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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-15 · Heft 42 (15.10.1883) · p. Seite 684

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 42 (15.10.1883)
Date
1883-10-15
Page
Seite 684 (sequence 10)
Language
German
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große gesellschaftliche Erschütterungen, die gewaltsame Auf-! lösung der geschäftlichen Verhältnisse und ein Angriff gegen die Grundbedingungen der nationalen Arbeit sein würden. Pest, 27. September. (Privatmitth.) Die liberale Partei des heute wieder eröffneten Abgeordnetenhauses hat heute die erste Conferenz abgehalten. Da hatte der Ministerpräsident Tißa wieder Gelegenheit zu reden, über die antisemitische Bewegung zu reden, über die, wie er selbst zugesteht, „eigentlich nicht viel zu reden sei. Dieses schmachvolle Treiben stehe mit der ganzen Vergangenheit, mit der Geschichte und dem durch Jahrhunderte bewährten Charakter der ungarischen Nation im gröbsten Widerspruche. Man möge sich doch ein wenig in der Provinz umsehen und man wird erfahren, wie schwer — vom Staatscredit gar nicht zu reden — der Credit jedes Einzelnen, Handel und Wandel im ganzen Lande geschädigt worden sind. Er hoffe, es werde eine einzige Enunciation im Reichstage genügen, um die letzten Funken dieser schmachvollen Bewegung zu ersticken; sollte das nicht der Fall sein, dann werde er die weitestgehenden Vollmachten verlangen und zwar solche, durch welche nicht nur die armen Verführten, die unbewußten Werkzeuge, sondern auch die intellectuellen Urheber, die gewiffenlosen Anstifter gefaßt werden können, denn diesem skandalösen Treiben müffe um jeden Preis rasch und gründlich ein Ende gemacht werden." Der currentirte Agitator Valentin Jakabsi, der vor Kurzem Zala-Lövö und Umgegend mit seinen berüchtigten „700" acht Tage lang in Schrecken hielt, wurde heute in Böde nächst Zala-Lövö eingefangen und nach Egerßeg gebracht. Jakabsi hat sich, seit er currentirt ist, nicht die geringste Mühe gegeben, sich zu verbergen, er weilte beständig auf den Schauplätzen seiner Agitationen: Salomvar, Kemenyfa, Esceb, Zalapatak, Böde. — Staatsanwalt Jeßenßky studirte die Protokolle der Zala-Lövöer Untersuchung, fand diese lückenhaft und verlangte eine neue Untersuchung. Heute wurden vierzehn Theilnehmer an den in Szigetvar stattgesundenen antisemitischen Tumulten durch Husaren in das Central-Gefängniß in Kaposvar eskortirt. Eine große Volksmenge gab der Eskorte das Geleite. Frankreich. Paris, 5. Oktober. In Constantine haben jüngst eingeborene Tiraillcurs, die den folgenden Tag abziehen sollten, gegen die Juden Plünderungen und Mißhandlungen auszuführen gesucht. Erst nachdem genügende polizeiliche und militärische Kräfte herbeigeholt worden, konnte dem verbrecherischen Unternehmen ein Ziel gesetzt werden. Ueber dreißig dieser Tiraillcurs wurden gefaßt und ins Gefängniß geschafft, wo sie schwerer Strafe entgegen sehen, denn 13 Israeliten wurden verwundet und einem Eingeborenen der Arm gebrochen. Man wird sich erinnern, daß schon in früheren Jahren diese eingeborenen Soldaten sich ähnlichen Unfugs schuldig gemacht haben. Sie müffen von Zeit zu Zeit durch den Strafrichter daran erinnert werden, daß es mit der arabischen und maurischen Herrschaft zu Ende gegangen. Paris, im Oktober. Bor Kurzem fand die jährliche Preisvertheilung an die Schüler und Schülerinnen der Confistorialschulen statt. In der zahlreich besuchten Versammlung führte Prof. Adolph Franck den Vorsitz und hielt eine treflliche Ansprache an die Zöglinge. Nach den anziehenden und liebreichen einleitenden Worten sprach der allverehrte Greis folgendermaßen: „Was könnte ich euch sagen, meine Kinder, was eure Eltern und eure Lehrer euch nicht schon oft vor mir gesagt haben? Daß der Unterricht die geistige Speise ist, wie das Brod die Speise des Körpers, und daß ohne die erstere es nicht allein schwierig, sondern unmöglich ist, sich die letztere zu verschaffen; daß wir in einer Zeit und unter der Herrschaft der Gerechtigkeit leben, wo der Mensch nur gilt, durch das was er weiß, und wo selbst der Hände Arbeit sich durch die Wiffenschaft erhebt, indem sie von dieser lernt, was am nützlichsten und am ergiebigsten ist; daß die Herrschaft der Unwiffenheit und des Müßiggangs, die Ursache so vieler Verbrechen, die Quelle so vielen Elends während einer langen Reihe von Jahrhunderten, für immer, wenigstens auf Frankreichs Boden, vorüber ist, und daß Alle, ohne Unterschied, reich oder arm, in der Dunkelheit oder in mehr oder weniger Hellem Glanze eines bekannten Namens geboren, arbeiten und lernen müffen', daß es weder Sicherheit, noch Achtung, noch eigenen Heerd, noch Vaterland für denjenigen gibt, der sich selbst und Anderen nicht zu nützen weiß oder den Willen hat, kurz, daß die Gesellschaft eine Bereinigung gegenseitiger Dienstleistungen, gegenseitiger Hingabe ist, wo man nur empfängt, je nachdem man gibt, d. h. was man weiß und was man thut. Das sind, dessen bin ich gewiß, einige der Lehren, welche eure Ohren am häufigsten vernehmen. Aber, obgleich es Wahrheiten gibt, die man nicht zu oft wiederholen kann, so will ich doch lieber bei solchen verweilen, von denen man euch vielleicht seltener spricht und die doch ihre große Wichtigkeit für euch besitzen. Ihr wißt es, meine lieben Kinder, ihr seid für mich nicht nur junge Landsleute, zukünftige französische Bürger, welche schon aus diesem Grunde ein Anrecht auf mein warmes Jnreresfe, auf mein ernstes Bemühen haben; ich bin mit euch noch durch viel engere Bande verknüpft, durch wirkliche Familienbande, auf die ich mein ganzes Leben hindurch, in guten wie in schlechten Tagen stolz war und mit denen ich mich mit einer Art Stolz jedes Mal geschmückt habe, wenn die Verfolgung unsere Brüder heimsuchte. Run, wovon ich euch überzeugen wollte, ist, daß das Gesetz der

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