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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-15 · Heft 42 (15.10.1883) · p. Seite 689

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 42 (15.10.1883)
Date
1883-10-15
Page
Seite 689 (sequence 15)
Language
German
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689 dern Stücke gleichen Stoffes, sondern auch sämmtliche Schauspiele des ganzen Jahrhunderts. Die Composttion ist so klar, die Handlung so sorgfältig entwickelt, daß der Zwickauer Dichter (vermuthlich aus Berlin gebürtig) damit selbst den englischen Dramatikern weit voraus war. Frischlin's „Susanna" ist reich an trefflichen Scenen und guten Gedanken, nur leider allzubreit in der Ausführung; das Stück hat gegen 5000 Berse! Fast in allen Schauspielen, die diesen Stoff behandeln, ist auf die schließliche Steinigung der beiden überführten Sünder ein großes Gewicht gelegt. Frischlin's Bruder Jakobus, der auch dieses Stück deutsch bearbeitete, giebt bei jener Schlußscene zugleich eine genaue Anweisung, wie die Steinigung, wenn sie sichtbar vor allem Volke geschehen soll, am besten auszuführen sei. Man solle nämlich „Leimen" (Lehm) nehmen, viereckig formirt wie Steine, „ein Korb voll oder zwei, daß der Leimen noch weich ist, also daß Einer einen solchen Puff wohl erleiden mag, bis doch durch einen sehr klaren scenischen Plan aus. Bei der Aufführung durch die Bürgerschaft wurde nicht nur Potiphars Weib und andere weibliche Rollen von Studenten gespielt, sondern auch die sämmtlichen Söhne Jakobs, mit Ausnahme des Simeon. — Bon dem lateinischen Schauspieldichter Aegidus Hunnius erschien 1584 ein „Joseph", der später von Verschiedenen verdeutscht und bearbeitet wurde. Auch von Martinus Balticus in Ulm erschien 1579 ein lateinisches Schauspiel dieses Stoffes; endlich sei noch des Breslauer Meistersängers und Schusters Adam Puschmann, eines Schülers von Hans Sachs, große Comödie von Jakob und Joseph erwähnt. Für die Frau des Potiphar haben fast alle Dichter einen eigenen Namen erfunden; einmal heißt sie Macha, dann Sephona, dann wieder Sepharin u. s. w. Aber unter allen diesen Joseph-Stücken kenne ich keines, in welchem die Berführunzsscene der Potiphar mit Joseph nicht mit größter Discretion behandelt wäre, was ja allerdings schon durch die er endlich liegt als wäre er todt". In dem alten Nürnberger! Schulzwecke der meisten Stücke geboten war. Stück ist die Steinigung sogar für den folgenden Tag als Ueberhaupt zeichnen sich fast alle Reformations-Schauein besonderer dramatischer Leckerbissen aufgespart, und die spiele, welche biblische Stoffe behandeln, nicht allein durch Zuschauer des eigentlichen Stückes werden am Schluffe aufj tiefste Religiosität aus, sondern auch durch taktvolle Zurückgefordert, sich dazu am nächsten Tage halb 3 Uhr vor dem Haltung in der Behandlung der manchmal doch nicht unbe- Rathhaus einzusinden. deutlichen Situationen. Bon den anderthalb Dutzend Schauspielen, welche (etwa i Wenn von den beiden zuletzt genannten und am häu- bis 1620) die Geschichte des Joseph behandeln, mögen hier sigsten behandelten biblischen Geschichten von Susanna und schließlich nur einige der hervorragendsten genannt sein. Joachim Greff's Spiel „Von dem Patriarchen Jakob und von Joseph, auch die letztere die stärkere dramatische Bewegung für sich hat, so haben doch beide Stoffe das mit seinen zwölf Söhnen", wurde 1534 zu Magdeburg auf dem, einander gemein, was zu ihrer großen Popularität sicher am Schützenhofe aufgeführt. Im Elsaß erschien 1540 ein „Joseph" i von Philipp Gart und wurde in Schlettstadt vor einer „ehr-, baren Bürgerschaft" öffentlich gespielt. In Heidelberg erschien! meisten beitrug: die Idee der verfolgten und triumphirenden Unschuld. Mit den Greueln des dreißigjährigen Krieges ver- 1579 ein „Joseph" von dem schon genannten Steinmetz schwanden diese fruchtbare biblische Dramatik und die Harm- Thomas Schmidt und wurde ebenda mit großem Aufwand losen Spiele der „ ehrsamen Bürger", Gymnasiasten und von Personen gespielt. Obwohl das Stück für zwei Tage, Studenten; späterhin kamen die englische Comödie und die jeder Tag mit sechs Akten, eingerichtet ist, so zeichnet es sich englischen Comödianten und ihr Beispiel in Schwung. Anzeigen. T«« werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- XI1PC1 **I/O folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Füialen in Berlin etc. zu adressiren. Isr. Lekra. Erziekmigs-Instliut zu Pfungstadt bei Darmstadt. Beginn des Wintersemesters am -9.Ociober. Prospectns und nähere Auskunft ertheilt 1146391_ Pr. Joel, Direktor. Gesucht zum November für eiueu nicht große» Haushalt eine tüchtige israelitische Aochiu, die etwas Hausarbeit mit übernimmt. Näheres bei Frau I. L. Adler, Hamburg. Grindelhos 33. si46r>«l Pensionat und höhere Töchterschule von Geschv. Sobernheim, Biugeu a. Rh. Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann jederzeit stattfinden. (F. 111951 Handels-Znstitut und Pensionat I. Ranges in Brüssel (Belgien), gegründet im Jahre 1863, 168—170 Chaussee d’Etterbeck, dem Park Leopold gegenüber, geleitet t>on Prof. L. Kahn. [11237]

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