel ständniß der Geschichte, über jeden wirklich culturhistorischen gespielt, zu seinem Fortbestände gereicht habe; denn wenn es, Blick hinaus. Der Vers, widerspricht sich auch selbst, denn wozu, wie der Vers, aufführt, mehrfache Gelegenheit gewesen da er dieses geschlechtliche Verderbniß allen Völkern, den war, sich zu einer der herrschenden Nationen emporgeschwunalten wie den modernen, zuschreibt, so mußte er sich doch; gen hätte, würde es wie alle diese untergegangen sein. Daß sagen, daß dieses kein Produkt der Cultur, sondern lies in der' es den Juden auch an geistiger Begabung nicht gefehlt, findet Menschennatur liege, und erst von der Cultur mühsam über-! der Vers, besonders in ihrem Antheil an der Entwickelung wunden werden müsse. Die „bibelfeste" englische Dame des Finanzwesens und an der Journalistik. Wir wollen nun konnte ihn daraus Hinweisen, daß, abgesehen davon, daß schon! hier gegen diese Auffaffung des Verfaffers keine weiteren Ein- 1. Mos. 6 und 9, 21 aus derartige grobe fleischliche Ver-! Wendungen erheben, obwohl man z. B. bemerken könnte, daß irrungen hingedeutet ist, im Gesetze selbst 3 Mos. 18, 23 j die bei dem östlichen Theile der jüdischen Masse gebräuch- und 20, 15. 16 geschlechtliche Verbrechen verboten werden, liche Verehelichung der Mädchen von zwölf Jahren mit Knawelche die Cultur völlig ausgerottet hat, also Vergehungen, , ben von vierzehn und die dann zahllos eintretende Auflösung die in der Vorkulturzeit, wie uns auch die griechische My-; der Ehe in den zwanziger Lebensjahren just nicht zum Fortthologie erweist, nicht selten und nicht allzu sehr verabscheut bestand des Stammes beitragen möchte. Aber Eines muß gewesen sein müffen. Doch wenden wir unsren Blick hiervon; doch im höchsten Grade auffallen. Hat denn das religiöse ab. Bestehen für den Vers, die hohen Errungnisse der Cultur! Bewußtsein, die religiöse Idee, das religiöse Wesen im jüdiau Gesittung, Bildung, Rechtsbewußtsein und Rechtspflege, scheu Volke, in welchem jene doch ins Blut übergegangen au den Werken der Humanität und Menschenliebe, an gei-! und den ganzen Herzschlag desselben ausmachten, zum Fortstiger Entwickelung, an Unterricht, Wissenschaft, Poesie, Kunst,! bestand desselben gar keine Rolle gespielt? Waren jene nicht an Industrie, an Verbindung und Solidarität der Völker,; das eigentliche Lebenselement dieses Stammes? Waren es an Entwickelung der politischen und socialen Verhältniffe, wirklich nur die Keuschheit des Volkes und die Feindschaft bestehen diese alle für den Vers, gar nicht, daß er allein für der Nationen, welche die Exulanten in Babel inmitten der jene Schattenseite der menschlichen Zustände, die noch baju; erhielten, nach Jerusalem zurückführten, in der Cultur allein gar nicht zugeschrieben werden darf, ein j die syrischen Kämpfe stürzten und den Römern einen un- Auge hat? . . . Doch wenden wir uns dem eigentlichen; erhörten Widerstand leisteten? War nicht vielmehr das Gedankengang des Verfassers zu. Er geht von der Ansicht! eigentliche Motiv zu diesen und anderen passiven und aktiven aus. daß Religion nur auf Grund von Wundern bestehen; Heldenthaten das Bekenntniß des Einig-Einzigen, der Widerkönne, daß aber dos einzige thatsächliche Wunder in der Ge-! spruch gegen Vielgötterei und Götzendienst und das Bewußischichte dieFortexistenz des jüd. Stammes durch die Jahrtausende sein dieses Nationaleigenthums und Berufes? eines Berufes, sei. Wir gestehen gern, daß dieses Kapitel ein sehr glän-; den nicht erst der zweite Jesaias predigte, sondern den zendes, ebenso wie das folgende ist, wo er die von Anfang Abraham schon an den Altären, die er erbaute, bethätigte, an bis zum heutigen Tage geübte Feindseligkeit aller Nationen und Jakob unter der Eiche bei Sichem (I. Mos. 35, 2 ff.), gegen die Juden schildert. Er will nämlich die Ursachen be»! Mit welchem Ruse bestiegen die Juden des Mittelalters die zeichnen, durch welche jener dauernde Fortbestand des judi-: Scheiterhaufen oder sielen unter den Schwerten und Brandschen Volkes bewirkt worden, wobei er freilich den Widerfackeln ihrer Haffer? Nicht mit dem „Höre Israel, der Ewige spruch. etwas für ein Wunder zu erklären, und doch die unser Gott ist einzig"? Was vermochte sie, überall vor Ursachen anzugeben, nur mit einem hinkenden Gleichniß be-; Allem Gottes- und Lehrhäuser zu bauen, aber sich auch den seitigt. Diese Ursachen findet er negativ in dieser Feindschaft, drückenden Vorschriften des traditionellen Gesetzes zu unterwelche wie die Erdwürmer nach der Darwinschen Theorie, ziehen, wenn nicht ihr religiöses Wesen, ihre Anhänglichkeit