Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Date
- 1883-10-15
- Page
- Seite 687 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227490--41197-3309656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
687 Damaskus; (auch nicht in Salonichi. Redakt.) In dieser spruch. Gewöhnlich sagt man, daß das Elend durch die Stadt leben von 1,600 jüdischen Familien tausend Wenig- Faulheit entsteht, aber hier entsteht es durch den Mangel an stens von dem Handwerk, das sie betreiben. Folgender Weise Arbeit. Wenn die Armuth bei uns auch groß ist, so nimmt vertheilen sich diese Handwerke: 600 Arbeiter weben baumwollene Stoffe (Dima) 200 „ „ wollene „ und hauptsächlich Portitzrcn (Aba6) 50 „ „ seidene „ (Caffw) 850 also eine Gesammtzahl von 850 Webern. Die anderen Arbeiter sind: 50 Kupferstecher, 30 Färber, 30 Klempner, 15 Schreiner, 15 Maurer, 15 Goldschmiede, 2 Schuster, 20 Seifensieder, 8 verschiedene. sie wenigstens nie jenen Charakter schrecklichen Elends an, den man in gewissen Städten bemerkt. Alle arbeiten, der Müßiggang ist unter den kleinen Leuten unbekannt; die Wirthshäuser haben in unserem Viertel keine Wurzel fasien können; die Verkäufer von Wein und Spirituosen haben niemals Glück gehabt; Betrunkene und Bettler sind ganz seltene . Erscheinungen. Bonn, 7. Oktober. (Notizen.) Aus Linz (an der Donau) wird geschrieben: Am 21. September verschied hier Herr Ferdinand Wertheimer, der erste Jude, welcher in! Oberösterreich ein Gut, Ranshofen im Jnnviertel, erwarb und in eine Musterwirthschaft ersten Ranges umgestaltetc. Wertheimer war seit dem Jahre 1867 Mitglied des oberösterreichischen Landtages und wurde zum Ehrenbürger der Städte Ried und Braunau ernannt. An seinem Leichenbegängniffe betheiligten sich u. A. der Staathalter Baron Weber, 1050 zusammen. der Statthalter Bicepräsident Prinz Metternich, der Landes- Dcr jüdische Arbeiter ist fleißig, intelligent; er arbeitet Hauptmann und eine große Anzahl von Lantagsabgeordneten. während des ganzen Tages und einen Theil der Nacht.. Er Die irdischen Reste des verdienstvollen Mannes wurden in ruht sich nicht eine viertel Stunde aus; fern Frühstück beder Familiengruft auf dem israelitischen Friedhose zu Augssteht aus einem Stück Brod, das er beim Arbeiten von einerj 6urg beigesetzt. — In Hannover ist Rabbiner vr. Grone- Hand in die andere nimmt. Er unterbricht sich nur, um! mann zum Landrabbiner gewählt worden.— Rabbiner vr. sein Gebet zu verrichten, denn er ist vor Allem religiös. Dankowitz, bisher in Birnbaum, ist von der Gemeinde zu Sein Arbeitstag besteht aus wenigstens zwölf Stunden, trotz-! Str akonitz (Böhmen) einstimmig zum Bezirks- und Lokaldem — es ist traurig zu sagen! — verdient er kaum so! rabbiner gewählt worden und hat sein Amt bereits angeviel, um eine zahlreiche Familie zu ernähren. Ein Arbeiter treten.— Am 26. September fand in Brandenburg a. d. erhält gewöhnlich 1 Franc per Tag, und manchmal 1 Frc. Havel die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt und 50 Cts., aber selten 2 Francs; freilich muß man hinzufügen, zwar unter reger Betheiligung der jüdischen Gcmeindcmitdaß es eine Menge Familien giebt, welche mit 50 bis 60 Cenglieder, sodann auch anderer Confessionsgenossen. Der „Brantimes per Tag bestehen können. Wie das möglich ist, habe denburger Anzeiger" berichtet über diese Feier folgcndcrich nie begreifen können. Es ist wirklich wunderbar, wie! maßen: „Das ganze Gebäude gibt Zeugniß von der Kunstman mit der bescheidenen Summe von 200 bis 250 Francs Verständigkeit des Baumeisters, dem Fleiß und Talent sämmtper Jahr auskommt, um eine Wohnung zu miethen, eine licher Künstler, Handwerker und Arbeiter. Die Feier, welcher Frau und eine ganze kleine Welt von Kindern zu ernähren auch die Spitzen der beiden städtischen Körperschaften bei- und zu kleiden, ohne den alten Vater, die alte Mutter und wohnten, begann präcise 11 Uhr. Nachdem die Gesetzesrollen andere mehr oder weniger entfernte Verwandte;u rechnen, aus dem bisherigen Betlokale unter Absingung verschiedener Die Frauen arbeiten auch, aber zu Hause. Ein Schneider, religiöser Lieder in das festlich geschmückte Gotteshaus gemit welchem ich neulich sprach, sagte mir, daß er für jedes! tragen und in die heilige Lade eingehoben waren, wurde Kleidungsstück, das er den Arbeiterinnen zu nähen gebe (es das Dreimalheilig gesungen. Hierauf folgte die von Herrn handelt sich um Soldatenuniformen) 20 Centimes bezahle! j Rabbiner Dr. Kroner gehaltene Predigt. Der Redner sprach Zwanzig Centimes: Arme Frauen! — Beklaget sie nicht zu zunächst das Weihgebet, worin er die Anwesenden begrüßte sehr, sagte der Schneider zu mir, zwanzig Centimes, das ist i und segnete, auch hervorhob, mit welchen großen Opfern die sehr schön, das macht mehr als sechs Francs per Monat. Gemeinde das Gotteshaus erbaut habe und den Segen aus Sie sind sehr glücklich, Arbeit zu noch billigerem Lohne zu'dasselbe herabflehte. In der eigentlichen Predigt wurde vor finden: nur wenn die Arbeit fehlt, sind sie zu beklagen. Tiefe! allem auf die Nothwendigkeit besonderer Gotteshäuser gegenungenügende Bezahlung erregt in der That keinen Widerj über dem Tempel der Natur hingewiesen und sodann da5-