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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-22 · Heft 43 (22.10.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 43 (22.10.1883)
Date
1883-10-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine des Zudenlhums Ei« miMttriifchcs Organ siir alles jüdische Jntercflc. ♦ Diese Leitung erschein: wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dt. Ludwig PhMppson in Bonn. KXpeöiLiorr: Leipzig, Woßpcah 18 j In redaktionellen Angelegenheiten > wende man sich an Dr. 2. Philippson in I Bonn direct, in allen übrigen an die I I Berlaa-Zhendlung. Beilagen (Gebühr I l2 M.) sind gleichfalls an letztere ein- | zusenden. j 47. Jahrgang. Leipzig, den 22. October 1863. JVö. 43. Inhalt. Leitende Artikel: Neueste Broschüren. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Darmstadt, ttöln, Münster. — Oesterreich-Ungarn: Pest, B.-Gyula, Szigetvar. — Frankreich: Paris. — Bonn: Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine Wüstenwanderuag auf dem Weg von Suez zum Sinai. — Ein fast vergessener Sohn Mendelssohn's. — Der arabische Joseph. Bonn, 18. October. llcucfte Sroschüren. Das Judenthnm in unsren Tagen hat ein eigenthümliches Geschick. Abgesehen von der thatsächlichen Behandlung, welcher die Juden in manchen Gegenden Europas ausgesetzt sind, und wobei es schließlich an Schmähungen und Verleumdungen des Judenthums selbst nicht fehlt, erscheinen über, gegen und für dasselbe so viele Schriften heterogenster Art, aus seinem eignen Schoße so viele sonderbare und einander widersprechende Broschüren, die es sich gefallen lassen muß, weil deren Veröffentlichung nicht von seinem Willen abhüngt, daß wer dieselben nur in ihrer Mehrheit liest, um sich zu belehren, gewiß nur verwirrter, mit noch verworrenern Vorstellungen von ihm aus derLecture hervorgeht. Mit einer solchen Broschüre haben wir uns auch heute zu beschäftigen, und zwar gerade darum, weil sie einige sehr glänzende Seiten enthält, neben diesen aber höchst barokke Auslassungen, Einseitigkeiten und Uebertreibungen, die wir uns denn doch nicht! gefallen lassen können. Wirmeinen die Schrift: Briefwechsels mit einer englischen Dame über Judenthum und Semitismus, i (Stuttgart, Levy L Müller, 1883.) Dieselbe wurde in die Oeffentlichkeit poussirt, indem durch zahlreiche Anzeigen bekannt gegeben wurde, daß „ der Reinertrag zur Hälfte für die Opfer von Tißa-Eßlar bestimmt" sei. Wir erkennen in dem Vers, einen Mann von reichstem Wissen und scharfem Geiste an, aber zu Hypothesen und einseitigen Behauptungen geneigt; seine Sprache ist lebhaft und schneidig, aber inkorrekt, salopp und bisweilen auch geschmacklos (z. B. der mit Vorliebe wiederholte Ausdruck „die Schmelzsprache" des II. Jesajas). Wenn der Vers, die Form eines Briefwechsels gewählt hat, so trägt dies gewiß zur Belebung der Darstellung bei; auch daß die Briefe gerade mit einer englischen Dame ausgetauscht sein sollen, ist erklärlich, weil er voraussetzt, daß eine solche recht „bibelfest" ist, was von einer deutschen Jüdin nur höchst selten gelten könnte. Daß er aber dann doch dieser englischen Dame Dinge Vordemonstrirt, wie in seinem ersten, d. i. dem zweiten Briefe geschieht, nämlich über die vielfachen Verirrungen der „Fleischeslust" bei den Culturvölkern, was ausführlich mit statistischen Angaben auseinandergesetzt wird, das widerspricht dem Geschmack überhaupt und der bekannten Prüderie der englischen Damen gar sehr. In einer ernsthaften Abhandlung könnte Niemand etwas dagegen einwenden; aber in einem der Oeffentlichkeit übergebenen Briefwechsel mit einer Dame nimmt es sich sonderbar aus. Wir bemerken dies nicht etwa, um nur zu tadeln; wir hätten es mit Stillschweigen übergangen, wenn wir hiermit nicht gleich aus den eigentlichen Kernpunkt der ganzen Schrift kämen. Denjenigen Juden gegenüber nämlich, welche sich der Cultur unser Zeit eng angeschlossen haben, welche ihr den höchsten Werth zuschreiben und das Judenthum vor ihr gering zu schätzen sich anmaßen, spricht der Vers, im zweiten Briefe eine maßlose Verachtung dieser Cultur, eine tieswurzelnde Feindschaft gegen dieselbe aus. Er sindet das Produkt der ganzen Cultur bei den alten wie bei den modernen Völ» 43

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