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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-15 · Heft 42 (15.10.1883) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 42 (15.10.1883)
Date
1883-10-15
Page
Seite 688 (sequence 14)
Language
German
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688 Gotteshaus in seiner dreifachen Bedeutung als Bethaus, Lehrhaus und Vereinigungshaus gezeichnet. Nach der Predigt folgte das Gebet für König, Vaterland und Obrigkeit, sowie der Priestersegen (Birkath Kohanim nach der hebräischen Bezeichnung des Festprogramms) und mit Absingung des Psalms 150 schloß die Feier. Die ganze Feier machte auf die Anwesenden einen sehr erhebenden Eindruck. Die Gesänge wurden zur Zufriedenheit von dem Vorbeter der Gemeinde und einem Chor ausgeführt, bei welchem Mitglieder hiesiger Gesangvereine bereitwilligst mitwirkten. Die sowohl durch ihre Vortragsweise als auch durch ihren Reichthum an wahrhaft belehrenden und erhebenden Ideen sich auszeichnende Predigt war durchweg vom Geiste der Humanität getragen und erfüllte die Zuhörer mit sichtlicher Befriedigung, wie sich dies namentlich auch in dem unmittelbar nach Beendigung der Feier dem Redner ausgesprochenen Dank der städtischen Vertreter kundgab. Wie uns verschiedentlich versichert ist, hat der Inhalt der Predigt manche etwa herrschenden Vorurtheile beseitigt und wird sicher das bisherige gute Einvernehmen der verschiedenen Cvnfessionsgenossen nur noch mehr befestigen." Keuil Die h. Schrift im Schauspiel -er Deformations-Zeit. (Schluß.) Die Geschichte von David, Saul und Goliath wurde dramatisirt von: H. von Rute und Holzwart in der Schweiz, vom Schulpoeten Schmelzl in Wien und noch einigen Andern. „Judith" kommt häufiger vor, doch habe ich nur vier Schauspiele dieses Stoffes gelesen: von Hans Sachs, von dem sächsischen Schulmeister Joachim Greff und von dem schon genannten Sixt Birck in Augsburg. Das Stück des Letzteren gehört zu den besten jener Zeit und ist auch von späteren Dichtern benutzt worden, so 1564 von einem Anonymus in Straßburg. Die meisten deutschen Schauspiele von Sixt Birck wurden erst später von ihm in's Lateinische übertragen. Hiob, Äephta, Jeremias und noch andere Stoffe kommen nur in vereinzelten Bearbeitungen vor. Dagegen waren »Esther" und „Tobias" sehr beliebte Stoffe. Esther erscheint sechsmal auf dem Schauplatz; auch der eifrige antipäpstliche lateinische Dramatiker Naogeorgus (Kirchmeyer von Straubing) schrieb einen „Hamanus", welcher von Joh. Chrisens und später noch von Andern übersetzt wurde. „Tobias" aber kommt in zehn verschiedenen Bearbeitungen vor, u. A. von Hans Sachs, Jörg Wickram in Colmar, Ackermann in Zwickau, Brunner in Steher. Das Wickram'sche Schauspiel wurde 1578 von einem Steinmetz Th. Schmidt neu bearbeitet und in Heidelberg von der Bürgerschaft öffentlich aufgeführt, wobei die weiblichen Rollen sämmtlich von Studenten dargestellt wurden. Und eine nochmalige Bearbeitung fand dasselbe Stück zwei Jahre später in St. Gallen. Auch der Nürnberger Schulpoet G. Mauritius, deffen Schauspiele 1606 und 1607 gedruckt wurden, schrieb noch einen Ezechia, Nabal, Josaphat, David und Goliath. Was die dramatische Form der hier aufgezählten Stücke betrifft, so sind darin nicht gerade wesentliche Unterschiede zu bemerken. In meist sehr aphoristischer Weise wurden die Bel e t o n. gebenheiten im dramatischen Dialog vorgestellt, oft reichlich mit moralisirenden Reden begleitet, aber meist ohne innerliche psychologische Motivirung. Auch die Akttheilungen sind nur willkürlich in die Handlung gemachte Einschnitte, die nur den Zweck kurzer Pausen hatten. Da für die damalige Bühne noch kein Vorhang existirte, so mußten bei jedem Aktschluffe die Personen erst abtreten, und nach kurzer Pause begann dann der folgende Akt. Man hielt es zur befferen Verständlichkeit der Handlung für nöthig, dem Schauspiele ein sogenanntes „Argument" vorauszuschicken; in sehr häufigen Fällen war aber außerdem noch jeder Akt mit einem besonderen Argument versehen, in welchem die folgende Handlung erzählt wurde. Nach dieser allgemeinen Ueberschau der biblischen Schauspiele komme ich zu jenen beiden Stoffen des Alten Testaments, welche am allerhäufigsten dramatisch bearbeitet wurden, nämlich „Susanna" und „Joseph". Von der gottesfürchtigen und keuschen Frau Susanna zähle ich bis zum Jahre 1609 nicht weniger als vierzehn Schauspiele, ungerechnet diejenigen lateinischen Comödicn, die nicht auch gleichzeitig in deutscher Bearbeitung erschienen. Unter den Susannen-Dichtern sind auch die bedeutendsten Namen der Zeit vertreten: Paul Rebhuhn in Zwickau, Nicodemus Frischlin in Tübingen und der Herzog Heinrich Julius von Braunschweig. Die ältesten Susannen-Schauspiele sind ein anonymes Nürnberger und ein gleichfalls ohne Autorname und ohne Jahreszahl in Zürich gedrucktes. Bon dem Nürnberger Stück erschien 1534 ein Magdeburger Nachdruck. Auch Sixt Birck hotte schon 1532 in Basel eine Susanna herausgegeben. Dann folgten: Paul Rebhuhn (1536), Stöckel, Conrad Graff, ein Augsburger Druck von 1580, Nicodemus Frischlin, Heinrich Julius von Braunschweig, Andr. Calagius, Georg Pondo (Cöln an der Spree, 1605), Samuel Israel von Straßburg und Leseberg in Lemgo (1609). Paul Rebhun's „Susanna" überragt nicht nur die an-

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