Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Date
- 1883-10-15
- Page
- Seite 686 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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% ss .»•■i mit verdoppeltem Eifer, denn die Vorurtheile sind schwer zu | entwaffnen; wenn man sie besiegt zu haben glaubt, tauchen ' sie plötzlich in einer neuen Form wieder auf. Diese Verpflichtung zur Arbeit, zum Studium, zum Patriotismus, zu einer vorwurfsfreien Moralität, welche eure Eigenschaft als Israeliten euch auferlegt, erweist noch andere Bortheile als diejenigen, welche ihr berechtigt seid, davon für euch zu erwarten. Indem ihr sie getreu erfüllt, befestigt ihr für alle Unterdrückten die Herrschaft der Gerechtigkeit und der Freiheit; beweist ihr in verallgemeinernder Art, daß es keine menschliche Raffe gibt, die durch das Geschick zur Knechtschaft bestimmt ist, sondern daß wir Alle mit denselben Rechten geboren werden, weil wir dieselben Pflichten haben, weil wir eine Seele besitzen, die über die körperlichen Mißgeschicke und Zufälligkeiten der Geburt zu triumphiren versteht. Die Herrschaft der Gerechtigkeit und der Freiheit befördern , ist die Herrschaft Gottes fördern. In der That, Gott ist das letzte Wort der Gerechtigkeit, wie es das letzte Wort der Wiffenschaft, der Moral, der Religion, der Kunst, der Poesie ist, das geheime oder eingeftandene Ziel unserer Anstrengungen, unserer Opfer, unserer Bestrebungen, unserer Hoffnungen. Wenn Er fehlt, so find Finsterniß und Oede in der Natur und in unseren Herzen. Ohne Ihn ist die Arbeit eine Strafe, die Bildung eine Gefahr und die Schule eine Stätte, wo jede Regierung, jede zur Macht gelangende Secte die Seele der Kindheit zu ihrem eigenen Nutzen bilden will. Ich kann nicht bester schließen, als indem ich Seinen Namen ausspreche und Ihn euch wie einen Talisman darbiete, der nicht verfehlen wird, euch Glück zu bringen."- Wie man sieht, erscheint das Judenthum, sobald es in die Oeffentlichkcit tritt, in der edelsten und sittlichsten Weise — aber das ist es vielleicht, was seine Gegner am tiefsten verletzt und aufreizt. Schwei;. Genf, im Oktober. Nach einer Correspondenz der „Times" von Genf versuchen jetzt die Antisemiten auch in der Schweiz ihren giftigen Samen auszustreuen. Daß sie sich hierzu gerade Genf auserwählten, kann nicht auffallen. Tenn bekanntlich ist in dem Genfer Canton der Heerd aller fremdländischen Anarchisten aufgeschlagen, um von hier aus ihre Umtriebe durch ganz Europa zu leiten. Warum sollten nicht die Antisemiten dem Beispiele der russischen Nihilisten und anderer Revolutionäre folgen und unter dem Schutze der Genfer Republik ihre unheilvollen Pläne fortspinnen. Um jedoch bei den Genfer Behörden keinen Verdacht zu erregen , schrieben sie eine Versammlung nach dem Oertchen Buhr im Kanton Zürich aus. An der Spitze dieser allerdings nur spärlich besuchten Versammlung stand wieder ein protestantischer Pastor, Namens Egli. Er donnerte gegen den Talmud und verlangte vor Allem, daß man allen Geschäftsverkehr zwischen Juden und Christen verhindern müffe, und daß man Hülfskaffen für die Landleute gründen solle, um diesen zu ermöglichen, ihre Bedürfnisse ohne Zwischenkunst von Juden zu befriedigen. Es versteht sich, daß die Anwesenden diesen Vorschlägen bereitwillig zustimmten, und hiermit ging man wieder auseinander. Haben doch diese Leute viele Worte, aber nicht die geringste Willigkeit zu Thaten, es sei denn, daß man die Hefe des Volkes zu Plünderung und Todtschlag aufzuhetzen gedenke. Rußland. Petersburg, 1. Oktober. Den beiden Revaler Gewerbtreibenden jüdischer Confession, Braun und Weinstein, war bekanntlich die gerichtliche Eintragung von Hauskäufen in Reval verweigert worden. Das Gericht hatte diese Weigerung damit motivirt, daß die beiden Persönlichkeiten in Reval nicht ihren permanenten Wohnsitz hätten, und daß sie in ihrer Eigenschaft als Juden, die anderwärts gebürtig feien, nicht das Recht besäßen, in Reval Immobilien zu erwerben. Auf eine Reklamation an den höheren Gerichtshof erfolgte die Entscheidung, daß B. und W., in ihrer Eigenschaft als Gewerbtreibende wohl das Recht hätten, im ganzen Lande ihren Wohnsitz zu nehmen, ohne daß die baltischen Provinzen hierin eine Ausnahme machen, und daher auch Immobilien erwerben dürften, so daß das Gericht in Reval die verlangte Eintragung vorzunehmen hätte. Die Freude über diese günstige Entscheidung war sehr groß, wie sich auch in den Berichten unseres Correspondenten von dort aussprach. Allein man war noch nicht zu Ende. In Rußland weiß man immer einen Ausweg. Da dieser Beschluß nicht mit Stimmeneinhelligkeit gefaßt war, ist die Angelegenheit an eine weitere Instanz verwiesen worden, wo sich die Majorität zwar für die letztere Auffassung entschied, eine Minorität aber wiederum der gegentheiligen Anschauung war. Auf diese Weise ist die Angelegenheit an den Justizminister verwiesen worden, der seine Auffassung hinwiederum erst dem Staatsrath zu unterbreiten hat. (!!) Asien. DaMaskus, im September. Bei Gelegenheit der Gründung eines neuen Lehrlingshauses zu Damaskus, hat das Centralcomit« der Alliance folgenden Brief über die jüdische Bevölkerung dieser Stadt erhalten: Die jüdische Bevölkerung von Damaskus ist gewöhnlich sehr thätig und meistentheils als Handwerker beschäftigt. In Constantinopel und vielleicht auch in den anderen Städten der Türkei sind die Israeliten meistentheils — wenn nicht alle — Kaufleute und Sarafs (Wechsler), es giebt nur sehr wenige, die sich mit der Industrie befassen. Nicht so in r: